Interesse an Academies wächst markant

Di, 10. Sep. 2019
Zieht eine positive Bilanz aus den sieben vergangenen Festivalwochen: der künstlerische Leiter des Gstaad Menuhin Festivals & Academys Christoph Müller. FOTO: ARCHIV

Am letzten Wochenende ist das 63. Gstaad Menuhin Festival & Academy zu Ende gegangen. Während sieben Festivalwochen kamen 25’800 Besucher/innen ins Saanenland, um den beinahe 70 Konzerten zu lauschen. Die fünf Meisterkurse waren gefragt wie nie.

JENNY STERCHI
Nach sieben Sommerwochen voller Musik im Saanenland war es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Unterhaltsame und grossartig gespielte Konzerte in den Kirchen der Region und im Festivalzelt wurden sowohl von Stammbesuchern als auch von Festivalneulingen besucht.

Gefragte Academyplätze
Die positive Entwicklung der Academies – Meisterkurse für Streicher, Dirigenten, Pianisten, alte Musik und Gesangstalente – erfordert mittlerweile eine eigene Organisation neben der Konzertorganisation, dem eigentlichen Kerngeschäft des Festivals. Christoph Müller, seit 2002 künstlerischer Leiter des Gstaad Menuhin Festivals, betonte im Gespräch die Bedeutung der Academies nicht nur für das Festival selber. «Durch die Academies und das sehr durchmischte Festivalprogramm in diesem Jahr werden wir als innovativeres Festival als andere wahrgenommen.» Die Academies sind mit den letzten Jahren zu einer Ausbildungsinstitution geworden, die für jeden Absolventen eine Referenz darstellen. «Den jungen Künstlern, die einen der gefragten Plätze in den Academies bekommen, bieten sich zahlreiche Vorteile», sagte Müller und zählte auf: «Zum einen bekommen sie die Chance, mit namhaften Künstlern und Professoren zu arbeiten. Die Studenten der Conducting Academy arbeiten während drei Wochen mit dem Gstaad Festival Orchestra zusammen – ein Luxus für einen Dirigentenstudenten. Zum anderen können sie Bühnenerfahrungen sammeln. Und es ist nicht ganz unwesentlich, wenn sich die Studenten mit dem Abschluss einer Meisterklasse auszeichnen.»

Besonders die Conducting Academy ist europaweit einzigartig und hat sich in den sechs Jahren ihres Bestehens einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Auf die elf freien Plätze in dieser Meisterklasse bewarben sich in diesem Jahr 250 junge Dirigentinnen und Dirigenten. Auch die String Academy war mit über 150 Bewerbungen sehr begehrt. «Das spricht für die Qualität unserer Meisterklassen.»

Sehr erfreulich ist zudem auch das markant steigende Interesse des Publikums an den Abschlusskonzerten der Academies. «Diese Konzerte waren deutlich besser besucht als jemals zuvor», freute sich der künstlerische Leiter.

Produkte etablieren
Er finde, Zahlen spielten für die Wirtschaftlichkeit des Festivals natürlich eine wichtige Rolle, so Müller. Aber gerade in diesem Jahr seien die 25’800 Besucher ein überaus zufriedenstellendes Ergebnis, auch wenn es unterhalb des letztjährigen Rekordes liege. «Mit dem diesjährigen Programm, das nicht so viele Superstars, dafür viel Aussergewöhnliches bot, seien die Erwartungen in jedem Fall erfüllt worden. Man dürfe dabei nicht vergessen, dass es sich um ein Festival mitten in den Bergen, also fernab jeglicher Kulturmetropolen befinde und ein Grossteil des Publikums anreise.

Den leichten Besucherrückgang im Festivalzelt gegenüber dem Vorjahr erklärte Müller so: «Einige Konzerte waren ungewöhnlicher, vielleicht mutiger programmiert, was gewissev Ansprüche an das Publikum stellte, welches sonst eher leichte Klassik konsumiert. Und weil wir, wie bereits angedeutet, als innovatives Festival wahrgenommen werden möchten, präsentieren wir eben nicht nur Mainstream.» Nicht überraschend war, dass zum Beispiel die Konzertabende mit «Carmen» und dem Gstaad Festival Orchestra mit Tschaikowskis 6. Sinfonie mit je 1700 Besuchern quasi ausverkauft waren.

«Die Konzerte in der Kirche Saanen generierten in den zwei vergangenen Monaten zehn Prozent mehr Publikum. Trotz leichten Rückgangs in den Aussenkirchen aufgrund weniger Konzerte in der Kirche Zweisimmen, resultiert ein deutliches Plus in den Kirchenkonzerten insgesamt, was Ausdruck für die Beliebtheit der Kirchenkonzerte als ‹Filetstück› des Festivals ist», ist sich Müller sicher.

Auch das Musikförderungsprogramm ‹Discovery› sei in diesem Jahr erfreulich gewachsen. Viele der Angebote habe die Verantwortliche Anne-Christine Cettou durchführen können. Discovery habe man in diesem Jahr zum dritten Mal in dieser Form durchgeführt und es zeige sich auch hier, dass ein Interesse seitens der Kinder, Jugendlichen und Familien vorhanden sei.

Ebenso könne ein stetiger Zuwachs beim Angebot des Festival-Expresses – spezielle Carfahrten von Lausanne und Bern nach Gstaad – beobachtet werden. «Das bestätigt unsere Vermutungen, dass ein neues Produkt eine Weile im Angebot stehen muss, bevor es der Besucher nutzt.»

Wien im Zentrum des Festivals
Vom 17. Juli bis 6. September 2020 wird das 64. Gstaad Menuhin Festival & Academy seinen musikalischen Blick auf die Hauptstadt Österreichs richten. Das Thema «Wien» bietet neben einem grossen musikalischen Erbe auch die Möglichkeit, den im nächsten Jahr anstehenden 250. Geburtstag Beethovens von einer anderen Seite zu begehen. Die Praterstadt, als Ursprung von Operette und Walzer, beherbergte keine Geringeren als Mozart, Beethoven, Schubert sowie die Strauss-Dynastie. Dass die Stadt bis heute musikalisch vorn dabei ist, beweisen die Wiener Sängerknaben, laut Homepage der Stadt Wien mit 515 Jahren die traditionsreichste Boygroup, sowie die Wiener Symphoniker und die Wiener Philharmoniker. Die Möglichkeiten, Wien musikalisch einzufangen, sind demnach breit gefächert.

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