«Es ist wichtig, über dieses Thema zu sprechen»

Di, 21. Jul. 2020
Das perfekte Team vor der wunderbaren Kulisse und der aufblasbaren Leinwand: (v.l.) Peter Reichenbach, Luna Mwezi und Pierre Monnard. FOTO: KERSTIN BÜTSCHI

Vor dem Film sprachen die Hauptdarstellerin Luna Mwezi, Regisseur Pierre Monnard und Produzent Peter Reichenbach in einem Interview über den Film, ihre persönlichen Laster und ihre Lieblingsmomente im Dreh.

KERSTIN BÜTSCHI

Luna Mwezi, Pierre Monnard und Peter Reichenbach, haben Sie ein Laster?
Luna Mwezi (LM):
Ich liebe Sushi.
Pierre Monnard (PM): Käse essen, zum Beispiel in Form von Fondue.
Peter Reichenbach (PR): Ganz klar Filme machen (lacht) und Schoggi.

Waren Sie bis zum Film mit dem Thema Sucht konfrontiert?
PM:
Ja, zum einen im Film «Recycling Lily», wo es um das Messie-Syndrom ging, also einem zwanghaften Ansammeln von Gegenständen in der eigenen Wohnung; zum anderen sind Bekannte aus Châtel-Saint-Denis, wo ich aufgewachsen bin, immer wieder nach Zürich gefahren – eines Tages kam eine Person nicht mehr zurück.
PR: Ich bin in Zürich aufgewachsen und kannte den Platzspitz gut. Meine Generation ist damit aufgewachsen und Drogen waren ein grosses Thema. Zwei Bekannte aus der Schule sind am Drogenkonsum gestorben. Ich bin somit mit diesem Thema vertraut und habe mich gefreut, als Pierre Monnard auf mich zugekommen ist. Ich wusste sofort, dass ich diesen Film machen muss.

Luna Mwezi, wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ich habe mich zuerst über die Geschichte des Platzspitzs und Michelle Halbheer informiert. Ich musste ein Gefühl von dieser Zeit erhalten, um zu schauspielern. Dann hatte ich mit Sarah Spale und Pierre Monnard die ersten Proben. Wir haben vieles ausprobiert.

Wo sind Sie als junge Schauspielerin an Ihre Grenzen gestossen?
Es gibt eine Szene, wo ich unzählige Lösli aufrubble und hoffe, den versprochenen Hauptpreis zu gewinnen, um endlich auf die Malediven zu reisen. Ich musste in dieser Szene so viele Emotionen spielen, von Wut über Schmerz und Trauer. So viele Emotionen zu zeigen, ist immer wieder herausfordernd.

Haben Sie einen Lieblingsmoment vom Dreh oder im Film?
LM:
Ich habe die ganze Zeit sehr genossen, es war alles völlig neu für mich. Ein Highlight und eine Ehre war das Treffen mit Michelle Halbherr.
PM: Ich finde die Szene, als Mia mit ihrer Mutter einen Joint rauchen will, einen sehr schönen und starken Moment. Mia will Nähe zu ihrer Mutter und weiss, dass sie sie so bekommt. Wir haben beim Dreh diese Wärme gespürt und einfach zugeschaut.
PR: Mir gefällt die genannte Szene mit den Lösli sehr. Und dann der Schluss, wo Mia das Lied singt. Mir kommen da immer die Tränen.

Pierre Monnard, welche Herausforderungen ergeben sich, wenn Sie eine wahre Geschichte verfilmen?
Die Geschichte authentisch und ehrlich wiederzugeben. Wir wollten, dass für jene, für welche die 1990er-Jahre von Bedeutung waren, sich und die Zeit im Film wiedererkennen können. Es ging somit darum, einen Realismus zu schaffen. Wir hatten die Chance, mit Michelle Halbheer zu arbeiten. Sie hat uns ihre Geschichte erzählt, Orte und Fotos gezeigt sowie viele Anekdoten erzählt.

Peter Reichenbach, waren Sie sofort von der Idee angetan, die Geschichte zu verfilmen?
Ich wusste sofort, dass diese Geschichte es wert ist, verfilmt zu werden, hatte jedoch zuerst meinen Zweifel, ob sie mit ihrer schwierigen Thematik den Durchbruch beim Publikum schaffen würde. Doch es ging schnell und trotz der Corona-Krise haben schon über 300’000 Leute den Film gesehen. Pierre Monnard hat mit Sarah Spale und Luna Mwezi eine hervorragende Leistung gezeigt und unerklärliche Magie auf die Leinwand gebracht, die mich jedes Mal zutiefst berührt. Heute kann ich sagen, dass sich jede schlaflose Nacht gelohnt hat.

Auf der Webseite des Filmes gibt es viel Material zum Film.
PR:
Ja, der Platzspitz, seine Menschen und Schicksale sind ein wichtiges Stück Schweizer Geschichte. Viele Jugendliche schauen sich den Film an und ich bin überzeugt, dass sie viel mitnehmen. Wir haben mit der Pädagogischen Hochschule Luzern Unterrichtsmaterialien zum Film entwickelt.
PM: Es ist wichtig über dieses Thema zu sprechen, denn noch heute gibt es eine Drogenszene und viele Kinder erleben die Geschichte von Michelle Halbherr. Ganz allgemein gibt es viele Arten von Sucht und gerade Kinder müssen unter den Konsequenzen leiden.

Wie war es, als Sie den Film zum ersten Mal gesehen haben?
LM:
Ich hatte gemischte Gefühle, war jedoch stolz auf meine Leistung.
PM: Sehr emotional …
PR: Ja, sehr! Es ist unglaublich, wie sie es geschafft haben, diese Emotionalität auf die Leinwand zu bringen. Mich rührt der Film immer wieder zu Tränen.

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