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Kurtaxen steigen im Herbst

Mi, 03. Jun. 2020
Die Vorgänger von Flurin Riedi (seit Juli 2019 Geschäftsführer von GST) und Olivier Waser (seit April 2020 Präsident von GST) waren beide noch im Amt, als die Kurtaxenerhöhung eingeleitet wurde.

Per 1. November steigen die Kurtaxen in den Gemeinden Saanen, Gsteig und Lauenen. Der zusätzliche Ertrag wird für Infrastrukturprojekte in der Region genutzt.

BLANCA BURRI
Nach 14 Jahren wird die Kurtaxe in der Region erstmals wieder erhöht und zwar im Schnitt um 40 Prozent. Oliver Waser, Präsident von Gstaad Saanenland Tourismus (GST), begründet: «Die Verwendung der Mittel ist an Infrastrukturprojekte der Region gebunden. Wir haben gute Ideen, verschiedene Projekte sind aufgegleist und stehen kurz vor der Vollendung. Die Kurtaxe wird vom Gast bezahlt und kommt ihm direkt wieder zugute.»

Investitionen in Sommer und Winter
Mit den Projekten spricht Waser unter anderen die Erlebniswelt «Station» in Saanen an, die sich im Bau befindet und im Winter eröffnet werden soll. «Ein weiteres Projekt sind die Erlebniswege zwischen Saanen und Gstaad sowie zwischen Saanenmöser und Schönried», sagt Patrick Bauer, Leiter Destinationsentwicklung. Sie gehören zum Gesamtkonzept Saaniland, das sich hauptsächlich an Familien richtet. Neben dem Saaniland setzt GST konkrete Projekte im Winter, im Sommer und bei der Digitalisierung um.

Bereits vergangenen Winter begann die Testphase mit dem Einsatz von technischem Schnee bei der Langlaufloipe in Schönried. «Überhaupt nimmt die Bereitstellung der Winterangebote durch die Klimaerwärmung mehr Ressourcen in Anspruch als noch vor wenigen Jahren», weiss Andrea Riggenbach, Leiterin Finanzen GST. Im Sommer werden die Spiel- und Grillplätze aufgewertet, das Wegnetz für Wanderer und Biker in Zusammenarbeit mit den Gemeinden ausgebessert und wo nötig mit entsprechenden Massnahmen – wie dem Ersatz von Weidezaundurchgängen – optimiert.

«Für unsere Übernachtungsgäste wollen wir per Sommer 2021 eine neue Gästekarte einführen. Mit dieser Gästekarte wollen wir unseren Gästen zum Beispiel die Benützung der Bergbahnen und des ÖV, aber auch einzigartige Erlebnisse einfacher zugänglich machen», sagt Flurin Riedi, Geschäftsführer von GST.

Trotz Corona erhöhen
Nach dem Shutdown fährt der Tourismus in wenigen Tagen unter erhöhten Hygiene- und Sicherheitsmassnahmen wieder hoch. Wegen der fehlenden Grossanlässe wird es trotzdem unmöglich werden, an die Spitzenumsätze von vergangener Saison anzuknüpfen. Deshalb stellt sich die Frage, ob der Zeitpunkt der Einführung der Kurtaxenerhöhung richtig gewählt wurde. Flurin Riedi erklärt: «Der Prozess wurde vor zwei Jahren eingeleitet, damals konnte man die Corona-Krise nicht vorhersehen.» Riedi betont, dass sie als langfristige Investition gesehen werden muss. «Wenn wir den Kopf jetzt in den Sand stecken, helfen wir niemandem.» Im Gegenteil, jetzt müsse erst recht in Qualität, Dienstleistung und Erlebnisse investiert werden, um gestärkt aus der Krise zu treten. GST rechnet durch die Erhöhung mit knapp einer Million Franken mehr Ertrag pro Jahr.

