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«Wir wollen arbeiten»

Di, 22. Dez. 2020

Die neuen Corona-Beschränkungen des Bundes treffen verschiedene Branchen sehr hart. Wir haben mit ein paar Betroffenen gesprochen.

ANITA MOSER
Er sei ab heute Dienstag Betreiber von drei «Take-away-Budene – Lochstafel, Hornybar und Euterbar», sagt Philipp Bigler. Ganz überraschend kommen die Einschränkungen für ihn nicht. Im Gegenteil. Überrascht sei er eher, dass die Skigebiete noch offen haben. «Wir sind daran, ein Take-away-Konzept auszuarbeiten und umzusetzen und entsprechend die Produkte anzupassen. Kurzarbeit sei für ihn Plan B. «Plan A ist: Wir wollen arbeiten.» Kurzarbeit wäre zwar wahrscheinlich aufwandmässig und finanziell einfacher. «Aber würden wir so denken und handeln, wären wir nicht dort, wo wir sind», betont Philipp Bigler, der 13 Mitarbeitende beschäftigt.

Der Bundesrat habe verfügt, dass das Restaurant ab heute Dienstag bis Mitte Januar geschlossen bleibt», erklärt René Mathey, Betreiber des Bergcampings Heiti in Gsteig. Was die verschärften Massnahmen für den Campingbetrieb bedeuten, sei er noch am Abklären. Allerdings, räumt Mathey ein, seien die Buchungen im Winter erfahrungsgemäss nicht sehr hoch.

Die «Bärgsunne» in Schönried ist ab heute geschlossen. Sie habe relativ lange überlegt, ob sie Take-away anbieten soll und sich letztlich dagegen entschieden, erklärt Tatjana Röthlin. Es gebe genügend andere, die auf Take-away umstellten, «dann sollen lieber diese mehr haben». Ihr komme nun zugute, dass sie nur wenige Mitarbeitende beschäftige, viele davon seien schon sehr lange im Gastgewerbe tätig. So gönne sie ihnen die freien Tage über Weihnachten und Neujahr. Soweit möglich könnten sie diese mit der Familie verbringen – und das sei doch gerade in diesem speziellen Jahr auch ein wichtiger Aspekt. «Gerade ältere Leute leiden wahnsinnig unter dieser Situation.» Sie selber erledige für eine ortsansässige Firma noch Büroarbeiten und so könne sie aufarbeiten, was sie im Sommer und Herbst etwas vernachlässigt habe. «Wir hatten einen sehr guten Sommer und Herbst.»

Am 27. Dezember wollten Ruedi und Viviane von Siebenthal «Viviane’s Burestübli» im Grund öffnen. Auch sie ziehen ein Take-away-Angebot in Betracht. Noch seien aber viele Fragen offen, sagt Ruedi von Siebenthal auf Anfrage. «Dürfen die Gäste die Toilette benutzen?» ist eine der Fragen. Oder: «Wer ist zuständig für die regelmässige Desinfektion in einem Toi-Toi?» Auch beim Regierungsstatthalteramt beschäftigt man derzeit mit diesen Fragen. Was man aber nicht darf: Eine Sitzbank oder Strohballen in unmittelbarer Nähe des Take-aways aufstellen. Der Kunde, die Kundin muss die Ware mitnehmen (eben take away) und sie unterwegs oder zu Hause verzehren.

Das Museum der Landschaft Saanen ist vom Shutdown ebenfalls betroffen – «schon wieder», wie Präsident Stephan Jaggi sagt. Nach wochenlanger Schliessung durfte das Museum am vergangenen Samstag wieder öffnen. Für einen Tag. «Wir haben damit gerechnet», so Jaggi. Am Freitag habe man die Ausstellung vorbereitet, noch ein paar neue Bilder aufgehängt – immer mit Blick auf die Pressekonferenz des Bundesrates. «Am Abend war es dann klar, dass wir ab Dienstag wieder schliessen müssen.» Man sei zwar immer gut informiert vom BAG und vom Museumsverein, aber die Situation sei trotzdem etwas deprimierend. Man organisiere alles, macht die Einsatzpläne … «Es ist schade, wir hätten das Museum gerne geöffnet», so Jaggi, denn es gebe nur wenige Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Auch das Ciné-Theater in Gstaad ist – erneut – von den verschärften Massnahmen betroffen. Nachdem über die Sommermonate Filme gezeigt werden konnten, sind die Pforten seit Mitte Oktober geschlossen. «Wir haben gehofft, Anfang/Mitte Dezember wieder öffnen zu dürfen», sagt Kinobetreiber Hansjörg Beck. Finanziell sei die Schliessung bis zum 22. Januar happig. «Weihnachten und Neujahr ist für uns die beste Zeit mit den meisten Besuchern.» Und auch die Werbung, die man nicht zeigen könne, falle finanziell ins Gewicht. «Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass wir keine neue Filme zeigen könnten.» So lange die Kinos in x Ländern, im Grossteil der USA, in Europa in Deutschland, Frankreich, England und Italien geschlossen seien, brächten die Studios die Filme nicht heraus. «Unser Business lebt auch von attraktiven Filmen.» Müsse man jene Filme zeigen, die man schon vor Monaten gezeigt habe, sei das auch nicht interessant. Diverse Filme seien schon ein paar Mal verschoben worden. «James Bond wäre eigentlich im April 2020 gelaufen, wegen Corona hat man ihn erst auf November verschoben, dann auf April 2021.» Er habe seine Zweifel, dass das klappt. «Wir brauchen ein paar grosse Filme im Jahr, die viele Leute bringen», betont Beck.

Das Kino sei aber auch eine beliebte Alternative bei Schlechtwetter oder für Nichtschneesportler. «Es ist lässig, wenn man während den Ferien zur Abwechslung im Kino einen Film schauen kann», so Beck.

Er schaue aber trotz allem optimistisch in die Zukunft, betont Beck. Anderen gehe es genau gleich. «Es kommt auch wieder eine andere Zeit», ist Beck überzeugt. «Aktuell ist es gescheiter, man ist diszipliniert und hält sich an die Vorschriften. Wir müssen das durchstehen.»

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