Gemeindeversammlung rettet das Beachvolleyball-Turnier

Di, 10. Dez. 2019
Es darf weiter gejubelt werden. FOTO: ARCHIV AVS

Die Gemeindeversammlung hat allen Traktanden zugestimmt, darunter dem Budget mit der Senkung der Steueranlage von 1,4 auf 1,3 sowie den Sanierungsbeiträgen über 1,3 Mio. Franken für das Beachvolleyball-Turnier. An der Versammlung nahmen 337 Stimmberechtigte teil, so viele wie lange nicht mehr.

ANITA MOSER
Er sei «fascht e chly überwältigt» vom Aufmarsch, begrüsste Versammlungsleiter Louis Lanz die 337 Stimmberechtigten und die zahlreichen Nichtstimmberechtigten zur letzten Gemeindeversammlung in diesem Jahr. Grund für den Grossaufmarsch war wohl die beantragte Sanierung des in finanzielle Schieflage geratenen Beachvolleyball-Turniers und nicht der im Anschluss an die Versammlung von der Gemeinde offerierte Apéro …

1,3 Millionen Franken
Das Beachvolleyball-Turnier sei in den letzten zwanzig Jahren zu einem für die Region wichtigen Anlass geworden, betonte Gemeindepräsident Toni von Grünigen. «Es spricht junge Gäste an, aber auch für die Einheimischen, für junge Leute aus dem Saanenland, ist es ein wichtiger Anlass.» Seit 2017 entrichtet die Gemeinde Saanen einen jährlichen Gemeindebeitrag von 200’000 Franken an das Turnier, dies im Rahmen der Beiträge an die Grossanlässe in der Gemeinde Saanen. Aufgrund der prekären Finanzlage seien die Verantwortlichen des Turniers mit einem Gesuch um finanzielle Unterstützung an die Gemeinde gelangt, erklärte von Grünigen. Wegen der grossen Bedeutung des Turniers für die Region ist der Gemeinderat auf das Gesuch eingetreten. Der Gemeinderat hat die Beratungsfirma Transliq AG mit der Erstellung eines Sanierungsberichtes beauftragt. «Der Sanierungsbericht hat gezeigt, dass die Gesellschaft mit ca. 1,4 Millionen Franken überschuldet ist», so von Grünigen. Das Fremdkapital bestehe einerseits aus Lieferungen und Leistungen von Unternehmen, andererseits aber auch aus Darlehen von Privaten.» Der Bericht habe klar aufgezeigt, dass weitere Darlehen nicht zielführend wären, erklärte von Grünigen und erläuterte den Lösungsvorschlag. «Es ist den Turnierverantwortlichen, aber auch dem Gemeinderat ein Anliegen, dass die Personen und Unternehmungen, welche das Turnier in den vergangenen Jahren unterstützt haben, bei einer Sanierung nicht noch Geld verlieren.» Deshalb soll die Sanierung nur mit Gemeindegeldern finanziert werden «und das kostet die Gemeinde total 1,3 Millionen Franken». Mit einem zinslosen Darlehen von einer Million Franken, einem unwiderruflichen Zahlungsversprechen in der Höhe von 300’000 Franken sowie mit flankierenden Massnahmen soll die Sport Events Gstaad GmbH auf gesunde Beine kommen.

Flankierende Massnahmen
Die Sanierungsbeiträge sind an verschiedene Auflagen geknüpft. Die Laufzeit des Darlehens beträgt fünf Jahre, jedes Jahr werden der GmbH 200’000 Franken erlassen. «Sollte das Turnier im Verlauf der nächsten fünf Jahre nicht mehr durchgeführt werden, ist der Restbetrag zurückzubezahlen.»

