«Zukunft Saanen»: grünes Licht für zehn Projekte

Di, 20. Okt. 2020
An der Schlussveranstaltung gab der Gemeinderat die zehn Projekte bekannt, die weiterverfolgt werden. FOTO: ANITA MOSER

Nach einer coronavirusbedingten Zwangspause wurde vergangene Woche intensiv am Entwicklungsprozess «Zukunft Saanen» weitergearbeitet. An drei Workshops wurden aus Ideen konkrete Projekte. Am vergangenen Samstag wurden jene zehn Projekte vorgestellt, die vorangetrieben werden sollen.

ANITA MOSER
«Zukunft Saanen – zäme für ünsi Gmei» ist ein Projekt der Gemeinde Saanen, um Wünsche, Bedürfnisse, Anliegen aus der Bevölkerung aufzunehmen. An der öffentlichen Auftaktveranstaltung Ende November 2019 haben sich acht Schwerpunktthemen herauskristallisiert. Zu jedem dieser Entwicklungsschwerpunkte – bezahlbarer Wohnraum, Klimaschutz, Tourismusort/Lebensort, Sport- und Freizeitangebote, Angebote für Jugend, Verkehr, Wohnen und Leben im Alter, Schule und Betreuung – wurden Arbeitsgruppen gebildet. Diese hatten den Auftrag, im Rahmen von zwei Workshops – Mitte und Ende März – je zwei bis drei Entwicklungsziele zu erarbeiten.

In den vergangenen Monaten musste das Projekt aus bekannten Gründen auf Eis gelegt werden. Nun hat es aber wieder rassig an Fahrt aufgenommen. Innerhalb einer knappen Woche haben die Arbeitsgruppen unter der Leitung von Planval (Büro für Regional-, Gemeinde- und Stadtentwicklung) Ideen zu Projekten weiterentwickelt. Für zehn Projekte hat der Gemeinderat am Freitag grünes Licht gegeben zur direkten Umsetzung oder zu weiteren Abklärungen.

1. Gstaad, ausgezeichnet natürlich!
Mit diesem Projekt soll der Kreislauf Landwirtschaft-Gastronomie gestärkt werden und mehr Wertschöpfung in der Region generiert werden. Für das Projekt soll eine neue Trägerschaft gegründet werden. Bis es so weit ist, wird die Bernerhof AG das Projekt vorantreiben.

Der Gemeinderat schätze vor allem die Idee, die Wertschöpfung in der Region zu behalten sowie die Zusammenarbeit Landwirtschaft und Gastronomie zu fördern, betonte Gemeindepräsident Toni von Grünigen am Samstag anlässlich der Schlussveranstaltung. Man gehe davon aus, dass das Projekt die Wege zwischen der Landwirtschaft, dem Hotelier und dem Konsumenten verkürze. Mit «Saanenkalb» – Vermarktung von einheimischem Fleisch – gebe es bereits ein ähnliches Projekt. Um Doppelspurigkeiten zu vermeiden, brauche es eine Zusammenarbeit.

2. Individuelle Ergänzungen zum ÖV-Angebot
Mit einer App sowie Mitfahrbänkli an definierten Plätzen soll die Mobilität für Jung und Alt in abgelegenen Gebieten verbessert werden. Auch sollen die Transportfahrten während den Events in diesem Projekt integriert werden. Trägerschaft ist die Gemeinde.

Der Gemeinderat habe Freude an der Idee, dass im Bereich Mobilität neue Wege gesucht werden, «nicht zuletzt um unsere Randregionen etwas näher an die Ortschaften zu bringen und jene Personen, die kein Auto haben, etwas mobiler zu machen», sagte Toni von Grünigen. Wichtig sei aber auch, dass man damit nicht die Postautokurse in die Täler konkurrenziere. Und zu den Transportfahrten während den Events erklärte von Grünigen: «Jeder Anlass, der um einen Geldbetrag ersucht, wird eingestuft, ein Kriterium ist die ökologische Belastung für die Gemeinde. Mit einem ÖV-Angebot sinkt diese Belastung und der finanzielle Beitrag wird erhöht.»

3. Sport- und Freizeitkoordinator
Unter der Trägerschaft von Gstaad Saanenland Tourismus soll eine Ansprechperson aufgebaut werden, welche die Informationen bündelt, die entsprechenden Angebote und Nachfrage koordiniert sowie Ansprechperson ist – sowohl für Gäste als auch für die Bevölkerung, Vereine, Schulen usw. – im Bereich Sport und Freizeit.

Die Frage der Trägerschaft müsse mit dem GST noch geklärt werden, ebenso die Finanzierung, räumte Toni von Grünigen ein.

4. Bessere Nutzung «Oeyetli» am Abend durch die Jugend
Zentrale Frage ist: Welches Freizeitund Sportangebot kann man im Oeyetli zusammen mit der Jugend selbstverwaltet anbieten? Die Projektträgerschaft liegt bei der Jugendarbeit Saanenland und damit bei der Gemeinde.

Es sei bekannt, dass die Jugend sich wünsche, dass in der Gemeinde «etwas mehr los ist», so von Grünigen. «Darum schätzen wir auch die Eigeninitiative, welche von dieser Seite kommt.» Die Juga werde sich des Projekts annehmen und ein Konzept erarbeiten, wie man das Oeyetli zusammen mit den Jungen in Zukunft noch besser bewirtschaften könne.

5. Haus des Kindes 24/7
Ziel ist es, durch mehr Kitaplätze mit flexiblen, saisonal gesteuerten und bedürfnisorientierten Betreuungszeiten, zeitgerechte und moderne Arbeitsbedingungen für Familien zu schaffen. Die Projektträgerschaft liegt vorläufig bei der Gemeinde.

