Die Oberstufe der Schule Bissen-Turbach wird geschlossen

Mo, 21. Sep. 2020
Die Oberstufe Turbach (7. bis 9. Klasse) wird ab Sommer 2021 im Oberstufenzentrum Ebnit integriert. Die Mittelstufe (4. bis 6. Klasse) bleibt in Turbach erhalten. FOTO: BLANCA BURRI

Die 7. bis 9. Klasse mit den Kindern aus Bissen und Turbach wird im Sommer 2021 ins Oberstufenzentrum Ebnit integriert. Die Schülerzahlen sind und bleiben zu tief, um die Klasse im Turbach weiterzuführen. Hingegen bleibt die Mittelstufe vor Ort erhalten.

Diesen Entscheid hat der Gemeinderat auf Antrag der Bildungskommission BiKo getroffen. Der Gemeinderat musste auf die veränderten Schülerzahlen und die entsprechende Aufforderung des kantonalen Schulinspektorates reagieren, welches im Hinblick auf das Schuljahr 2021/22 die Schliessung einer Klasse auf dem Gemeindegebiet verlangt. Die Schliessung einer zweiten Klasse für das Schuljahr 2022/23 steht im Raum.

Schülerzahlen Gemeinde
Im gesamten Gemeindegebiet sind die Schülerzahlen in den letzten Jahren stetig gesunken. Lagen sie vor 20 Jahren noch bei 800, schwanken sie heute um die 500. 20 Nettoklassen und vier Schulhäuser – Chalberhöni, Abländschen, Saanenmöser, Grund – mussten infolgedessen bereits geschlossen werden. Grundlage dazu bilden die kantonalen Richtlinien für die Schülerzahlen, welche die Anzahl Kinder pro Klasse festlegen und regeln, wie bei zu hohen oder zu tiefen Klassengrössen vorzugehen ist: Der Kanton gibt die Anzahl Klassen pro Gemeinde vor. Diese wiederum bestimmt, wie die vorgegebene Anzahl Klassen organisatorisch umgesetzt wird.

Aktuell führt die Gemeinde Saanen 27 Klassen für knapp 500 Schüler und Schülerinnen (SuS), d.h. 40 SuS zu wenig respektive zwei Klassen zu viel. Die Geburtenzahlen lassen hoffen, dass sich die Entwicklung auf diesem Niveau stabilisiert. Zukunftsprognosen sind jedoch ungenau und schwierig, weil nicht vorausgesehen werden kann, wie viele Kinder tatsächlich eingeschult (z.B. Privatschule, Homeschooling, Wegzüge und Zuzüge, Nachbargemeinden) und wo sie unterrichtet werden (z.B. Übertritt in die Sekundarschule und in das Gymnasium, Umzüge).

Situation Bissen-Turbach
Seit 2013 wird der Schulkreis Bissen-Turbach mit vier Klassen für die elf Jahrgänge gemeinsam organisiert: Kindergarten und 1. bis 3. Klasse in Bissen, 4. bis 6. Klasse und 7. bis 9. Klasse in Turbach. Leider sind aber die Schülerzahlen in der Oberstufe zu tief und eine Erholung ist nicht absehbar. Je nach Anzahl der prognostizierten Übertritte in die Sekundarschule des Oberstufenzentrums Ebnit verbleiben in der 7. bis 9. Klasse durchschnittlich noch zwischen neun und zwölf SuS, was gemäss kantonalen Richtlinien Massnahmen erfordert.

Immerhin sind auch hier die Geburtenzahlen mit durchschnittlich sechs Kindern pro Jahrgang stabil, sodass sich für den Kindergarten bis zur 6. Klasse keine Veränderung aufdrängt.

Situation Rütti
Für das Schulhaus Rütti liegen die Schülerzahlen in der Basisstufe bis zur 6. Klasse nach einer unvorhersehbaren Häufung von Wegzügen zurzeit ausserordentlich tief. Die Geburtenzahlen im Schulkreis Rütti differieren zwischen 14 und 24 von Jahr zu Jahr stark, was die Klassenorganisation erschwert. Dennoch liegt die durchschnittliche Klassengrösse so tief, dass hier eine Klassenschliessung per Schuljahr 2022/23 im Raum steht.