Zudem dürfe das gesprochene Geld nur für die Rückzahlung von Krediten und Darlehen verwendet werden. Auch werde sich ab sofort ein neues Finanzgremium um die finanziellen Belange der Gesellschaft kümmern. Und die Transliq AG werde halbjährlich zuhanden der Gemeindebehörde einen Bericht zur finanziellen Situation der Gesellschaft verfassen. «Mit diesem Sanierungsbeitrag werden die Schulden abgebaut und haben keinen Einfluss auf die Erfolgsrechnung», erklärte von Grünigen. Die jährlichen, von der Gemeinde ausgerichteten Beiträge würden auch künftig ausgerichtet. «Zukünftig muss aber die Gesellschaft 200’000 Franken weniger an die Preisgelder bezahlen. Mit zusätzlichen Einsparungen und Erträgen soll das Turnier zukünftig verlustfrei durchgeführt werden», so der Gemeindepräsident. «Die bisherige Einzelunterschrift soll durch eine Kollektivunterschrift zu zweien ersetzt werden.»

Abänderungsantrag der SVP
Im Namen der SVP stellten Emil Trachsel und Matthias Brunner einen Änderungsantrag. Anstatt ein Finanzgremium einzusetzen, habe die Sport Events Gstaad GmbH die Geschäftsführung auf drei oder mehr Personen zu erweitern. Mindestens die Hälfte der Mitglieder der Geschäftsführung dürften bei ihrer Wahl nicht Gesellschafter der Sport Events Gstaad GmbH sein oder einen engen Bezug zur Gesellschaft haben.

Und alle Mitglieder der Geschäftsführung hätten Kollektivunterschrift zu zweien. Die SVP stehe voll und ganz hinter dem Sanierungsbeitrag, betonte Trachsel. «Wir wollen mithelfen, den Anlass zu sanieren, damit er auch langfristig durchgeführt werden kann.» Für die SVP sei wichtig, dass Turnierdirektor Ruedi Kunz sein Amt weiterführe, «aber wir haben das Gefühl, es wäre auch gut, wenn er in finanzieller Angelegenheit Unterstützung bekommt», begründete Trachsel den Änderungsantrag. Man habe den Antrag im Vorfeld mit Ruedi Kunz besprochen, er trage ihn an und für sich mit, betonte Matthias Brunner. «Wir haben sehr offen und konstruktiv mit ihm diskutiert.» Auch die Transparenz sei gewährleistet gewesen. «Das schafft Vertrauen.» Für eine erfolgreiche Sanierung brauche es nicht nur Geld, sondern auch eine gute Struktur, so Brunner. Bisher habe die Geschäftsführung aus einem Geschäftsführer mit Einzelunterschrift bestanden. Der Anlass ist in den letzten zwanzig Jahren massiv gewachsen. Die Struktur habe man jedoch nicht angepasst. «Ein Anlass dieser Grösse braucht eine breiter abgestützte Organisation, die Verantwortung sollte auf mehreren Schultern verteilt sein», so Brunner. Mit dem vom Gemeinderat vorgeschlagenen Finanzgremium begebe man sich gesellschaftsrechtlich in einen Graubereich, erläuterte der Jurist. Dass man bei einem Anlass mit einem Budget von über 2,5 Millionen Franken von Kollektivunterschriften rede, sei unbestritten und selbstverständlich, so Brunner weiter. Stimme man diesem Antrag zu, schaffe man Strukturen, die einer AG gleichkämen.

Einstimmig genehmigt
Mit 225 Ja- und 47 Neinstimmen wurde der Antrag der SVP diskussionslos genehmigt. In der Schlussabstimmung wurde der Sanierungsbeitrag von insgesamt 1,3 Millionen Franken einstimmig genehmigt.

Steuern werden gesenkt
Im Vorfeld haben die anwesenden Stimmberechtigten das von Gemeinderat Peter Brand ausführlich erläuterte Budget mit der Senkung der Steueranlage von 1,4 auf 1,3 der einfachen Steuer und der Senkung der Liegenschaftssteuer von 1,5 auf 1 Promille zugestimmt.