Der Gemeinderat sehe das Bedürfnis – es gibt Wartelisten für Kitaplätze – und er werde gemeinsam mit anderen Beteiligten das Projekt anpacken, versprach der Gemeindepräsident.

6. Studie Wohnraumproblematik
Den sozial Schwächeren auf dem Wohnungsmarkt eine Stimme geben und mit einer Studie zur Wohnraumproblematik eine Entscheidungsgrundlage legen hinsichtlich des weiteren Vorgehens zu bezahlbarem Wohnraum in der Gemeinde Saanen – das sind die Ziele. Die Trägerschaft liegt bei der Projektgruppe und der Gemeinde.

Es seien diesbezüglich schon verschiedene Vorstösse gemacht worden, rechtliche Rahmenbedingungen sowie unterschiedliche politische Interessen hätten es erschwert, zu Resultaten zu kommen, erklärte Toni von Grünigen. «Deshalb haben wir den Eindruck, dass die Studie der richtige Weg ist, dass fundiert untersucht wird, wie es hier mit günstigem Wohnraum aussieht und was Lösungen sein könnten.»

7. Hilf mir!
Mit diesem Projekt soll Hilfsbedürftigen und Hilfesuchenden aus allen sozialen Schichten unkompliziert Hilfe angeboten werden. Projektträger ist der Seniorenrat, dieser möchte schnell starten. In einer Testphase soll eruiert werden, ob das Angebot überhaupt einem Bedürfnis entspricht.

«Eine Idee, die wir gerne unterstützen», so von Grünigen. Indem der Seniorenrat den Lead übernehme, werde von der Gemeinde ja auch nicht «schuderhaft» viel gefordert, ergänzte er schmunzelnd.

8. Mischer – Wohngemeinschaft für Lernende, Gymnasiasten und junge, ehemalige Flüchtlinge in Ausbildung
Ein Haus für verschiedene Anspruchsgruppen: Zusammen leben, Probleme lösen und dadurch die Integration fördern, das sind die Ziele. Die Projektträgerschaft liegt bei der Gemeinde.

«Wir brauchen Lehrlinge, wollen Fachkräfte ansiedeln und das Gymnasium wäre sicher auch froh über zusätzliche Schüler», begründete Toni von Grünigen den Entscheid des Gemeinderats, dieses Projekt zu unterstützen. Ein Ausschuss der Sozialbehörde werde sich des Themas annehmen.

9. Come up and go out
Dabei geht es um eine digitale Übersicht von Ausgangsmöglichkeiten, Freizeitaktivitäten und aktuellen Anlässen. Die Projektträgerschaft ist noch offen.

«Auch eine gute Sache», so Toni von Grünigen. Der Gemeinderat sei aber der Ansicht, dass es sich nicht unbedingt um ein touristisches Projekt handle und sehe die Trägerschaft deshalb nicht beim GST. «Wir würden es begrüssen, wenn sich Jeunesse Saanenland dieses Projekts annimmt.» Die Gemeinde würde die Projektkosten übernehmen.

10. Innovationspreis «Goldener Kranich»
Angedacht ist der Innovationspreis als ein Wettbewerb, der alle zwei Jahre stattfindet. Bewerben können sich Unternehmer oder Personen aus dem Saanenland mit innovativen, guten Ideen in verschiedenen Kategorien. Die Prämierung findet an der Gstaader Messe statt. Es soll nicht ein Preisgeld ausbezahlt werden, sondern die Preisträger sollen bedürfnisbezogen unterstützt werden.

Toni von Grünigen erinnerte an den Prix de Gessenay. Dieser sei versandet, trotzdem wird der Gemeinderat die Idee unterstützen. Projektträger ist das Kontaktgremium Volkswirtschaft. «In diesem sind alle betroffenen Gruppen vertreten: Gewerbeverein, Hotelierverein, Landwirtschaftliche Vereinigung Saanenland, GST und Gemeinde», so Toni von Grünigen.

Projekte vorantreiben
Es sei ganz wichtig, betonte Lorenz Kurtz von Planval AG, «dass an jenen Projekten, die angestossen wurden, weitergearbeitet wird und sie in die Umsetzung gehen.» Beim Grossteil der Projekte liegt der Lead bei der Gemeinde. «Wir werden uns daran machen», versprach Toni von Grünigen. Und auch jene Trägerschaften, in denen die Gemeinde nicht involviert ist, können loslegen.

Ende Jahr oder Anfang des nächsten Jahres wird Planval dem Gemeinderat einen Statusbericht zu jedem einzelnen Projekt abgeben. Zudem werden sämtliche Unterlagen auf der Website aufgeschaltet.

Spannende Woche
Zwischen 30 und 40 Personen haben an den Workshops am Sonntag, Dienstag und Mittwoch aktiv teilgenommen. «Es war eine spannende und aus unserer Sicht eine gelungene Woche», betonte Lorenz Kurtz und bedankte sich bei den Teilnehmenden.

«Euer Engagement beweist, dass euch unsere Gemeinde am Herzen liegt», schloss sich Gemeindepräsident Toni von Grünigen diesem Dank an. «Wir hoffen, dass die ausgewählten Projekte für alle Bevölkerungsgruppen in der Gemeinde etwas enthalten.»

Er verstehe, wenn Einzelne enttäuscht seien, dass ihr Projekt nicht weitergekommen sei, so von Grünigen. Die eine oder andere Idee könne vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden, denn sämtliche Ideen, welche seit dem Käse- und Glockenmarkt 2019 und während der vergangenen Woche gesammelt wurden, kämen auf eine Liste. «Wir werden diese Liste dem neuen Gemeinderat für die nächste Legislatur überreichen.»

https://www.zukunft-saanen.ch

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