Von K wie Kempten, Knödel, Kaiserwetter, Klettern, W wie Weisswurst und B wie Bier

Di, 05. Nov. 2019
Hoch über dem Tannheimertal auf dem Gipfel des 2176 m hohen Gimpels. FOTOS: ZVG

Am Freitagmorgen, 25. Oktober um 4 Uhr sind wir, Armin, Adolf, Walter und ich (Ueli Hauswirth) losgefahren, um in Kempten an den IVBV-Klettermeisterschaften teilzunehmen.

In der sehr grossen, topmodernen und 15 Meter hohen Kletterhalle Swoboda angekommen, genehmigten wir uns noch kein K, auch kein W und B, sondern einen stärkenden Kaffee mit – ja, genau! – einer Bretzel. Um 11 Uhr starteten wir mit den Qualifikationsrouten. Jede/r konnte bis am Samstag um 13 Uhr die 18 Routen klettern. Für Kletterer selbsterklärend, für Nichtkletterer hier kurz etwas «Algebra»: Die Schwierigkeiten starten bei 5a und enden bei 7c+, der Multiplikationsfaktor pro eingehängte Exe (so nennen die Bayern die Express-Zwischensicherungen) steht beim 5a bei einer 2 und beim 7c+ bei 35. Heisst: Wenn man die 5a bis oben klettert, hängt man 12 Exen ein, dies multipliziert mal 2 ergibt 24 Punkte. Ein 6b+ mit Faktor 14 und 12 Exen bis oben gibt 168 Punkte und beim 7c+ mit Faktor 35 konnte Adolf beispielsweise noch 4 von den 12 Exen einhängen, was ihm gute 140 Punkte bescherte – Algebra beendet.

Der 40-jährige Gewinner Daniel Gebel kletterte alle Routen fertig und brachte es auf 3288 Punkte. Auch die beste Bergführerin Doerte Pietron, 38-jährig, erkletterte über 3000 Punkte. Dank Walters professionellem Coaching (er konnte wegen einer Handverletzung den Wettkampf nicht klettern), kamen wir auf ca. die Hälfte dieser Punktezahl und feierten unseren «Erfolg» mit W und B, bevor wir in den Genuss kamen, den besten sechs Damen und zehn Herren bei der schwierigen Finalroute (8a+) zuzuschauen und sie anzufeuern.

Mit dem Riesenslalom und dem Aufstiegsrennen, welche jeweils Ende April stattfinden, und dem Klettern im Herbst gibt es eine Kombinationswertun. Leider gab es nur zwei Teilnehmer, welche alle drei Disziplinen absolvierten, entsprechend wenig euphorisch fiel deren Podesteroberung aus …

Wir erlebten einmal mehr einen geselligen, gemütlichen Kletterwettkampf der Internationalen Bergführervereinigung. Erwähnenswert ist der 82-jährige Othmar Wenk aus Pontresina. Bis zum 6a konnte er noch alle Routen bis zum Top klettern! Sowie Ralf Dujmovits, welcher als bisher erster und einziger Deutscher alle 14 Achttausender, 13 davon ohne Sauerstoff (nur am Everest benützte er diesen), bestiegen hat, total 18-mal auf einem Achttausender stand und die Seven Summits – fast alle mit Kunden – erreicht hat. Ich finde es sehr sympathisch, dass ein solcher Spitzenalpinist an diesem einfachen Kletterwettkampf der Bergführer mitmacht, und hoffe, dass dies hilft, auch andere Cracks zur Teilnahme zu motivieren. Ebenfalls hoffe ich, dass nächstes Jahr Ende November in St. Gallen auch wieder mehr Kollegen aus unserem Verein Gstaad-Lenk mitkommen werden.

Gipfelsturm mit Lederhosen-Bergwanderern
Wegen des St.-Katharina-Festes in Kempten waren im Umkreis alle Hotelbetten besetzt und so fuhren wir ins Tannheimertal zum Übernachten. Am Sonntag konnten wir bei Kaiserwetter in der Gimpel-Südwand eine 10-Seillängen-Route klettern und auf dem 2176 Meter hohen Gipfel die grandiose Aussicht geniessen. Vom gegen Westen den 202km entfernten, 1493m hohen Feldberg, im Südwesten den 151km entfernten, 3614m hohen Tödi über den 260km nordöstlich gelegenen, 1456m hohen Grossen Arber (das ist ein Skigebiet im Bayerischen Wald, an der tschechischen Grenze) bis zur 71km südlich gelegenen, 3768m hohen Wildspitze konnten wir alles sehen. Dem Wetter und der Aussicht entsprechend mussten wir uns den Gipfel mit unzähligen Knödel und Weisswurst verzehrenden Lederhosen-Bergwanderern teilen und wunderten uns, dass keiner hier oben zu kalter Weisswurst und ebensolchem Knödel sein Mass Bier schlürfte.

Beim schnellen Abstieg ins 1000m tiefer gelegene Nesselwängle konnten wir unschwer feststellen, mit welcher Kadenz Walter bei der Parforceleistung an seinem 66. Geburtstag dreimal hintereinander am gleichen Tag von den Simmenfällen auf den Wildstrubel hoch und wieder runtergerannt war – dreimal 2200Hm= 6600Hm!

Es folgte nun noch ein Abstecher nach Obersdorf mit Übernachtung im Hotel Restaurant Traube – nicht nur wegen den bayerischen Köstlichkeiten empfehlenswert, sondern auch wegen dem Lederhosen tragenden Servicepersonal. Beim Versuch, zwischen Apéro und Nachtessen in einem schönen Lode-Trachtengeschäft Lederhosen zu kaufen für das nächste Oktoberfest in Gstaad, ist uns nach zwei Anproben nahegelegt worden, die Übung abzubrechen – wir hatten Verständnis.

Ehrfurcht vor den Skifliegern
Am Montag gingen wir noch bei Regen die Skiflugschanze bestaunen. Diese wurde 2016/17 umgebaut und alles ist neu hier. Man kann mit zwei Standseilbahnen bis zuoberst auf den Anlaufturm fahren. Hier steht man über 200m höher als der Auslauf und der Schanzenrekord liegt bei 238,5m! Wir ziehen den Hut vor den Jungs, welche hier jeweils oben stehen und sich in der 40 Grad steilen Anlaufspur in die Tiefe stürzen. Nach einem kleinen Parkschaden-Ärgernis chauffierte uns Walter sicher wieder nach Hause.

Wir wünschen allen einen schneereichen Winter und freuen uns auf die nächste Zusammenkunft der Bergführer aus aller Welt zum Skirennen am letzten April-Wochenende 2020 in Cervinia.

BERGFÜHRERVEREIN GSTAAD-LENK, UELI HAUSWIRTH

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