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«A lonely listener» – ein einsamer Zuhörer

Di, 03. Mär. 2020
† Alberto Lysy FOTO: ZVG

Zum annulierten Konzert der Menuhin-Akademie in der Kirche Saanen vom 29. Februar.

Wohl als einzige Saanerin und Freundin der Menuhin-Akademie sass ich, beinahe allein, im riesigen Auditorium des Le-Rosey-Konzertsaals in Rolle und lauschte einem der allerschönsten Konzerte, das ich je gehört hatte.

Was war geschehen? Im Rahmen eines ganz besonderen «rencontre musicale» trafen sich in Rolle die aktuellen Studierenden der IMMA mit zehn Ehemaligen zur einwöchigen Vorbereitung eines Gedenkkonzertes in der Kirche Saanen (wo so mancher Musiker seinen ersten Bühnenauftritt hatte) für ihren Lehrer und Mentor Alberto Lysy und zugleich für Freunde und Sponsoren der Akademie. Der Sohn Alberto Lysys, der Cellist Antonio Lysy, die Violinisten Liviu Prunaru mit seiner Frau Valentina, Bogdan Zvoristeanu, Igor Keller und Silvia Simionescu mit Adelina Oprean, einer der allerersten Schülerinnen Albertos, die Bratschistin Eli Karanfilova und die Cellisten Niall Brown und Pablo de Naveran, der regelmässig an der Akademie unterrichtet, und selbstverständlich Igor Karsko, der musikalische Leiter der Akademie.

Aber nein! Das bösartige Coronavirus machte ihnen einen Strich durch die Rechnung: Das Konzert in der Kirche Saanen wurde abgesagt. Wieviele Musikliebhaber und treue Freunde waren zutiefst enttäuscht. Durch einen glücklichen Zufall durfte ich mit Herrn und Frau Méla nach Rolle mitfahren. Da das Konzert übertragen wurde (siehe Hinweis am Ende des Artikels), mussten wir pünktlich eintreffen. Bei strömendem Regen schlüpften wir zwei Minuten vor fünf Uhr in den Saal, einige wenige Zuhörer sassen in den gähnend leeren Stuhlreihen. Monsieur Méla, der Präsident der IMMA, gespenstisch, vorne auf dem Podium mit einem übergrossen Scheck der Saaner Freunde (Fr. 777’777.–), trostlos die Begrüssung von Antonio Lysy, dem die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben stand. Furios begann mit Vivaldi das Programm, das Konzert für vier Violinen, eines der liebsten und meist gespielten Werke des Maestros. Das spärliche Publikum klatschte sich die Hände wund, die Trauer und die Enttäuschung lag wie eine schwarze Wolke über dem Saal. Doch was wir in der Folge zu hören bekamen, überragte alles, was ich bisher an Musik der Menuhin Soloists gehört habe. Die Sonne ging auf. Die Musiker und die Ehemaligen, die sich offensichtlich in der vergangenen Woche kennen und schätzen gelernt hatten, boten alles. Schostakowitsch und Mendelssohn, von Alten und Jungen zusammen gespielt, und dann Tschaikowskys Serenade für Streichorchester – tutti! Atemberaubend! Wie schön wäre es, wenn das Konzert zu gegebener Zeit in Saanen wiederholt werden könnte! Danke, liebe Freunde, dass ich dabeisein durfte!

Die Akademie befindet sich nach einer schwierigen Phase wieder voll auf Kurs. Ein neuer Präsident und kompetente Vorstandsmitglieder bringen neue Ideen und alle freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Renaud Capuçon. Das Experiment der Zusammenarbeit zwischen ehemaligen und aktuellen Studierenden ist voll geglückt. Hoffentlich geht es weiter. Wir freuen uns! Ad multos annos Menuhin Akademie!

FRANZISKA HALDI

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