Was hat es mit dem Schiffglöggli vom Chappeliwald auf sich?

Di, 04. Feb. 2020
Er würde nie mit jemandem geschäften, den er nicht kenne, sagt Eggerfredel (links). Alfred (Mitte) ist einem dieser «fremden Fötzel» auf den Leim gegangen und schuldet nun dem Zimmermann (rechts) viel Geld. FOTOS: ANITA MOSER

Der Jodlerklub «Gruss vom Wasserngrat» spielt das Stück «Ds Schiffglöggli vom Chappeliwald». Es spielt in den 1920er-Jahren, als der Tourismus im Saanenland Einzug hielt und in der heutigen Zeit.

ANITA MOSER
Wir schreiben das Jahr 1922: Alfred und Elsi Russi (Herbert Annen und Ruth Hefti) riskieren ihr Hab und Gut zu verlieren. Alfred hatte einem Holzhändler aus dem Unterland eine grosse Menge Rundholz verkauft – zu einem viel höheren Preis, als die lokalen Sägereien geboten hatten. Das Geld steckte Alfred in den Umbau seines Hauses. Der «fremde Fötzel» bleibt jedoch das Geld – 16’342.75 Franken – schuldig und Alfred kann folglich den Zimmermann für den Umbau nicht bezahlen. Als dann auch noch der Bäcker Schmocker (Andi Hostettler) eine Bürgschaft über 5000 Franken kündigt, steht das Ehepaar am Rande seiner Existenz.

Er brauche das Geld, er wolle ein Hotel bauen, begründet der Bäcker. «Tourismus heisst, dass wir in Zukunft mit vielen reichen Gästen rechnen, die bei uns Ferien machen sollen», erklärt er Elsi auf deren Frage, was denn Tourismus sei. 15’000 Franken bietet er für das Heimet. «Damit könntet ihr die Schulden bezahlen, und ihr habt die Wahl, ob ihr als Pächter weitermacht oder in der Herberge arbeitet», schlägt Schmocker vor und warnt das Ehepaar vor den Folgen, sollte es nicht auf den Handel eingehen. «Auf der Gant komme ich für 5000 Franken zu eurem Glump.» Elsi traut Schmocker nicht. Eggfredel (Gery Moosmann) bestärkt sie darin. Er habe gehört, so der gwundrige Nachbar, wie Schmocker im Gespräch mit zwei reichen Gstaadern geprahlt habe, Alfreds Güetli passe gut zu seinem Hotel, zu seinen touristischen Plänen. Und bei einer Steigerung müsste er viel mehr berappen, da noch andere erpicht seien auf die Liegenschaft. Das Ehepaar schlägt das Angebot des geldgierigen Bäckers aus, die Sorgen bleiben.

Trotz seinem Versprechen gegenüber seiner Frau, künftig alles mit ihr und ihrem Sohn, der dereinst das Heimetli übernehmen sollte, zu besprechen, verkauft Alfred den Wald inklusive Schiffglöggli, das seiner Frau gehört, einem Franzosen. René (Hans Hefti) will zuoberst im Wald eine Kapelle bauen. Mit den 16’000 Franken sind Alfred und Elsi ihre Schulden los – aber auch Elsis Schiffglöggli.

Ende gut, alles gut?
Fast 100 Jahre später sitzen Severin und Käthi (Herbert Annen und Anita von Grünigen), die Nachkommen von Alfred und Elsi Russi, vor ihrer Alphütte und erzählen ihrer Schwiegertochter (Martina Kohli) von alten Zeiten. Der legendäre Eggfredel habe behauptet, das Schiffglöggli gehört zu haben, bevor der Franzose die Kapelle gebaut habe. Jeweils dreimal im Jahr: am Neujahrstag, am 6. Juni und vom 1. auf den 2. August. 1962 ist das Kapälli von einem Föhnsturm zerstört, das Schiffsglöggli nie gefunden worden. Severin kommt ins Grübeln. Wie ist es möglich, dass man es Jahre zuvor und Jahre danach noch gehört hat? Seine Frau will davon nichts hören. «Wir leben hier und jetzt», sagt sie energisch.

Da kommt Besuch: Rösi (Silvia Hauswirth), eine Nachbarin und Eggfredels Nachfahrin. Und was will der junge Mann in kurzen Hosen, mit Sonnenbrille und einem grossen Koffer …?

Das Theaterstück und die träfen Sprüche sorgten am Samstagabend im ausverkauften Schulhaus Bissen für viele Lacher, regte den einen oder die andere aber auch zum Nachdenken über das Leben an. Das ist vom Autor durchaus so gewollt, wie er im Interview betont.

Musikalisch umrahmt wurde das Theater vom gastgebenden Jodlerklub «Gruss vom Wasserngrat».

«Ds Schiffglöggli vom Chappeliwald», Theater in vier Akten von Ueli Hefti. Weitere Aufführungen: Heute Dienstag, 4. Februar und Freitag, 7. Februar, jeweils um 20.15 Uhr.

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