Die Anträge von Martin Hefti, die Steueranlage bei 1,4 zu belassen und die Liegenschaftssteuer auf 0,5 Promille des amtlichen Wertes zu senken, wurden diskussionslos mit grossem Mehr gegen einzelne Jastimmen abgelehnt.

Das Budget 2020 rechnet beim Gesamthaushalt mit einem Aufwandüberschuss von rund 408’000 Franken.

Gemeindebeitrag an Alperschliessung
Diskussionslos genehmigte die Versammlung gut 609’000 Franken für die neue Erschliessung der Alpen Vorderi und Mittleri Schneit sowie Schwändli/ Guggli via Bire von der Simne her.

Diskussionen rund ums Trottoir an der Lauenenstrasse
Nach längerer Diskussion wurde der Nachkredit über gut 363’000 Franken für das Trottoir an der Lauenenstrasse mit grossem Mehr gegen fünf Neinstimmen genehmigt. Der im Dezember 2012 von der Gemeindeversammlung für das Projekt bewilligte Kredit über 2,361 Millionen Franken wurde um 15,38 Prozent überschritten. Gemeinderätin Therese Mösching erläuterte ausführlich die Gründe für die Kostenüberschreitung.

Zu Diskussionen Anlass gaben unter anderem die Breite des Trottoirs oder die Beleuchtung. Man hätte das Projekt viel günstiger realisieren können, monierte ein Anwesender. Es seien viele Fehler passiert, bei der Planung und bei der Ausführung.

Dass man aus Kostengründen auf dem Teilstück zwischen der Zimmerei/ Schreinerei von Allmen und der Bodenstrasse kein Trottoir realisiert habe, sei für ihn unverständlich, kritisierte Jürg Schindler. Der Fussweg sei eine Notlösung, es gebe dort ein Bauvorhaben. Zudem sei für Kinder, für Leute mit Kinderwagen, für Behinderte sowie ältere Leute die Steigung nicht zu bewältigen. Kinder müssten die Strasse zweimal überqueren. Und wenn die neue Milchannahme in Betrieb sei, müsse man mit Mehrverkehr rechnen, so Schindler. Mit einem Erheblichkeitsantrag verlangt Jürg Schindler von der Gemeinde, die Planung zur Fertigstellung des Trottoirs Lauenenstrasse ab Zimmerei von Allmen bis Einmündung Bodenstrasse an die Hand zu nehmen.

Ein Trottoir in diesem Bereich wäre mit einem «riesengrossen» Aufwand verbunden, gab Gemeinderätin Therese Mösching zu bedenken. Es sei dort sehr eng, es gebe bereits eine hohe Stützmauer und eine Verlängerung des bestehenden Trottoirs würde sehr teuer. Mit ihrem freudschen Versprecher «Ich weiss, die Gemeinde Geld hat Saanen …», sorgte sie für Schmunzler. «Ich weiss, die Gemeinde Saanen hat Geld», korrigierte sie sich entschuldigend, aber es auszugeben, damit das Trottoir durchgehend ist, finde sie unverhältnismässig. «Gäbe es keine Alternative abseits der Strasse, sähe es ganz anders aus», betonte sie.

Ihre Argumentation verfing nicht. Mit 170 Ja- gegen 26 Neinstimmen wurde der Erheblichkeitsantrag angenommen.

Sein letztes Protokoll …
Es war eine denkwürdige Versammlung, nicht nur wegen dem Grossaufmarsch von doch acht Prozent der Stimmberechtigten. Zum letzten Mal waren Stimmenzähler im Einsatz. Künftig wird nicht mehr analog, sondern elektronisch abgestimmt.

