Vom Eiscafé zur Lesung

Di, 11. Feb. 2020
Marcel Huwyler liest aus seinem Romandebüt «Frau Morgenstern und das Böse». FOTO: KEREM MAURER

Marcel Huwyler las am letzten Donnerstag im Hotel Alpenland in Lauenen aus seinem Debütroman vor und stellte seine mörderische Violetta Morgenstern vor.

KEREM S. MAURER
Kaum hatte Marcel Huwyler anlässlich seiner Lesung seine knapp 20 Zuhörer im kleinen Saal des Hotels Alpenland in Lauenen begrüsst, klingelte auch schon sein Handy. Obschon eigentlich unpässlich, nahm der Autor ab, plauderte mit einem offensichtlich alten Bekannten. «Nein, natürlich passt es, du störst überhaupt nicht!» Wirklich nicht? «Wie oft stört man sich an rücksichtslosen ‹Lauttelefonierern›, wenn man diesen, beispielsweise im öffentlichen Verkehr, nicht entfliehen kann?», fragte Marcel Huwyler, legte sein Smartphone weg und war damit bereits mitten im Thema seines Romans mit dem Titel «Frau Morgenstern und das Böse». Viele Mitmenschen ärgerten sich tagtäglich über solche Zeitgenossen, würden aber nichts dagegen unternehmen. Seine Romanheldin Violetta Morgenstern ist da ganz anders. Sie tut etwas dagegen. Violetta ermordet sie ganz einfach. Der erste Rüpel im Roman, der dies zu spüren bekommt, ist genau ein solcher rücksichtsloser Zeitgenosse. «Kai Koch war seit seiner frühestens Kindheit ein Scheisskerl», lautet der erste Satz des Romans auf Seite 7 – auf Seite 13 ist er bereits tot.

Hobbymörderin wird Auftragskillerin
Violetta Morgenstern ist Ende 50, frühpensionierte Lehrerin und man könnte sagen: Sie ist eine von uns. Sie nervt sich über alltägliche Unverschämtheiten und Niederträchtigkeiten und mordet beinahe herzerfrischend. «Strafe muss sein», trichterte sie schon ihren Schulkindern ein. Erst tötet sie aus eigenen Motiven und «eher hobbymässig, aber sehr effektiv» wie sie freimütig zugibt. Und später, als man ihr auf die Schliche kommt und sie verhaftet, tauscht sie ihre Haftstrafe ein gegen ein Engagement beim behördlichen Killerministerium namens «Tell» und arbeitet fortan als Auftragskillerin. Am Vorabend ihres ersten Auftrags steht Violetta Morgenstern in der Küche und kocht, dazu überlegt sie sich, was sie zu diesem bevorstehenden Anlass wohl am besten anziehen soll. Violetta Morgenstern ist, wie es ihr Name sagt: der hellste Stern am Himmel, aber auch eine mittelalterliche Waffe. Der Roman von Marcel Huwyler sorgt derzeit im Inund Ausland für Furore. «Wohl, weil er eine heitere Mischung aus Krimi und Humor ist, für die es noch gar keine Schublade gibt und gespickt ist mit einer gehörigen Portion politischer Unkorrektheit», sagte Huwyler lachend. «Ich habe das Buch so geschrieben, wie ich es gerne lesen würde. Eigentlich habe ich es für mich geschrieben.» Der Autor gibt an, bereits an einem zweiten Band zu arbeiten, ein dritter sei angedacht und man diskutiere in Deutschland über die Verfilmung von «Frau Morgenstern und das Böse». Das nächste Mal im Saanenland zu sehen und zu hören wird Marcel Huwyler im kommenden Winter im Hotel Ermitage in Schönried sein, wie er verrät,. Dann wird er wohl bereits einige Passagen aus seinem zweiten Buch lesen.

Louenesee und Eiscafé
Am Rande der Veranstaltung erzählte der Aargauer Marcel Huwyler gegenüber dieser Zeitung, seine Frau sei Bernerin und habe Verbindungen ins Saanenland. Er selber habe als Primarlehrer oft mit seinen Schülern Spans Lied «Louenesee» gesungen, obwohl er diesen See noch nie gesehen hatte, ja nicht einmal genau wusste, wo er lag. Im vergangenen September hatte seine Frau im Saanenland zu tun. Huwyler packte die Gelegenheit, fuhr mit und besuchte den Lauenensee, wo «viele Asiaten badeten und Fotos machten». Auf seinem Rückweg sei er auf das Hotel Alpenland gestossen – und jetzt kam der Autor ins Schwärmen: «Hier habe ich den besten Eiscafé meines Lebens genossen!» Im Anschluss daran habe er mit Direktor Michael Ming gesprochen, ohne zu wissen, dass er der Chef war. Man sei via soziale Netzwerke in Kontakt geblieben und eines Tages, kurz nach Erscheinung seines Buches gegen Ende des letzten Jahres, habe Ming ihn angerufen und gefragt, ob er dieser Autor namens Huwyler sei. Spontan habe man diese Lesung vereinbart, womit sich für ihn in Lauenen einen Kreis geschlossen habe.

Gelungener Anlass
Für Michael Ming, den Direktor des Hotels Alpenland, war die Lesung ein sehr guter Anlass. «Damit konnten wir zusätzlich Gäste begeistern, zu uns zu kommen», sagte er und betonte die gelungene Mischung aus Kulinarik und Kultur, die sie vermehrt pflegen wollten. Einerseits mit den Lesungen, die sie zusammen mit dem Literarischen Herbst veranstalten, aber auch solche Events wie mit Marcel Huwyler, die in Eigenregie entstehen. Michael Ming freute sich über das Lob des Autors betreffend den Eiscafé, verzichtet aber darauf, ihn entsprechend umzubenennen.


ZUR PERSON

Marcel Huwyler

FOTO: ZVG

Marcel Huwyler ist 51jährig und in Merenschwand (Freiamt) aufgewachsen. Nachdem er sieben Jahre als Primarlehrer gearbeitet hatte, wechselte er in den Journalismus. Huwyler entdeckt und beschreibt Alltächliches, hinter dem sich Sagenhaftes verbirgt, am liebsten ganz normale, ungewöhnliche Menschen aus der Schweiz.
Er schrieb und schreibt Reportagen, Porträts und Kurzgeschichten für die «Schweizer Illustrierte», «Schweizer Landliebe», «Migros Magazin», «Aargauer Zeitung», «BergLiebe», «Zuger Nachrichten», «Freiämter Nachrichten», «L’illustré», «Land & Berge» (D), «Bild am Sonntag» (D).
Er ist Gewinner des Medienpreises 2019 des Schweizer Bauernverbandes für die Reportage «Jan, der Bauer» und Gewinner 2020 eines mehrmonatigem Atelierstipendiums in Berlin der Kulturkommission des Kantons Zug.
Im September 2019 erschien sein Debüt als Krimiautor «Frau Morgenstern und das Böse», 382 Seiten, im Grafit Verlag Köln.

KEREM S. MAURER
Quelle: www.marcelhuwyler.com

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