«Kommunikation ist sehr wichtig»

Fr, 31. Jul. 2020
Martin Rufener ist seit dem 1. Mai CEO beim Gstaad Ariport. FOTO: ANITA MOSER

MARTIN RUFENER IM INTERVIEW

Grundsätzlich steht die Bevölkerung hinter dem Flugplatz, die öffentliche Hand hat den Aus- und Neubau finanziell grosszügig unterstützt. Der Flugplatz sei eine wichtige Infrastruktur für die Destination, betont Martin Rufener. Der Berner ist seit dem 1. Mai CEO vom Gstaad Airport. «Ein Flugplatz verursacht auch Lärm. Wichtig ist, dass man bei Reklamationen das Gespräch sucht und die Anliegen ernst nimmt.»

ANITA MOSER

Martin Rufener, nach 40 Jahren im Skiweltcup sind Sie Flugplatzleiter in Saanen. Wie kommt das?
Da muss ich etwas ausholen. Ich bin als Jugendlicher Skirennen gefahren. Ich wollte auch Skiprofi werden in Amerika. Um dieses Ziel zu erreichen, trainierte ich während der Automechanikerlehre sehr hart. Da lernte ich einen Trainer vom Schweizer Europacupteam kennen. Er meinte, Trainer wäre doch auch etwas für mich. Das war 1978. Von da an habe ich Trainerkurse besucht. Assistenztrainer und Servicemann bei den Schweizer Frauen im Europacup – unter anderen waren Christine von Grünigen und Beatrice Brand in diesem Team –, das war 1980 mein Einstieg in den Skizirkus.

Und jetzt, 40 Jahre später, haben Sie als Trainer bei den Kanadiern dem Skizirkus den Rücken gekehrt.
Genau. Dazwischen habe ich das amerikanische Team betreut und war auch sieben Jahre Trainer der Schweizer Herrennationalmannschaft – wir haben schöne Erfolge gefeiert zusammen. Aber ich war nicht 40 Jahre im Skizirkus, sondern habe während vielen Jahren auch als Helikopterpilot gearbeitet. Die Fliegerei hat mich schon immer fasziniert.

Wie kommt das?
Ich bin in Blumenstein, in der Nähe des Flugplatzes Belp, aufgewachsen. 1990 habe ich das Helibrevet gemacht. Um einen Job zu bekommen, fehlte mir aber die Erfahrung. Durch Beziehungen zum Skizirkus – ich war damals Cheftrainer in den USA – lernte ich den damaligen Chef der Air Grischa kennen. Ich habe in seinem Unternehmen als Flughelfer angefangen – es war die Zeit, als Sturm Vivian gewütet hatte. Es musste viel Holz aus den Wäldern geflogen werden. Am Wochenende durfte ich dann ab und zu einen Rundflug oder einen Hochzeitsflug machen. Es brauchte viel Aufwand und Wille, um jede Flugminute zu sammeln.

Dann ging Ihre Reise wieder nach Übersee.
Genau. Ich habe das kanadische Helibrevet gemacht, aber wieder keinen Job bekommen. Also bin ich in Kanada wieder als Skitrainer eingestiegen – allerdings nicht für lange. Ein Angebot für einen Fulltime-Job als Helipilot in der Innerschweiz konnte ich nicht ausschlagen. Diese Chance musste ich packen. Das war der Einstieg zum Helifliegen. Daraus sind zwölf Jahre geworden als Berufspilot in der Innerschweiz, zehn Jahre im Engadin und eineinhalb Jahre als Chefpilot bei der Bohag in Gsteigwiler.

Nach einem erneuten Abstecher in den Skizirkus als Cheftrainer bei den Schweizer Herren und bis jetzt als Alpin-Direktor des kanadischen Skiteams sind Sie nun in Saanen gelandet. Wie kam es zu diesem Engagement?
Ich war etwas involviert beim Um- und Ausbau des Flugplatzes. Dies sicher auch wegen meiner Erfahrung mit der Fliegerei im Engadin, da die Winteroperationen vergleichbar sind. Dazu bin ich auch teilweise im Tal bei der Air-Glaciers geflogen.