Seinen letzten Einsatz an einer Gemeindeversammlung hatte auch Armando Chissalé. Er geht nach 12 Jahren als Verwaltungsdirektor Ende Februar in Pension, am Freitagabend verfasste und verlas er sein letztes Gemeindeversammlungsprotokoll. Die Saaner hätten eine Weile gebraucht, bis sie sich an seinen Dialekt gewöhnt hätten, scherzte Louis Lanz. «Es ist nicht immer ganz einfach, eure Äusserungen in Schriftsprache so niederzuschreiben, dass man euren Wortlaut und euren Willen festhalten kann. Das tönt manchmal einfacher, als es ist», so Lanz. Chissalé habe aber nicht nur das Protokoll geschrieben, er habe den Versammlungsleiter und den Gemeinderat auch juristisch unterstützt. So habe man relativ selten einen Juristen kontaktieren müssen. Mit einem herzlichen Applaus wurde Armando Chissalé von der Versammlung – nach dem Ablesen seines letzten Gemeindeversammlungsprotokolls – verabschiedet. Nachfolger von Armando Chissalé wird Thomas Bollmann.
Siehe auch Protokoll Seiten 10 und 11


«Wir sind sehr dankbar»

Mit Erleichterung hat Turnierdirektor Ruedi Kunz die Genehmigung des Sanierungsbeitrags zur Kenntnis genommen.

ANITA MOSER

Ruedi Kunz, diskussionslos hat der Souverän den Sanierungsbeitrag über 1,3 Millionen Franken bewilligt. Wie geht es Ihnen?
Wir sind sehr dankbar, dass die Bürger der Gemeinde Saanen so hinter dem Turnier stehen und dadurch dieser Event hoffentlich noch sehr lange in Gstaad bleiben kann.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Der Hauptgrund liegt bei der Preisgeldpolitik des internationalen Verbandes. Unser Anteil an den Preisgeldern von total 600’000 Dollar wurde angehoben von 300’000 auf 600’000 Dollar. Dieses Geld hat uns gefehlt. Wir wussten, dass es Probleme geben kann, wir haben aber auch immer gehofft, dass der Verband auf den Entscheid zurückkommt und unser Anteil wieder sinkt.

Wird der Anteil wieder gekürzt?
Ja, ab kommendem Jahr wird unser Anteil um 200’000 Dollar auf 400’000 Franken zurückgehen.

Das Traktandum «Beach» hat mobilisiert. An der Versammlung haben 337 Stimmberechtigte teilgenommen, so viele wie schon lange nicht mehr. Haben Sie mit so viel Support gerechnet?
Es waren sehr viele im Turnier Involvierte anwesend. Ich habe gewusst, dass im Hintergrund sehr aktiv für das Turnier geweibelt wird und man hat gespürt, dass sehr viele Leute das Beach unbedingt erhalten wollen. Die Alternative wäre ein Verkauf gewesen, aber dann wäre es wahrscheinlich irgendwann nicht mehr in Gstaad durchgeführt worden. Wir hätten das Turnier auch zu einem 4-Sterne-Turnier herabstufen können. Das hat aber grosse Nachteile. Die 5-Sterne-Turniere können den Austragungstermin bestimmen. Rom hat unser Datum übernehmen wollen, als Folge davon würden wir die Synergien mit dem Tennisturnier verlieren. Wir sind aber in Bezug auf die Infrastruktur gegenseitig aufeinander angewiesen.

Was sagen Sie zum Zusatzantrag der SVP? Dass man Ihnen auferlegt, die Geschäftsleitung zu erweitern?
Wir haben offen und konstruktiv miteinander kommuniziert. Wir haben die Fakten auf den Tisch gelegt, das Ziel von allen war die Erhaltung des Turniers. Bisher habe ich alleine das ganze Risiko getragen. Um das Turnier längerfristig zu erhalten, wird es nun breiter abgestützt und weitere Personen werden eine Mitverantwortung tragen.

Das heisst, Sie sind erleichtert?
Das Organisationskomitee und alle Helfer sind erleichtert und freuen sich auf die Fortsetzung des Turniers.

 

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