Nachhaltigkeit verbindet Menschen

Fr, 14. Jun. 2019
Das sind die Redner der ersten Nachhaltigkeitsplattform im The Alpina Gstaad: sitzend von links Nachson Mimran, Sierra Quitiquit, Johan Ernst Nilson, stehend von links Nate Petre, Cameron Saul, Collin Foord, Oliver Wayman und Grant Kendzior FOTO: ZVG

Gestützt auf die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele stellte The Alpina Gstaad am vergangenen Pfingstmontag eine erste Austauschplattform bereit. Jungunternehmer und Gäste hörten sich spannende Vorträge an und diskutierten, was sie zum Thema «Leben unter Wasser» leisten können.

BLANCA BURRI
Es ist mucksmäuschenstill im Kino vom The Alpina in Gstaad. Der schwedische Abenteurer Johan Ernst Nilson zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, mit viel Charisma und Kraft erzählt er von seinen Exkursionen in die abgelegensten Winkel der Erde. Er zeigt Bilder von seiner Besteigung des Mount Everest und spricht vom Schock über die Abfallberge, die er dort angetroffen hat. Kurzerhand sammelte er 700’000 Franken und organisierte eine mehrjährige Aufräumaktion mit 200 freiwilligen Helfern. Mehrere Tonnen Müll, darunter eine Million Wasserflaschen, holten sie vom höchsten Berg. Daraus schaffen sie Kunst. Johan Ernst Nilson ist nur einer von mehreren Referenten, die am vergangenen Wochenende im Luxushotel das Thema Nachhaltigkeit diskutierten und Lösungen für die vielen Umweltprobleme suchten, die Planet Erde zu schaffen machen.

Idee reift seit Jahren
Nachson Mimran, Sohn von Hotelbesitzer Jean-Claude Mimran, befasst sich seit Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit. «Weil ich hier aufwuchs, bin ich extrem mit dem Saanenland verbunden.» Die Natur sei in seiner Jugend eine grosse Spielwiese gewesen und habe ihn gelernt, mit Ressourcen umzugehen. Im Erwachsenenalter arbeitete er mehrere Jahre im Familienunternehmen in Afrika, kam aber mit dem Bau vom The Alpina nach Gstaad zurück. «Nach der Eröffnung merkte ich, dass das Hotel viel mehr sein kann als nur ein Luxushotel.» Es könne eine Plattform für unglaubliche Ideen sein, wo sich Gäste und Einheimische austauschen und voneinander lernen. Er kann sich zum Beispiel einen Dialog zwischen lokalen Landwirten und solchen aus anderen Bergregionen vorstellen.

Serie mit verschiedenen Themen
Das vergangene Wochenende zum Thema «Leben unter Wasser» war ein Projekt, an dem bereits 70 Personen teilgenommen haben. Nachson Mimran stellt sich eine Serie von sechs bis acht Anlässen pro Jahr vor. Jeder soll einen anderen Schwerpunkt haben. «Mir schweben verschiedene Ideen wie Flüchtlingswesen oder die Plastikproblematik vor.»

Bereits mit der ersten Austragung ist er sehr zufrieden und er konnte verschiedene Ziele erreichen. «Gstaad ist nicht nur als Jetset-, sondern auch als Nachhaltigkeitsdestination sichtbar und wir haben den Start der Sommersaison belebt.» Zudem habe der Anlass junge, initiative Leute zusammengebracht, die sich vernetzt und über Nachhaltigkeit ausgetauscht haben. «Es war sehr einfach, die Leute nach Gstaad zu holen», beantwortet Nachson Mimran eine entsprechende Frage. Als Grund nennt er die wunderbare Gegend, mit der er werben konnte. Sein grosses Netzwerk kam ihm auch entgegen. «Mit dabei waren Schauspieler Michael Trevino, Supermodel Alessandra Ambrosio und Freeskier Sierra Quitiquit», freut er sich. Das Thema Nachhaltigkeit sei überhaupt kein Abschreckungsgrund gewesen. Im Gegenteil: «In meinem Freundeskreis sprechen wir sehr oft darüber, es ist mir wichtig.» Er setzt auch konkrete Projekte um: To.org ist eine von den Mimran-Brüdern betreute Stiftung, die sich um Projekte wie alternative Energiegewinnung, Ernährung, Medizinzentren in Schwellenländern, Entwicklungsprogramme für Flüchtlinge, Bildung etc. kümmert. Dabei setzt die Stiftung einen Fokus: «Wir versuchen vor allem Frauen zu unterstützen, denn sie sind weitsichtig und verantwortungsvoll.»

Kein Widerspruch zu Luxus?
Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur frei zugängliches Wasser oder gesundes Essen, sondern vor allem auch faire Löhne, saubere Herstellungsverfahren und Wertschätzung der Bevölkerung in den Produktionsländern. Viele Gstaader Feriengäste besitzen weltweit tätige Firmen mit Niederlassungen in Schwellenländern. Ist es ein Affront, wenn sie in einem Luxushotel über Nachhaltigkeit sprechen? Brenda Zimmermann, Leiterin Marketing und Partnerschaften The Alpina erklärt: «Uns geht es darum, eine Plattform zu bieten, wo solche Themen auf den Tisch kommen, wo ein offener und ehrlicher Austausch stattfindet. Was die Gäste mit den Erkenntnissen machen, können wir nicht leider beeinflussen.» Eine Hoffnung schwingt bei ihrer Aussage mit, dass der eingesetzte (Nachhaltigkeits-)Samen keimt und sich im Führungsstil der genannten Firmen niederschlägt.

«Togetherbands» verbinden
Das Alpina setzt auch beim Wasser auf Nachhaltigkeit. Wie andere Hotels verkauft es einheimisches Wasser und spendet einen Teil des Erlöses an ein Naturprojekt. Auch die Kunst steht im Moment unter diesem Motto. Zum Beispiel haben Kinder gemeinsam mit der bekannten Papierkünstlerin Anne Rosat einen Scherenschnitt kreiert. Der Erlös dieses Workshops wurde für einen guten Zweck verwendet und das Bild ausgestellt. Eine farbenfrohe Wandskulptur ziert zudem eine Altholzwand bei der Bar. Das dafür verwendete Material stammt aus ausrangierten illegalen Schusswaffen und kommt nun in Dosenverschlussdesign daher. Zudem verkauft das The Alpina Gstaad «Togetherbands», die nur im Doppelpack erhältlich sind. Die Idee lehnt sich an das Modell des Freundschaftsbands, weil mit dem zweiten Band die beste Freundin oder der beste Freund beschenkt wird. Sie sind wie die Wandskulptur aus illegalen Schusswaffen sowie aus recyceltem Plastik hergestellt.

www.to.org www.togetherband.org www.globalgoals.org

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