Unterschiedliche Schutzkonzepte

Di, 19. Mai. 2020

Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich Schutzkonzepte in Altersheimen gehandhabt werden: Dem Artikel «Endlich wieder zum Grosi ins Altersheim» (AvS vom 12. Mai 2020), können wir entnehmen, dass dies je nach der Infrastruktur des Heimes, dem Personal und den Bedürfnissen der Bewohner*innen und Angehörigen unterschiedlich sein kann. Was können wir daraus lesen? Wieso bedeutet dies, dass im Maison Claudine Pereira die strengsten Restriktionen erhalten bleiben? Infrastruktur: Sind denn die Zimmer im MCP soviel kleiner als in der Pfyffenegg, dass Besuche im Zimmer nicht möglich sind? Hat es im leeren Restaurant keinen Platz, an dem gebührender Abstand gewährleistet werden kann? Keine Terrasse, wo ein Treffen unter freiem Himmel möglich ist? Personal: Fraglos – das Personal ist in dieser Zeit sehr gefordert und es ist ein grosser Dank auszusprechen an alle, die ihr Bestes geben. Ein Dank auch, weil es bisher keine Covid-19-Ansteckung im Heim gab. Der Personalbestand liegt über dem vom Kanton definierten Minimum, wie wir bei einer Informationsveranstaltung hörten. Zudem werden derzeit auch die Mitarbeiterinnen des Restaurants in der Betreuung eingesetzt. Bewohner*innen: Die Bandbreite von schwer an Demenz Erkrankten bis zu rüstigen Altersheimbewohner*innen ist riesig. Sie haben unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten am sozialen Leben teilzunehmen. Es wäre wichtig, dies im Schutzkonzept mit zu berücksichtigen. Die derzeitige Ausgestaltung widerspricht dem im Internet aufgeschalteten Leitbild der Institution und dient vor allem dazu, den möglichst reibungslosen Betrieb mit möglichst wenig Aufwand zu managen. Abgesehen von Telefonaten sind auf Anmeldung und Reservation Gespräche per Skype oder Whatsapp möglich. Neu können Angehörige auch ein Treffen hinter einer Scheibe reservieren. Die Frage sei erlaubt: für wie viele der Bewohner*innen ermöglicht dies eine adäquate, bedürfnisgerechte Begegnung? Heimbewohner*innen benötigen weiterhin einen sehr hohen Schutz vor der Ansteckung. Sie bedürfen aber auch der Entscheidungsfreiheit, wie sie mit Angehörigen in Kontakt treten wollen. Es wäre schön, wenn die passenden individuellen Lösungen gemeinsam mit den Angehörigen gefunden werden könnten.

Christine Brassel, Bern/Saanen

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