Auf den Spuren des Homo sapiens …
06.09.2019 VorschauLiteratur als kritischer Spiegel unseres Kulturraumes oder als Herausforderung, um die Abgründe und Möglichkeiten unserer menschlichen Seiten zu realisieren – diese Erfahrungen machten Schüler/innen des Gymnasiums im Saanenland in der Auseinandersetzung mit Werken, welche am diesjährigen Festival «Literarischer Herbst/ Automne littéraire» in Gstaad präsentiert werden. Im Hinblick auf den Besuch von Lesungen beschäftigte sich jede Klasse intensiv mit einem Buch, welches im Folgenden von zwei Jahrgängen vorgestellt wird.
«Chaya» von Kathy Zarnegin (Klasse 23s/Ursula Moulin)
Die Autorin: 1964 in Teheran geboren, kam Kathy Zarnegin mit 15 Jahren in die Schweiz. Die vielseitige Autorin ist Lyrikerin, Philosophie- und Literaturwissenschaftlerin, ausgebildete Psychoanalytikerin und Mitbegründerin des Internationalen Lyrikfestivals Basel. 2017 veröffentlichte sie ihren Debütroman «Chaya».
Das Werk: Der autobiografisch gefärbte Roman zeigt einen kritischen Rückblick auf die Kindheit einer jungen Frau, die mit 14 Jahren ihre Heimat, Kultur, Familie und Freunde hinter sich lassen muss, um der islamischen Revolution zu entkommen. Die Schweiz bietet ihr die Chance, eine angemessene Schulausbildung zu absolvieren, aber auch die Herausforderung, sich mit einer neuen Sprache und Kultur auseinanderzusetzen und sich zu positionieren.
MIA, INA, CHIARA
Die Klasse kommentiert:
«Kathy Zarnegin hat ihre Protagonistin mit einer Menge Scharfsinn und Schlagfertigkeit ausgestattet, mit welcher sie sich gegen sexistische Lyriker und Männer sowie konservative Schweizer zur Wehr setzt.»
SOLVEI
«Chaya fühlt sich nirgendwo zu Hause, denn ihre Heimat, wie sie sie in Erinnerung hat, existiert nicht mehr und die Schweiz kann ihre keine zweite bieten. Deswegen ist der Roman geprägt von der Suche nach einer neuen Heimat – in Beziehungen, Sprache, Orten.»
SUE, KARL
«Die Autorin macht klar, dass man den eigenen Wünschen folgen soll. Auch wenn dies nicht immer nach den eigenen Vorstellungen verläuft, sollte man nie aufgeben und für die eigenen Ideen kämpfen.»
ANJA
«Safari» von Laurence Boissier (Klasse 20s/Ursula Moulin)
Die Autorin: 1965 in Genf geboren, studierte Laurence Boissier Innenarchitektur, später Kunst und Design. Die welsche Autorin schrieb mehrere Erzählsammlungen und einen Roman, «Inventaire des lieux», für den sie den Schweizer Literaturpreis 2017 erhielt. Seit 2011 ist sie Mitglied der Autorengruppe «Bern ist überall».
Das Werk: «Safari» ist Boissiers jüngstes Werk (2019). Zahlreiche Alliterationen, Assonanzen und Wiederholungen verleihen ihren Erzählungen Klangfarben und Musikalität. Thematisch beobachtet «Safari» keine Tiere, sondern Alltagssituationen und Verhaltensweisen von Menschen oder Maschinen, Objekten, die oft ins Skurrile oder Absurde kippen. Einige Erzählungen sind humoristisch oder ironisch gefärbt. Sie setzen ein Publikum voraus, das sich nicht zurücklehnt und konsumiert, sondern mitdenkt, den Faden zu Ende spinnt oder dem Ganzen einen Sinn abzugewinnen sucht.
BJÖRN, SARAH V., JAN, ALINE
Die Klasse kommentiert:
«Die Geschichten haben eine Botschaft, um die man ringen muss und die für das Leben nützlich ist. Wir erleben die beschriebenen Situationen indirekt und wir könnten unsere Kreativität erweitern, wenn wir uns ihnen gegenüber öffnen, um unser Leben interessanter zu gestalten. Die Erzählsammlung ist eine Inspirationsquelle, um kreativer zu werden.»
FELIX, MARION
«Die Erzählungen provozieren mehr Fragen als Antworten. Sie wollen uns wachrütteln und einen neuen Blick auf das Alltägliche werfen.»
SARAH U., DANILO




