«Es ist der absolut richtige Weg»

Di, 17. Nov. 2020

Für Christian Laesser, Professor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen, macht die Limitierung von Tageskarten durchaus Sinn. «Das primäre Argument ist die Qualitätssicherung. Wenn man einen hohen Preis bezahlt und die Pisten übervoll sind, ist das nicht ideal.»

ANITA MOSER

Christian Laesser, Sie haben vor Monaten in einer Kolumne geschrieben, Sie seien gespannt, wer als erster die Nerven habe, eine gewisse Limitierung einzuführen. Die Destination Gstaad limitiert nun die Tagesgäste auf 5000. Was sagen Sie dazu?
Man muss klar festhalten: die Limitierung gilt nur für Tageskarten, die Saisonabonnemente oder die Mehrtageskarten werden nicht limitiert. Und es werden wohl nur ein paar Spitzentage von der Limitierung betroffen sein. Es wird nicht jeden Tag zu wenig Platz haben.

Was spricht für eine Limitierung?
Das primäre Argument ist die Qualitätssicherung. Wenn man einen hohen Preis bezahlt und die Pisten übervoll sind, ist das nicht ideal. Und darüber hinaus geht es – gerade in Zeiten einer Pandemie, wo Abstandhalten angezeigt ist – indirekt auch um die Kapazität in den Bergrestaurants.

Limitierungen werden Schule machen?
Bei den allermeisten touristischen Dienstleistungen gibt es technische Kapazitätsbeschränkungen: ein Hotel hat nicht mehr Betten als es hat, ein Restaurant hat eine gewisse Anzahl Tische und Sitzplätze. Nur bei den Bergbahnen ist man bis jetzt davon ausgegangen, dass man morgens hinfahren kann und garantiert ins Skigebiet kommt. Jetzt muss der Markt lernen, dass es im Extremfall passieren kann, dass man nicht ins Skigebiet kommt – zumindest nicht mit einer Tageskarte. Daran muss man sich erst gewöhnen. Es gibt vielleicht den einen oder anderen Aufschrei – auch in den Medien, ich wäre nicht überrascht. Aber wenn man es rational, sachlich anschaut, ist es der absolut richtige Weg.

Mit welchem Gästesegment rechnen Sie für die Schweizer Wintersportorte?
Die Schweizer werden wohl in der Schweiz bleiben – wobei man, falls es überhaupt möglich ist, mit einer gewissen Abwanderung nach Österreich möglicherweise rechnen muss, je nachdem, wie sich die Situation weiterentwickelt. Gleiches gilt umgekehrt: Die Ausländer bleiben teilweise weg, aber die Schweizer Gäste könnten das wenigstens ausgleichen. Man wird Ende Winter sehen, wie die finale Netto-Rechnung aussieht. Vorhersagen sind derzeit kaum möglich.

Wie werden die Gäste auf die Massnahmen reagieren?
Das wird sich zeigen. Sehen Sie: im Prinzip könnte man bei einer limitierten Kapazität den Preis für die letzte Tageskarte quasi in ungeahnten Hö- hen ansetzen – was bei Flügen, bei Hotels ja fallweise gemacht wird. Wenn ein Hotel praktisch voll ist, bezahlt man für das letzte Hotelzimmer deutlich mehr, als wenn man früher gebucht hätte. Aber das trifft hier ja nicht ein. Der Maximalpreis für eine Tageskarte ist festgelegt, es ist also sehr fair.

Früh buchen lohnt sich also?
Ja, es ist relativ simpel: Wer die Sicherheit haben will, dass er oder sie an einem bestimmten potenziellen Spitzentag Skifahren will, muss sich halt notabene eine Tageskarte kaufen. Das kann man toll finden oder nicht. Es ist aber vor dem Hintergrund der Qualitätssicherung und der pandemischen Situation der richtige Weg. Und wem es nicht passt, hat ja Alternativen, der geht in ein anderes Skigebiet. Die positive Nachricht ist, dass ich auch an Spitzentagen die Sicherheit habe, dass ich gute Qualität vorfinde und den Wintersporttag geniessen kann. Das ist ein Argument, das für die Limitierung spricht. Und letztlich geht es ja nur um wenige Tage.

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