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Fasten – weniger ist mehr

Fr, 20. Mär. 2020
Verzicht auf Süsses oder Alkohol bringt neue Wertschätzung. FOTO: KEREM S. MAURER

Die vorösterliche Fastenzeit begann am Aschermittwoch, 26. Februar und dauert bis am Ostersonntag, 12. April. In dieser Zeit üben einige von uns den freiwilligen Verzicht. Wozu soll das gut sein?

KEREM S. MAURER
Unter dem Namen «time:out» organisiert das Blaue Kreuz Schweiz den gemeinsamen Verzicht für alle, die zwischen dem 1. März und dem 11. April zwischenzeitlich an ihrem Konsumverhalten etwas ändern wollen. Um das Seelenheil geht es, zumindest für die reformierten Christen seit der Reformation und Huldrych Zwingli, zum Glück ja nicht mehr. Aber worum geht es denn? Der Verzicht auf eine Lieblingsspeise, auf das Lieblingsgetränk oder auf sonstige liebgewonnenen Gewohnheiten hat durchaus seinen Reiz. Davon ist Pfarrer Bruno Bader von der Kirchgemeinde Saanen-Gsteig überzeugt. Und er muss es wissen, denn er macht zum wiederholten Mal an dieser Aktion mit und begleitet Menschen auf ihrem vorösterlichen Verzicht. Er betont: Wer eine Zeit lang auf etwas, das einem lieb und teuer ist, verzichtet, lernt dessen Wert nach dem Verzicht völlig neu zu schätzen. «Sie lieben Schokolade?», fragt er. «Bestens, dann verzichten Sie einige Wochen darauf. Sie glauben kaum, wie gut das erste Stück Schokolade danach schmeckt!» Mit diesem Hintergrund bekommt das auf den ersten Blick paradox anmutende Motto des Blauen Kreuzes zur diesjährigen Fastenzeit einen völlig neuen Sinn: «Dein Verzicht. Dein Gewinn.»

Man sollte es schon merken
Auch im Saanenland wird vor Ostern aktiv auf Lieblingsgewohnheiten, -speisen oder Alkohol verzichtet. Worauf man verzichtet, sei sekundär, sagt der Pfarrer, aber: «Merken sollte man es schon.» Schliesslich mache es keinen Sinn, wenn Vegetarier auf Fleisch verzichten oder Leute, die selten Alkohol trinken, auf Wein oder Bier. So sind denn die Verzichte in der kleinen Gruppe, die um Pfarrer Bader den zwischenzeitlichen Verzicht übt, verschiedenster Natur. Jemand isst bis Ostern keine Schokolade, andere nehmen kein Abendessen oder Mittagessen ein, wieder andere lassen in dieser Zeit den Alkohol sein oder jemand gelobt, zu gewissen Zeiten sein Handy beiseite zu legen. Während der Fastenzeit wollte sich die Gruppe ursprünglich dreimal treffen, um Erfahrungen auszutauschen, sich zu unterstützen und beizustehen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Doch diese Treffen werden nicht stattfinden. Stattdessen wird man sich telefonisch austauschen.

Der innere Schweinehund
Sinn der Sache ist, etwas salopp ausgedrückt, die Überwindung des inneren Schweinehundes. Es geht um das Widerstehen von Versuchung, darum, Herr und Meisterin zu sein über seine eigenen Bedürfnisse. «Wenn Sie über eine gewisse Dauer, die Sie sich vorgenommen haben, auf etwas verzichtet haben, macht Sie das am Ende zurecht stolz! Denn dann haben Sie etwas Grossartiges erreicht», sagt Bader. Geplant wäre gewesen, am Ostersonntag nach dem Frühgottesdienst beim Osterfrühstück gemeinsam das Fasten zu beenden. «Das war jedes Mal eine tolle Sache», erinnert sich Bader. Ob es dieses Jahr auch so sein kann, weiss man derzeit noch nicht. Das gemeinsame Fastenbrechen, geplant für den 12. April im traditionellen Stil, könnte der Coronakrise zum Opfer fallen. Doch dies schmälert weder die Leistung der Verzichtenden noch die Freude darüber, endlich wieder Schokolade essen oder ein Glas Wein trinken zu dürfen.

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