«Wir hatten einen sehr guten Alpsommer»

  03.09.2019 Gstaad

Wunderschön geschmückte Tiere, eine volle Promenade und Wetterglück: So kann die fünfte Gstaad Züglete zusammengefasst werden.

BLANCA BURRI
Das Saanenland ist bekannt für seine wunderschöne Simmentaler Rasse. Das Vieh wird an regionalen und nationalen Wettkämpfen regelmässig ausgezeichnet. Vier Herden zogen an der Gstaad Züglete vom vergangenen Samstag blumengeschmückt durch die Promenade und begeisterten mehrere Hundert, wenn nicht sogar Tausende Touristen und Einheimische, welche am Wegrand standen. «Am frühen Nachmittag war die Promenade so voll, dass nur noch ein schmaler Korridor für die Züglete frei blieb», beobachtete Moderatorin Léonie Müller das Treiben. Einige Besucher versuchten ein spektakuläres Foto zu schiessen, weshalb sie bis zur letzten Sekunde mitten auf der Promenade standen, bevor das Vieh sie fast umrannte. Nach den vier Zügleten von Familie Ernst Reichenbach, Grund, Familie Johann von Grünigen, Turbach, Familie Ueli Bach, Turbach, und Familie Paul Allenbach, Bissen, folgte jeweils ein weiterer pittoresker Höhepunkt: Zwei Shetlandponys, geführt von Luana Moosmann und Dunja Däpp, zogen den Besenwagen. Familie Moosmann sorgte dafür, dass die Strasse von den Hinterlassenschaften des Viehs grösstenteils befreit wurde und die Schuhe der Touristen somit sauber blieben. Die Endreinigung übernahm dann am Schluss des Anlasses die motorisierte Putzmaschine.

Toller Alpsommer
Nationalrat Erich von Siebenthal wirkte zusammen mit Léonie Müller als Moderator. Der Bergbauer fasste den vergangenen Alpsommer wie folgt zusammen: «Um den zehnten Juni haben die meisten Landwirte ihr Vieh auf die Alp getrieben. Weil der Frühling spät war, hatte es junges Gras, was viel Milch und folglich viel Käse bedeutete. Während des ganzen Sommers war es sehr sonnig und der Regen kam immer zur rechten Zeit. Wir hatten einen sehr guten Alpsommer!» Durch das heisse Wetter habe es lokal auch Gewitter und somit Hagel gegeben. Dies habe sich negativ auf die Futterqualität ausgewirkt. Trotzdem zog von Siebenthal gesamthaft eine sehr gute Bilanz.

Die vier Zügleten koordinierte Landwirt Dominik Matti aus Gstaad. «Ich bin mit den Bauern im ständigen Kontakt. Ziel ist es, dass die Viehherden in der Promenade nicht aufeinandertreffen.» Wenn die Züglete zu nah aufeinanderfolgen, beziehungsweise wenn sie sich in der Promenade treffen, muss jeweils eine Zusatzschlaufe eingelegt werden. «Anhalten kann man eine Züglete nämlich nicht», begründet Matti. Dieses Jahr brauchte es solcherlei Zusatzschlaufen nicht, da sie in regelmässigen Abständen ins Dorf kamen. Im Vergleich zum letzten Jahr gab es heuer zwei Zügleten weniger. «Durch den späten Sommer hat sich alles ein bisschen verschoben», weiss Mitorganisator David Schmid vom Gewerbeverein. Die meisten Landwirte treiben ihre Tiere deswegen erst nächste Woche von der Alp. Weil man die Natur nicht beeinflussen kann, behält sich die Züglete für nächstes Jahr zwei Daten frei: das erste und zweite Septemberwochenende.

Kaum zu überbieten
Gemächlich schritt der vierjährige Stier Damian durch die Promenade. Sein Besitzer Peter Zimmermann führte den 1200 Kilogramm schweren Koloss ruhig am Nasenring. Vor ihm zogen Kinder einen Leiterwagen mit einem zwei Tage alten Kalb. Alle paar Meter blieb das Gespann stehen, weil sich eine Traube Zuschauer gebildet hatte. Alle schossen Bilder, tätschelten den Stier und streichelten das Kalb. Beim Kapälliplatz gab Zimmermann sogar ein kurzes Interview.

Jodler aus nah und fern
Neben den Tieren waren Trachten und Melchröcke das Fotosujet. «Wenn wir für jedes Foto einen Franken verlangt hätten, wären wir nun reich», lachte ein Kind vom Kinderjodlerchörli Saanenland nach dem gelungenen Anlass. Zum musikalischen Gelingen trugen neben den Kindern auch die «Jodlerfründe Bärglerfründe» aus Frutigen, das «Längebärger Jodlerchörli», die «Jodlerfründe Arnensee» und das Alphornduo Mösching bei. Neben den Musikern waren auch einige Einheimische in Tracht gewandet, was die Atmosphäre der Züglete authentisch machte.

Etablierter Anlass
David Schmid zeigte sich über den Anlass extrem erfreut. «Die Züglete ist bereits nach fünf Austragungen etabliert.» Noch immer begeistert ihn das Konzept: Die Organisatoren geben das Datum bekannt und kümmern sich um die Infrastruktur, die Sicherheit und das Verkehrskonzept. «Für den Inhalt der Züglete allerdings sind die Anbieter selbst verantwortlich.» Landwirte verkauften Käse, Dienstleisungsbetriebe luden zum Kundenapéro ein, Geschäfte betrieben einen Marktstand, Marktfahrende belebten das Dorf und der Glockengiesser stellte im Ober-Gstaad Glocken her. Das rege Treiben umrahmt von Musik, Informationen und eben den traditionellen Zügleten machten die fünfte Austragung zum vollen Erfolg.

Video: https://tinyurl.com/y6q9xcyf

 


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