Wirtschaftlich unabhängige Schweiz? – Ein utopisches Wunschdenken!

Di, 25. Aug. 2020

Jetzt setzen China-Fan C. Blocher und seine Gefolgschaft nochmals zum «Hoselupf» gegen die von ihnen zum wirtschaftspolitischen Erzfeind hochstilisierte EU an. «Wirtschaftliche Unabhängigkeit» klingt verlockend, ist aber völlig realitätsfremd und daher auch irreführend. Die Schweiz war zu allen Zeiten nur durch intensiven Handel mit ihren Nachbarstaaten überlebensfähig. Wie abhängig und eingeschränkt sie dabei stets war, beweist u.a auch ihre Kollaboration mit Nazi-Deutschland während des Zweiten Weltkrieges (die ihr damals von den Alliierten übelgenommen wurde!). Dass unser kleines Land sich nie wirtschaftlich unabhängig wird behaupten können, weiss natürlich auch der Vater dieser Initiative bestens. Doch weil er und seine Partei nur dank der EU gross geworden sind, muss diese unbedingt als Feindbild aufrechterhalten bleiben, zu welchem Preis auch immer. Das bedeutet, statt von der bösen Nachbarin EU als Haupthandelspartner möchte man sich nun vor allem von den «uns besser gesinnten» Asiaten abhängig machen. Unlängst verstieg sich Blocher sogar zur Aussage, mit der kommunistischen chinesischen Parteidiktatur lasse sich besser «auf Augenhöhe» verhandeln als mit der EU. Ob er dies selber wirklich glaubt? Zur Zeit des Kalten Krieges gehörte er zu denen, die noch vor der «gelben Gefahr» warnten. Seit er realisiert hat, dass in diesem aufstrebenden Grossstaat viel Geld zu verdienen ist, hat er nicht nur mit diesem «Feind» kollaboriert, sondern sich sogar zum Werbeträger chinesischer Wirtschaft gewandelt. Dass die asiatischen Nationen Europa wirtschaftlich überrollen werden, ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Zu glauben, die Schweiz würde diesem Schicksal entgehen, wenn sie sich freiwillig in Blochers Sinn dem machthungrigen «rot-gelben Riesen» an den Hals wirft, erachte ich jedoch als sehr fragwürdig. Das Greifen der von der kommunistischen Partei regierten Wirtschaftsmacht China nach der Weltherrschaft ist unverkennbar. Im Unterschied zum stalinistisch geprägten Sowjetkommunismus hat sie aber realisiert, dass es zur Erreichung dieses Ziels cleverer und erfolgversprechender ist, die kapitalistische Welt «verbrüdernd einzulullen», statt sie mit militärischem Säbelrasseln nervös zu machen (die «friedliche Rekolonialisierung» des afrikanischen Kontinents und Infiltration Europas durch China ist bereits voll im Gang – und unsere SVP-Basis wäre wohl schockiert, wenn öffentlich bekannt würde, wieviel Schweizer Boden heute schon in chinesischem Besitz ist!). Dass die von der chinesischen Regierung angezielte totale digitale Überwachung der gesamten Erdbevölkerung mittelfristig eine viel grössere Gefahr für die Souveränität der Staaten bedeutet als beispielsweise ein geregelter Vertrag mit einer EU, wird von den SVP-Strategen entweder gar nicht wahrgenommen oder bewusst totgeschwiegen. Wie das totalitäre China mit nicht regimekonformen «untergebenen» Menschen und Völkern umgeht, zeigen die Millionen der bereits versklavten und «umerzogenen» Uiguren. Ein grauenhaftes «Qualitätssiegel» chinesischer Regierungsmoral, die weltweit viel mehr geächtet werden müsste! Falls C. Blocher es selber noch erlebt, wird es für ihn wohl ein böses Erwachen geben, wenn der chinesische Überwachungsterror auch in seinen Familienbetrieben zuschlagend voll zu greifen beginnt (dann sehnt er sich vielleicht wieder nach «europäischen Zuständen»!). Auch wenn in der EU manches nicht gut ist und sie grosse Mängel aufweist, gilt es doch immerhin anerkennend zu würdigen, wie sie wesentlich dazu beigetragen hat, dass das jahrhundertelang sich immer wieder in blutigen Kriegen Zerfleischen der grossen europäischen Nationen ein Ende fand (und hoffentlich nie wieder aufflammt). Darum sollten auch nicht EU-Mitglieder den Wert dieser Errungenschaft stets unterstützend hochhalten helfen. Ich wünschte mir auch, unsere Bevölkerung würde nicht weiter zunehmen, und vor allem, sie würde weniger verschwenderisch leben. Doch das mit dieser Initiative vorgeschlagene Rezept ist in etwa vergleichbar mit «den Teufel mit Beelzebub austreiben»: die Anzahl der Zuwanderer reduzieren, aber gleichzeitig immer mehr superreiche Oligarchen ins Land locken, die unseren Grund und Boden aufkaufen, zunehmend nach ihrem Gusto unseren Kurs bestimmen und von denen jeder auch x-mal mehr Ressourcen verbraucht als der Normalbürger! Oder die dort anvisierte Rückkehr zum Saisonierstatut, bei dem in unserem reichen Land die Dreckarbeit leistenden Gastarbeiter ohne ihre Familien in teils menschenunwürdigen Baracken «hausen» mussten, strapaziert mein Bewusstsein als Bürger eines humanitären Staates! Auch ist es schon fast zynisch, wie sich die SVP hier im Abstimmungskampf als Hüterin von Altersarbeitsplätzen aufzuspielen versucht. Ausgerechnet jene Partei, welche in unserem Land stets jede Bemühung gegen Lohndumping vehement bekämpfte und damit stark Vorschub leistete, dass Unternehmen leichter zu lohndrückenden jungen (ausländischen) Billigarbeitskräften kamen! Darum: Trau, schau, wem – und entscheide nach dem Motto: An ihren Früchten wird man sie erkennen!

 

 

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