Es hat in den letzten Jahren zahlreiche Wechsel gegeben.
Jeder Neuanfang mit den verschiedenen Vorgaben und Vorstellungen braucht seine Zeit, um ein Team aufzubauen. Nach meinen fast ersten 100 Tagen denke ich, dass wir alle auf dem richtigen Weg sind. Den Spagat zu finden zwischen den gesetzlichen Vorgaben und dem hohen Serviceangebot ist jeden Tag eine neue Herausforderung.

Mit dem Ausbau der Infrastruktur hat aber auch die Lärmbelastung zugenommen.
Da möchte ich darauf hinweisen, dass die Technik immer besser wird, d.h. die Flugzeuge tendenziell leiser werden. Die Anflugrouten der Helikopter sind so festgelegt, dass sie nicht zu nahe an den Dorfkern kommen. Es ist sicher so, dass in gewissen Zeiten der Saison mehr Gäste zur gleichen Zeit im Saanenland anreisen. Der Ausbau der Anlage und Infrastruktur hatte auch folgendes Ziel: eine Umstellung auf einen der neuen Zeit angepassten Servicelevel für den funktionierenden Tourismus im Saanenland.

Was auch zu mehr Flugbewegungen führt?
Auch – aber die Flugbewegungen sind von Amtes wegen limitiert und dürfen nicht überschritten werden. Die Frequenzen der mittelgrossen Flugzeuge haben zugenommen. Aber auch diesbezüglich gibt es Grenzen. Grosse Jets können nicht landen, die Landebahn misst nur 1,4 Kilometer. Der Flugplatz befindet sich zudem im Gebirge, er stellt hohe Anforderungen an die Piloten. Auch deshalb wird die Entwicklung nicht ins Unermessliche gehen.

In letzter Zeit gab es wegen der Corona-Pandemie wenig Fluglärm. Seit die Grenzen offen sind, nimmt er wieder zu. Wie viele Flugbewegungen sind erlaubt und wie nah ist man in Saanen an dieser Zahl?
Momentan sind 8200 Flugbewegungen erlaubt, im Vergleich zu anderen Flugplätzen sind wir auf einer eher tieferen Anzahl. Aber man darf nicht vergessen: Zu den Flugbewegungen zählen auch die Sportfliegerei, die Segelflieger, die aufgezogen werden, alle Rettungs- und Transportflüge sowie Starts und Landungen für Heliskiing. Mitgezählt werden auch die täglichen Flüge der Rega während der Wintersaison von der Basis Zweisimmen nach Saanen und zurück sowie allfällige nächtliche Einsätze.

Wird mehr hobbymässig geflogen oder geschäftlich?
Das hält sich in etwa die Waage. Die Sportfliegerei – das sind jene, die als Tagestouristen kommen – hat gegenüber früher etwas abgenommen, Geschäftsflüge verzeichnen wir etwas mehr.

Zu Kritik Anlass gibt nicht nur der Fluglärm. Auch das Schneeräumungsfahrzeug verursacht grossen Lärm und das frühmorgens.
Das stimmt. Der Aufwand im Winter ist durch den Ausbau grösser geworden. Damit Flugzeuge starten und landen können, muss die Piste frei sein. Und das möglichst früh, das heisst zwischen 9 und 10 Uhr. Ich habe Verständnis für Reklamationen von Anwohnern. Das Gebläse der Maschine ist laut. Wir sind den Anwohnern aber entgegengekommen und haben eine Stunde später mit der Schneeräumung begonnen, respektive beginnen nur noch ausnahmsweise vor sechs Uhr. Wir machen das Möglichste, aber der Räumungsbeginn ist auch abhängig von der Schneemenge.

