«JUMP» – Spital Zweisimmen hilft in Gambia

Fr, 25. Okt. 2019
OP-Fachfrau Monika Meister und Chirung Dr. Daniel Trötschler. FOTO: SONJA WOLF

In der vierwöchigen Hilfsaktion «JUMP» wird ein schweizerisch-deutsches Ärzteteam in Gambia Operationen durchführen. Dr. Daniel Trötschler vom Spital Zweisimmen übernimmt die Leitung.

SONJA WOLF
In wenigen Wochen ist es nunmehr soweit: Ein Team aus Ärzten und medizinischem Fach- und Pflegepersonal wird am 17. November nach Afrika fliegen, um an einer Klinik in Gambia Operationen durchzuführen. Zusammen mit Chefarzt Dr. Trötschler fährt auch Monika Meister mit, die als Fachfrau Operationstechnik TOA ebenfalls am Spital Zweisimmen tätig ist.

Wie kam es zu dieser Hilfsaktion?
Dr. Trötschler wurde durch seinen ehemaligen Assistenzarzt Dr. Sebastian Starke auf diese Idee gebracht. Dieser hat die Hilfsorganisation «Drive to Help» im Jahr 2013 mitbegründet und fliegt im November ebenfalls mit nach Gambia. Mit der Unterstützung von «Drive to Help» sowie «Interplast», einem weiteren gemeinnützigen Verein, werden dort bereits seit einigen Jahren schwerpunktmässig Kiefer-Gaumenspalten operiert.

«JUMP» – ein neues Projekt
Aufgrund der grossen Nachfrage und um das Spektrum zu erweitern, wurde durch Drive to Help ein neues Projekt initiiert: «JUMP». Im Rahmen dieses Projektes reist nun erstmals das Team unter der Leitung von Dr. Daniel Trötschler an. Dieses möchte vorrangig unfallchirurgische Eingriffe vornehmen, die in der Klinikin Gambia bisher noch nicht abgedeckt waren. So sind in Afrika zum Beispiel Verbrennungen sehr häufig, da grösstenteils noch an offenen Feuerstellen gekocht wird.

«Wichtig ist mir dabei die Nachhaltigkeit» betont Trötschler im Gespräch mit dem «Anzeiger von Saanen». «Das bedeutet, dass im Bestfall dort eine Unfallchirurgie etabliert wird, in die auch Einheimische miteingebunden sind. Ausserdem wäre es hilfreich, wenn in den folgenden Jahren auch immer wieder einzelne Ärzte aus dem deutschschweizerischen Team hinreisen könnten.»

Aufwendige Vorbereitungen
Um ein solches gross dimensioniertes Hilfsprojekt erfolgreich durchführen zu können, sind gut geplante und teils aufwendige Vorbereitungen nötig. Am Anfang standen Patienten-Fallbesprechungen sowie eine genaue Informationsbeschaffung über die Situation der gambischen Klinik, um zu sehen, was dort an Eingriffen möglich wäre. Ansprechpartnerin war dabei die medizinische Leiterin der dortigen Klinik, Frau Gudrun Lehmbeck. Die Deutsche ist bereits seit 2003 in der ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) Health Clinic im gambischen Serrekunda tätig.

Es folgte die Phase der Materialbeschaffung. Dabei kam dem Team ein unerwarteter Glücksfall zugute: In den letzten Jahren wurde in der Schweizer Unfallchirurgie sehr viel umgestellt mit der Folge, dass das Material in vielen Spitallagern ausgemustert werden musste, obwohl es noch durchaus brauchbar und neuwertig war. In Zweisimmen entstand so eine Win-win-Situation: Die Spitalleitung war dankbar dafür, dass der Keller ausgemistetet wurde, Dr. Trötschler und Monika Meister waren wiederum froh daüber, dass sie einen Grossteil des benötigten Materials kostenfrei zusammentragen konnten. So wurden schliesslich nach monatelangem Sichten und Verpacken sieben Europaletten mit vier Tonnen Material Richtung Gambia verschifft.

Unentgeltlicher Einsatz
Viele einzelne unentgeltliche Angebote machen aus dem Operationsaufenthalt in Gambia eine beispiellose Hilfsaktion: Zum einen hat der gemeinnützige Verein «Interplast-Germany» aus eigenen Stücken angeboten, die Flüge und Versicherungen der teilnehmenden Ärzte und Fach- und Pflegepersonen zu übernehmen. Zum anderen wird das Team von Dr. Trötschler die Operationen unentgeltlich durchführen. Die Materialkosten belaufen sich allerdings trotz allem auf etwa 300 Franken pro Operation. Dafür ist das Ärzteteam und die Organisation «Drive to Help» auf Spendengelder angewiesen.

Dr. Trötschler versichert hinsichtlich der Verwendung der Gelder: «Wir haben das grosse Glück, dass es ein eigenes Projekt von unserer Zweisimmener Klinik mit ‹Drive to Help› ist und wir alle Unkosten, die uns vor Ort entstehen, selbst tragen. Das heisst, dass 100% der Spenden direkt in die Operationen und die Behandlung der Patienten fliessen.»

Einige der Ärzte haben bereits Afrika-Erfahrung, teilweise sogar in Hilfsprojekten. Andere wiederum reisen zum ersten Mal nach Afrika, so wie Monika Meister: «Ich finde es sehr spannend, bei diesem humanitären Projekt mitmachen zu dürfen und die Menschen dort unterstützen zu können.» Das ganze Team ist voller Vorfreude und zählt die Tage bis zur Abreise. (Siehe Inserat)

Programm des OP-Teams in der asb Health clinic gambia: Woche 1 (17.–24. November): Patienten sichten, Vorbereitungen treffen; Woche 2 und 3 (25. November–8.Dezember): Operationen; Woche 4 (9.–17. Dezember): Nachbehandlung der Patienten

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