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Reitzentrum: Betriebsleitung statt Pacht

Fr, 29. Mai. 2020
Das neue Reitzentrum in Gstaad wurde 2011 eröffnet. Es verfügt über 35 Pferdeboxen, zurzeit sind nur 22 besetzt. FOTOS: ANITA MOSER

Das Reitzentrum Gstaad hat schwierige Zeiten hinter sich. Nicht nur wegen Corona. Im Laufe des letzten Jahres hat der Betrieb zahlreiche Kunden – Einheimische und Gäste – verloren. Nun hat Ernst Voegeli die Leitung wieder übernommen. Im Mandat, bis die Nachfolge aufgegleist ist. Die Pferdesportanlage soll aber nicht mehr verpachtet, sondern durch eine Betriebsleitung geführt werden. Die Evaluation ist im Gang.

ANITA MOSER
«Eine Koryphäe tritt ab», titelte der «Anzeiger von Saanen» im März 2019. 17 Jahre lang hatte Ernst Voegeli das Reitzentrum in Gstaad geführt, im April 2019 übergab der damals 73-jährige Pferdefachmann das Zepter seinem Nachfolger. Ein knappes Jahr später ist Ernst Voegeli wieder zurück in Gstaad, führt das Reitzentrum im Mandat. Was ist passiert?

Seinem Nachfolger sei es nicht gelungen, das Vertrauen der Klientel zu gewinnen, umschreibt Ernst Voegeli die Situation. Zahlreiche Einheimische und Chaletgäste hätten ihre Pensionspferde abgezogen, etliche der 35 Pferdeboxen blieben deshalb leer. Auch einige Feriengäste hätten ihre Pferde nicht mehr im Reitzentrum eingestellt, zahlreiche (einheimische) Reitschülerinnen und Reitschüler seien abgesprungen, auch Privatschulen hätten sich abgewendet. «Es ist ein anspruchsvoller Betrieb mit einer zum Teil anspruchsvollen Klientel», weiss Ernst Voegeli. Er habe seinen späteren Nachfolger gekannt und ihn unterstützt, habe ihn aber offenbar falsch eingeschätzt. «Ich hatte den Eindruck, dass er es zusammen mit seiner Lebenspartnerin stemmen kann.»

Betriebsleiter/in gesucht
Seit März ist Ernst Voegeli wieder für die Betriebsleitung zuständig – angestellt im Mandat von der Reitzentrum Gstaad AG. «Im März und April haben wir den Betrieb auf Vordermann gebracht», sagt er. «Wir haben geputzt, aufgeräumt und vor allem geflickt.» Aktuell sind von den 35 Stallungen wieder 22 besetzt – mit Pensionspferden, Ponys sowie drei Schulpferden. «Wir bräuchten mindestens 25 Pensionspferde. Mit drei oder vier Schulpferden hätten wir dann immer noch genügend Kapazität, um temporär Plätze zu vermieten.» Im Moment betreibt Voegeli das Reitzentrum mit zwei Pferdepflegern und einer Pferdepflegerin/Bereiterin/Reitlehrerin.

«Damit alle ihre Frei- und Ferientage beziehen können, hole ich Leute aus meinem eigenen Betrieb in Unterseen. So können wir Personalkosten sparen.» Im Vollbetrieb braucht es gemäss Voegeli nebst dem Betriebsleiter fünf Angestellte.

Voegeli hat den Betrieb während 17 Jahren auf eigene Rechnung geführt. «Als ob es meiner wäre», sagt er nicht ohne Stolz. Er hat auch bei der Planung und Umsetzung der neuen Pferdesportanlage – einer der schönsten in ganz Europa, wie er und Marcel Bach, VR-Präsident der Reitzentrum Gstaad AG, bei der Eröffnung im Januar 2011 betonten – mitgeholfen. «Die ersten Jahre haben wir rote Zahlen geschrieben», so Voegeli. «2016 war der Betrieb kostendeckend und 2017/18/19 konnten wir schwarze Zahlen ausweisen.»

Künftig setzt man nun aber nicht mehr auf einen Pächter, sondern auf eine Betriebsleitung. «Die Chance, einen geeigneten Kandidaten, eine geeignete Kandidatin zu finden, ist grösser», ist Voegeli überzeugt. «Auf die Ausschreibung haben sich bereits fünf Interessierte gemeldet.» Das beweise, dass man auf dem richtigen Weg sei. «An einer Pacht interessiert ist kaum jemand», so Voegeli. Als Vizepräsident vom Schweizerischen Berufsverband seiner Branche ist er gut vernetzt, hat Kolleginnen und Kollegen angefragt, vergeblich. «Für jene, die noch aktive Sportreiter sind, ist das Saanenland zu abgelegen», erklärt Voegeli. Und andere hätten grossen Respekt. Das Reitzentrum in Gstaad sei nicht vergleichbar mit einem normalen Reitbetrieb mit Pensionsplätzen. «Die Klientel ist sehr unterschiedlich – damit muss man umgehen können. Und der Betrieb ist sehr grossen saisonalen Schwankungen unterworfen, das ist eine grosse Herausforderung.» Als angestellter Betriebsleiter habe man hingegen eine gewisse finanzielle Sicherheit.

Reitunterricht wieder möglich
Die Corona-Zeit hat dem Betrieb wie vielen anderen auch zusätzlich zugesetzt. Seit dem 11. Mai ist Reitunterricht aber wieder möglich – unter Einhaltung der entsprechenden Massnahmen vom Bundesamt für Gesundheit. «Die Reitschülerinnen und Reitschüler dürfen vor und nach der Reitstunde nicht bleiben», erklärt Voegeli. Desinfektionsmittel muss vorhanden sein und nach der Reitstunde müssen Sattel, Zaumzeug, Bürsten usw. gereinigt werden. Auch dürfen nur maximal fünf Reitschüler/innen gleichzeitig in der Reithalle sein, was bei Voegeli aufgrund der Grösse der Reithalle leichtes Kopfschütteln hervorruft. «Allerdings», räumt er ein, «ist das im Moment kein Problem. Denn wir haben leider noch zu wenige Reitschülerinnen und Reitschüler.»

Ernst Voegeli, der sehr viel Herzblut in den Gstaader Betrieb gesteckt hat, hofft und ist zuversichtlich, dass das Reitzentrum den Turnaround schafft, dass man einen geeigneten Betriebsleiter, eine Betriebsleiterin findet und er bis spätestens Ende Jahr wieder einen Schritt zurücktreten kann.

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