Organisation und Pädagogik
Die BiKo hat zahlreiche Varianten geprüft, um die kantonale Vorgabe von zwei Klassenschliessungen auf dem Gemeindegebiet zu erfüllen. Dabei hat sie organisatorische und pädagogische Kriterien abgewogen und schliesslich beschlossen, die 7. bis 9. Klasse Bissen-Turbach zu schliessen und im OSZ Ebnit zu integrieren. Zwar geht damit eine traditionsreiche Klasse mit unbestrittenen Stärken verloren, andererseits eröffnen sich den SuS im OSZ auch neue Chancen. Im OSZ ist beispielsweise Niveauunterricht für einzelne Fächer möglich. Im Weiteren können der Fremdsprachenunterricht oder die Vorbereitung auf die Lehre klassenweise erfolgen.

Für die voraussichtliche zweite Klassensschliessung sieht der Gemeinderat eine Klassenschliessung in der Rütti vor, weil aktuell die Schülerzahlen sehr tief sind. Für die Zukunft zeigen die Geburtenzahlen wieder ansteigende Schülerzahlen für den Schulkreis Rütti. Seinen Entscheid stützt der Gemeinderat auf das Ergebnis einer Elternanhörung der Bildungskommission in Bissen-Turbach zur Frage, wo die 4. bis 6. Klasse künftig bevorzugt werde.

Elternanhörung
Am 9. September fand ein Elternanlass im Schulhaus Turbach statt. Rund zwei Drittel der betroffenen Familien aus Bissen und Turbach waren vertreten und hörten die Information der BiKo. Auf einem vorgängig versandten Antwortblatt konnten sie sich zur Standortfrage der 4. bis 6. Klasse äussern. Die Diskussion drehte sich dann aber vor allem um die Schliessung der 7. bis 9. Klasse, welche als Herzstück der Talschule unter allen Umständen erhalten werde müsse. Konkret verlangten mehrere Anwesende ein Rückkommen auf eine Variante, welche beides erfüllt: sowohl die Schliessung einer Klasse im Kreis Bissen-Turbach als auch der Erhalt aller Jahrgänge im Tal, z.B. Kindergarten bis 1. Klasse und 2. bis 4. Klasse in Bissen und 5. bis 9. Klasse in Turbach, was von den anwesenden Vertretern der BiKo, des Gemeinderats, der Schulleitung und Verwaltung zur Kenntnis genommen wurde.

Umsetzung
Die Auswertung der eingegangenen Antwortblätter (Rücklauf 73%) ergab, dass sich 60% gegenüber 23% (Rest unentschieden oder leer) für einen Verbleib der Mittelstufenklasse im Turbach aussprechen. Damit deckt sich die Haltung der Eltern mit dem Anliegen des Gemeinderates, die 4. bis 6. Klasse und damit auch das Schulhaus im Turbach zu erhalten. Der Beschluss, die 7. bis 9. Klasse per August 2021 ins OSZ zu integrieren, bleibt jedoch rechtskräftig.

Die BiKo hat am 14. September beschlossen, auf eine Wiedererwägung nicht einzutreten, wie sie von mehreren Eltern und mit Brief vom 11. September auch von der Dorforganisation Turbach verlangt wurde. Der Gemeinderat hat dies an seiner Sitzung vom 15. September zur Kenntnis genommen. Die Behörde hält fest, dass eine Klassenschliessung in der abschliessenden Kompetenz des Gemeinderats liegt. Sie hat Verständnis für die Kritik, wertet jedoch die pädagogischen Auswirkungen stärker als den Erhalt der Strukturen. Zudem obliegt dem Gemeinderat eine Gesamtschau der Schulorganisation über sämtliche Bäuerten. Die Mitteilung, dass gegen die Schliessung der Oberstufenklasse im Turbach eine Unterschriftensammlung gestartet wurde, nimmt der Gemeinderat zur Kenntnis. Nach deren Eingang wird der Gemeinderat über die vorgebrachten Anliegen befinden.

DER GEMEINDERAT

 

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