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Begeisterung für Mensch und Maschine

Fr, 29. Mai. 2020
Gelebte Autoleidenschaft im GAC-Clubhaus …

Der Gstaad Automobile Club hat seit diesem Frühjahr einen neuen Präsidenten. Stephane Gutzwiller hat dieses Amt von Hansueli Brand übernommen. Fünfzehn Jahre lang prägte der leidenschaftliche Petrolhead aus Feutersoey die Aktivitäten dieses Vereins. Bei einem Gespräch im gemütlichen Clubhaus blickte er auf seine Präsidialjahre zurück und erzählte – natürlich die geltenden Distanzregeln respektierend –, worum es beim Gstaad Automobile Club (GAC) geht.

ÇETIN KÖKSAL
Ohne Hansueli Brand gäbe es den GAC vermutlich nicht. Auf jeden Fall gäbe es ihn nicht in dieser Form. Um zu verstehen, wie es zu dessen Gründung kam, lohnt sich ein Blick auf Hansueli Brands Werdegang. Seine Wurzeln gehen tief und kräftig in den Saaner Boden, da seine Vorfahren schon seit 1234 hier leben. Klein-Hansueli wollte wie sein Vater Skilehrer und Bergführer werden. Autos interessierten ihn damals nicht übermässig. In seinem Zimmer hingen also keine Poster von Lamborghini-, Ferrari- oder Porsche-Traumwagen. Die Begeisterung für das Automobil kam erst später und allmählich. Als der Jüngling sich für eine Berufslehre entscheiden musste, war gerade eine Lehrstelle zum Automechaniker frei und Hansueli war froh, etwas gefunden zu haben. Er gab sein Bestes und dabei liess auch die Begeisterung für seine Materie nicht lange auf sich warten. Motorenlärm wurde immer öfter zu wohlklingender Musik und der automobile Weg von A nach B zum emotionalen Erlebnis.

Die Faszination für die Autos machte aber nur die Hälfte seiner Freude aus. Es heisst nicht umsonst Mensch und Maschine, wobei dem Menschen eindeutig die wichtigere Rolle zufällt. Hansueli Brand empfand die menschlichen Begegnungen durch seinen Beruf als grosse Bereicherung, gerade auch deswegen, weil das Saanenland auf kleinem Raum einen äusserst bunten Strauss an Exemplaren unserer Spezies zu bieten hat.

Dank seines Berufes erweiterte sich das Umfeld von Hansueli Brand kontinuierlich. Seit 1981 konnte er seine Kunden in der eigenen Ledi-Garage in Feutersoey beraten, was manchmal zu langjährigen Kontakten, ab und an sogar auch zu Freundschaften führte. Das Vertrauen in den jungen, ambitionierten Unternehmer wuchs und man überliess ihm vermehrt die Wartung auch von gehegten und gepflegten Oldtimern. Einmal wollte sich ein Kunde von seinem Liebhaberstück trennen, Hansueli Brand erkannte die Chance und bot sich als Käufer an. Das Peugeot 304 Cabrio aus den 70er-Jahren schenkte er seiner Frau, welche sich heute noch an ihm erfreut. Einer der ersten Land Rover von 1952, ein Austin Healy und weitere englische Schmuckstücke kamen im Laufe der Jahre dazu.

Hansueli Brand fuhr Gleichmässigkeitsrallyes und ab dem Erwerb der Lizenz entsprechende Rennen. Der Besitzer eines prächtigen und sehr kostbaren Aston Martin DB5 – James Bond lässt grüssen – fragte ihn einmal, ob er seinen Aston nicht als Rennpilot über die Circuits jagen möchte. Hansueli Brand liess sich natürlich nicht zweimal bitten und genoss fortan jeden gefahrenen Kilometer in dieser Ikone des Automobilbaus, obwohl ihn der Gedanke an einen Unfall bisweilen etwas unruhig werden liess. Wer möchte schon eine siebenstellige Wertanlage buchstäblich an die Wand fahren?

Eine Idee wird Wirklichkeit
Während zirka dreissig Jahren traf Hansueli Brand durch seinen Beruf auf viele Gleichgesinnte. Liebhaber klassischer Automobile, vor allem aber leidenschaftliche Fahrer. Einige davon waren eng mit dem Saanenland verbunden – man traf sich also immer wieder einmal in geselliger Runde, um sich freundschaftlich auszutauschen. 2005 entschlossen sich dann ein paar dieser Freunde, einen Privatclub für den ambitionierten Driver zu gründen. Die Freude am Fahren sollte dabei im Vordergrund stehen, es galt nicht, in erster Linie Besitzer möglichst hochpreisiger Sammlerfahrzeuge in Gstaad zu vereinen. Natürlich garantieren die Tatsachen, dass man nur auf Empfehlung eines bestehenden Mitglieds dem GAC beitreten darf und dass der Eintrittsobolus stattliche 5000 Franken (Paare 8000 Franken, Kinder 1000 Franken) und der jährliche Beitrag für Aktive 2000 Franken (Paare 3000 Franken) beträgt, eine gewisse Exklusivität.

Die ungefähr 50 Mitglieder treffen sich, um ihre Fahrfähigkeiten zu verbessern, an Oldtimer-Rallyes teilzunehmen oder auch Amateurrennen zu bestreiten. Netzwerker, welche sich einen Boliden vorwiegend als Eintrittsticket in einen exquisiten Kreis zulegen, sind beim GAC nicht willkommen. Auch die illustren Mitglieder möchten bei GAC-Treffen vor allem ihrer Leidenschaft frönen. Das soll absolut nicht heissen, dass die Geselligkeit zu kurz kommt. Nach einem anstrengenden Fahrtraining auf dem Saaner Flugplatz trifft man sich gerne im eigenen Clubhaus in Feutersoey zu Speis und Trank.

Neue Ära
Hansueli Brand ist stolz darauf, dass es unter seiner fünfzehnjährigen Präsidentschaft nie einen Unfall zu beklagen gab. Die strengen Trainings unter seiner Ägide sollten rücksichtsvolle Gentleman Drivers sowohl auf öffentlichen Strassen als auch auf der Rennstrecke hervorbringen, die ihr Fahrzeug möglichst in jeder Situation beherrschen. Nun, nach der Übergabe des Präsidiums, freut sich das fortan «normale» GAC-Mitglied Hansueli Brand darauf, wieder vermehrt selber am Steuer sitzen zu können. Die Leitung und Eventorganisation überlässt er gerne seinen Nachfolgern. Ihnen obliegt die Aufgabe, den Gstaad Automobile Club in die Zukunft zu führen. Eine spannende Aufgabe in einer Zeit, in der sich die Automobilindustrie rasant und fundamental am Verändern ist.

Wird der Petrolhead der Zukunft womöglich zum Electrohead und kann er dann überhaupt noch selber fahren? Na ja, Menschen, die schöne Emotionen beim Anblick eines gelungenen Designs empfinden, denen das infernale Blasorchester eines kunstvoll konstruierten Ottomotors Gänsehaut bereitet und die beim automobilen Pilotieren durch atemberaubende Landschaften Gefühle des Glücks und der Freiheit haben, wird es wohl noch eine ganze Weile geben. Vergessen wir dabei nicht, dass die meisten davon nicht übermässig wohlhabend sind. Im Saanenland gäbe es bestimmt noch diverse talentierte zukünftige Gentleman-Drivers zu entdecken …

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