Der Wanderweg der Saane entlang ist auch bei Hundehaltern beliebt. Sind freilaufende Hunde eine Gefahr?
So lange man auf dem Wanderweg bleibt und die Hunde an der Leine geführt werden, gibt es kein Problem. Aber etliche laufen auf dem Taxiway und lassen die Hunde frei. Das birgt natürlich einige Gefahren.

Wie gehen Sie mit solchen Situationen um?
Ich mache die Leute auf die Gefahren aufmerksam mit Plakaten und Hinweisen, was verboten und was erlaubt ist. Oft versucht man die Situation vor Ort mit einem Gespräch zu klären. Wichtig ist, wie man etwas kommuniziert, wie man es sagt. Man muss ein offenes Ohr haben, auch für Reklamationen, man muss die Anliegen ernst nehmen, einander zuhören. Deshalb bin ich froh, wenn sich die Leute direkt bei mir melden, wenn sie Fragen haben oder reklamieren wollen.

Das Thema Sicherheit gibt auch immer wieder zu reden. Die einen finden, man sollte den Flugplatz einzäunen, andere meinen, der Flugplatz sei frei zugänglich und man könne auf dem Areal Hunde spazieren führen, rollerbladen, skateboarden, Velo fahren usw.
Die Sicherheit muss gewährleistet sein und mit der Entwicklung müssen auch die Standards jeweils angepasst werden. Die Vorschriften gibt das BAZL, das Bundesamt für Zivilluftfahrt, vor und nicht die Flugplatzgenossenschaft. Wir müssen die Vorschriften umsetzen und einhalten. Sehen Sie: Als Flugplatzleiter ist man für die Sicherheit verantwortlich. Wenn etwas passiert, steht dieser vor Gericht.

Auf dem Flugplatz finden zahlreiche Events statt: Poloturnier, Fahrtrainings, Konzerte, Ausstellungen. Wie wichtig sind diese Events für den Flugplatz?
Aus wirtschaftlicher Sicht sind solche Anlässe sehr wichtig. Das ist wie jetzt, wo wegen der Corona-Pandemie keine Events stattfinden, zu spüren. Vermietungen von Gebäuden und Lokalen sowie Events generieren fixe Einnahmen. Diese sind sehr wichtig, um die Infrastruktur zu finanzieren und Arbeitsplätze zu erhalten. Im Herbst soll zum Beispiel ein einwöchiger Bike-Event stattfinden mit Rennen für Kinder, Elite und Profis. Ein solcher Event bringt nicht nur dem Flugplatz Einnahmen, sondern generiert Wertschöpfung für die ganze Region. Auch der Werbe-Effekt darf nicht unterschätzt werden. Das gilt für sämtliche Events, die in der Region stattfinden.

Welche Eigenschaft braucht ein Flugplatzleiter nebst seiner fachlichen Kompetenz?
Man muss ein «Gspüri» haben für die verschiedenen Anliegen und kommunikativ sein. Man muss die Anliegen und Kritik ernst nehmen.


ZUR PERSON

Martin Rufener ist 1959 geboren und mit fünf Brüdern und einer Schwester in Blumenstein aufgewachsen. Er hat eine Lehre als Automechaniker absolviert, war Skirennfahrer, hat später die Ausbildung zum Skilehrer und Trainer absolviert und in dieser Funktion verschiedene Skiteams in der Schweiz, in den USA und in Kanada betreut. Ebenfalls besitzt er das Helikopterbrevet in der Schweiz und in Kanada. Als Helikopterpilot hat er in der Innerschweiz, im Engadin und im Berner Oberland gearbeitet, war Geschäftsführer bei der Swissjet und Chefpilot bei der Bohag.
Seit dem 1. Mai ist der Berner CEO vom Gstaad Airport und ab ca. Ende August (nach den letzten Tests) auch Fluplatzleiter.
Martin Rufener ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Töchtern. Aktuell wohnt er mit der Familie im Gwatt bei Thun.

ANITA MOSER

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