Klein, haarig und gefährlich: Prozessionsspinnerraupen

  23.06.2020 Saanenland

Die feinen Brennhärchen der Prozessionsspinnerraupen können bei Menschen allergische Reaktionen hervorrufen. Auch für Hunde und Katzen ist der direkte Kontakt mit dieser Raupe gefährlich. Laut einer Mitteilung wurden Prozessionsspinnerraupen zwischen Metsch und Iffigen an der Lenk gesichtet.

KEREM S. MAURER
Die Raupen der Prozessionsspinner sind nur knapp drei Zentimeter lang. Die feinen Brennhaare, welche die Raupe und ihre späteren Entwicklungsphasen als Puppe, Schmetterling oder Ei vor Fressfeinden schützt, enthalten Giftstoffe und sind für Mensch und Tier gefährlich. Doch, wie kommt man mit solchen Härchen in Berührung?

Brennhaare sind gefährlich
Nester und Raupen sollten in keinem Fall berührt werden. Fühlt sich die Raupe bedroht, wirft sie die Brennhärchen ab. Vorsicht geboten ist im nahen und weiteren Umfeld von befallenen Sträuchern und Bäumen. Dort schweben die Brennhaare in der Luft und können mit dem Wind bis zu 200 Meter weit verweht werden. Heikel werden kann es auch bei Arbeiten, bei denen am Boden liegende Brennhaare aufgewirbelt werden, wie beim Einsatz eines Laubbläsers oder beim Mähen. Wenn sich an einem Rindenholz das Nest eines Eichenprozessionsspinners befunden hat, kann eine Berührung sogar nach Jahren noch unangenehme Folgen nach sich ziehen, wie es in einem entsprechenden Merkblatt der Koordinationsgruppe Arbeitssicherheit SUD heisst.

Symptome erkennen
Nach einem Kontakt mit Brennhaaren der Prozessionsspinnerraupen kann sich ein starker Juckreiz entwickeln, dem innerhalb von 24 Stunden sichtbare Hautreaktionen folgen. Auch schmerzhafte Hautrötungen sind möglich. Ferner kann es zu Entzündungen von Augenbindehaut und Augen kommen. Werden Brennhaare eingeatmet, kann dies zu Entzündungen im Rachenbereich, zu Schwellungen der Nasenschleimhaut und Bronchitis, in seltenen Fällen auch zu asthmaartigen Symptomen führen, heisst es im erwähnten Merkblatt.

Achten Sie auf Ihren Hund
Hunde seien besonders gefährdet, weil sie sehr interessiert an sich bewegenden Objekten sind, wodurch sie sich leicht in Gefahr brächten, erklärt Dr. med. vet. Felix Neff von der Bergpraxis Animal in Saanen auf Anfrage. Gefährlich wird es für Hunde wie auch für andere Tiere wie Katzen oder Kaninchen, wenn sie mit der Schnauze oder der Nase mit den Brennhärchen der Prozessionsspinnerraupe in Kontakt kommen. Als typische Symptome nennt Neff Schmerzen im Maulbereich, Schwellungen, Rötungen, Verätzungen an der Zunge. Atmen Hunde Brennhärchen ein, kann es wie beim Menschen zu Bronchitis, Asthmaanfällen oder bis hin zu einem Schock führen.

Unverzüglich den Tierarzt aufsuchen
Was tun, wenn ich befürchte, dass mein Hund mit gefährlichen Brennhaaren in Kontakt gekommen ist? «Tier nicht alleine lassen, Maul ausspülen und möglichst schnell den Tierarzt aufsuchen», rät Felix Neff. Es handle sich dabei sowohl um lokale Reaktionen auf die Giftstoffe, wie auch um systemische allergische Reaktionen. Wenn das Problem rechtzeitig erkannt werde, könne der betroffene Hund normalerweise gerettet werden, so Neff. Allerdings gibt es auch Fälle, wo zum Beispiel die Zunge amputiert werden musste. Um den Hund keiner Gefahr auszusetzen, sollten Gefahrenzonen, Raupenkontakt und Bäume mit Nestern gemieden werden. «Ich habe im Saanenland bis jetzt noch keinen Fall gesehen, in dem Hunde mit den Brennhaaren einer Prozessionsspinnerraupe in Kontakt gekommen sind», sagt der Tierarzt.

Keine Sichtungen im Saanenland
Nicht nur der Tierarzt gibt vorläufig Entwarnung, auch die Revierförster haben im Moment noch keine Raupen von Prozessionsspinnern gesichtet. «Momentan ist im Forstrevier Saanen-Ost nichts bekannt», sagt Revierförster Daniel Bütschi auf Anfrage, weist aber darauf hin, dass er vor etwa zwei Jahren die Anwesenheit solcher Raupen festgestellt habe. Arthur Haldi, Revierförster Gsteig-Saanen West, weist auf die Existenz von verschiedenen Prozessionsspinnern hin, nämlich von Eichen- und Kiefernprozessionsspinnern. Er gibt bekannt: «Hier im Saanenland sind mir in letzter Zeit keine solchen aufgefallen.» Übrigens: ihren Namen Prozessionsspinner hat die Raupe erhalten, weil sie sich gerne in einer langen Reihe von Artgenossen bewegt, um so ihren Fressfeinden vorzugaukeln, eine Schlange zu sein. Dies in der Hoffnung, nicht als Futter erkannt zu werden.

 

 


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