Wer Kurtaxen bezahlt
Die Kurtaxen sind in den einzelnen Gemeinden geregelt. Die Erhöhung bis zu einer gewissen Obergrenze liegt in der Kompetenz des Gemeinderats. Saanen, Gsteig und Lauenen haben der von GST beantragten Erhöhung zugestimmt. Auch in Zweisimmen, das zur Destination gehört, wurde eine Erhöhung beantragt. «Kurtaxen bezahlt, wer in der Gemeinde keinen steuerrechtlichen Wohnsitzt hat», erklärt Andrea Riggenbach. Also alle Gäste von Hotels, Jugendherbergen, Campingplätzen, B&B und Ferienwohnungen. Je nachdem, wo das Objekt liegt, muss eine höhere oder tiefere Kurtaxe ausgerichtet werden. Im Postkreis Saanen sind sie beispielsweise höher als im Postkreis Abländschen. «Der Preis richtet sich nach der Zugänglichkeit des Angebots», erklärt Riggenbach.

Während in den Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben pro Logiernacht abgerechnet wird, müssen Ferienwohnungsbesitzer eine Pauschale bezahlen. Im Postkreis Saanen für das erste Zimmer bisher 200 Franken, neu 295 Franken, jedes weitere Zimmer kostet statt 150 neu 220 Franken. Gerüchten zufolge könnte diese Erhöhung zu einer Verkaufswelle von Chalets führen. Dem widerspricht Riggenbach: «Wenn deshalb ein Chalet verkauft wird, hat auch viel anderes in der Destination für die Gäste nicht gestimmt.» Sie betont wiederholt, dass die Kurtaxeneinnahmen direkt den Gästen zugutekommen. Je öfter sie im Ferienhaus weilten, desto mehr könnten sie vom Angebot profitieren. Auch nach der Erhöhung liege der Kurtaxenertrag im Vergleich mit anderen Schweizer Destinationen im Mittelfeld.

Erwartungshaltung steigt
Bei einer kleinen Umfrage an der Basis und bei den Entscheidungsträgern kamen verschiedene Aspekte zum Vorschein. B&B-Betreiber Arnold Welten aus Gstaad versteht, dass die Kurtaxen erhöht werden müssen, bleibt aber auch kritisch: «Ich wünschte mir, dass der GST bei uns Leistungsträgern nachfragt, was konkret umgesetzt werden müsste.» Er spricht über Standorte von Ruhebänken und Abfallkübeln. Ihm ist auch der punktuelle Unterhalt von Wanderwegen wichtig. Ebenfalls hofft er, dass die aktuellen Projekte wirklich zur Umsetzung kommen und nicht wie andere in der Planungsphase stecken bleiben. Christian Hoefliger vom Romantikhotel Hornberg in Saanenmöser findet, dass die Erhöhung zwar gerechtfertigt ist, der Vorstand von GST, die Geschäftsleitung und die Crew nun aber in der Pflicht sind. «Für die Gäste und Leistungsträger müssen spürbare Veränderung im infrastrukturellen Angebot entstehen.» Konkrete Wünsche hat er nicht, das sei Sache von GST und da vertraue er der Tourismusorganisation, dass sie nachhaltige, einzigartige Projekte umsetzen werde. Er gibt auch zu bedenken, dass die Mittel richtig eingesetzt werden sollen, denn so schnell komme eine Erhöhung nicht mehr in Frage. Er kann sich nicht vorstellen, dass Gäste wegen der Erhöhung der Destination fernbleiben. «Aber die Erwartungshaltung wird steigen!»

Entscheidungsträger stehen dahinter
Im Informationsschreiben an die Beherbergungsunternehmen und die Ferienwohnungsbesitzer stellen sich ausgewählte Exponenten hinter die Erhöhung. Darunter Ruedi Kistler, Präsident der Dorforganisation Gsteig-Feutersoey, Christof Huber vom Hotelierverein Gstaad-Saanenland und Toni von Grünigen, Gemeindepräsident von Saanen. Letzterer lässt sich wie folgt zitieren: «Dank der Erhöhung der Ansätze kommen unsere Gäste in den Genuss eines noch besser ausgebauten Infrastrukturangebots. Verschiedene spannende Tourismusprojekte stehen kurz vor der Realisierung. Sie werden unseren Gästen viel Freude bereiten!»

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