Die beste Gouvernante der Schweiz lebt und arbeitet im Saanenland

  29.12.2020 Hotellerie / Gastronomie

Sanja Jovanovic wurde vom Wirtschaftsmagazin «Bilanz» im Rahmen des alljährlich durchgeführten Hotel-Rankings zur Housekeeperin des Jahres 2020 gekürt. Die langjährige Gouvernante des Romantik Hotels Hornberg in Saanenmöser ist somit eine der elf besten Hotelmitarbeitenden der Schweiz.

ÇETIN KÖKSAL

Welche Bedeutung hat die Auszeichnung «Housekeeper des Jahres» für Sie?
Ich habe mich sehr darüber gefreut, gerade auch, weil ich nie damit gerechnet hatte! Seit 14 Jahren arbeite ich nun bereits hier im Hotel Hornberg – seit vier Jahren als Gouvernante und Leiterin des Teams. Diese Auszeichnung gibt mir Kraft, stärkt das Selbstvertrauen und ist eine schöne Bestätigung für die Arbeit all unserer Mitarbeitenden.

Wie haben Sie zu Ihrem Beruf und ins Saanenland gefunden?
Nach dem Abschluss der Hotelfachschule in Bosnien-Herzegowina habe ich an der Universität zu studieren begonnen. Finanzielle Gründe zwangen mich dann aber dazu, möglichst zügig eine Arbeit zu finden. Ich durchforstete also die Stellenangebote und bewarb mich in vier Hotels, unter anderem auch hier im Hornberg. Ausschlaggebend dafür, dass ich mich für diese Stelle der zweiten Gouvernante entschieden hatte, war meine Vorgängerin – die damalige Leiterin des Housekeeping-Teams. Auch sie war Bosnierin und so hatte ich wenigstens jemanden, mit dem ich mich in meiner Muttersprache unterhalten konnte. Ich war ja gerade einmal 20 Jahre jung!

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Der Kontakt zu den Menschen, die Herausforderung und die Abwechslung. Jeder Gast hat andere Vorlieben, für jeden Gast sind andere Sachen wichtig. Gerade auch in dieser speziellen Zeit ist ein feines Gespür für die Menschen, die eine gewisse Zeit bei uns wohnen, sehr wichtig. Manche freuen sich auf den Austausch mit unserem Team, andere möchten, dass wir unsere Arbeit so diskret wie möglich erledigen. Mein Ziel ist es, die ausgesprochenen wie auch die unausgesprochenen Wünsche der Gäste erfüllen zu können. Gelingt uns dies, ist das ein sehr befriedigendes Gefühl. Die seltenen Fälle, in denen es uns nicht gelingt, sind wichtige Lernschritte und Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Wie hat die Corona-Pandemie Ihren Arbeitsalltag verändert?
Wir haben mehr Arbeit! In normalen Zeiten benötigen wir für eine Zimmerreinigung ungefähr 40 Minuten, jetzt sind es 60. Beispielsweise müssen sämtliche Oberflächen desinfiziert und auch die Deko-Kissen immer wieder gereinigt werden. Seit letztem Mai desinfizieren wir vier- bis fünfmal am Tag alle Türgriffe des gesamten Hotels. Zudem buchen viel mehr Schweizer Gäste ein Zimmer bei uns. Im Unterschied zu regulären Jahren, in denen wir auch Stammgäste aus dem Ausland begrüssen dürfen, bleiben jetzige Gäste öfters für kürzere Zeit. Wenn die Zimmer nach einer bis zwei Nächten jedes Mal komplett für den nächsten Gast generalgereinigt und desinfiziert werden müssen, merken wir den Zusatzaufwand natürlich schon. Interessant finde ich im Übrigen, dass etliche Gäste mit unseren Desinfektionsprodukten so zufrieden sind, dass sie sie für ihren persönlichen Gebrauch kaufen möchten.

Haben Sie oder Mitglieder Ihres Teams Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus?
Respekt trifft es eher. Wir befolgen natürlich strikt die Regeln und passen auf. Glücklicherweise hat sich bis jetzt niemand im Hotel infiziert – vielleicht auch, weil der Umgang sowohl mit den Gästen als auch unter uns wirklich viel distanzierter ist. Auf jeden Fall freue ich mich auf die Zeit, wenn wir alle uns wieder ins Gesicht und nicht nur in die Augen schauen dürfen.

Gibt es ein berufliches Ziel, das Sie noch unbedingt erreichen möchten?
Ich liebe meine aktuelle Aufgabe und möchte darin weiterhin immer ein bisschen besser werden. Deshalb besuche ich regelmässig Weiterbildungskurse, versuche aber auch jeden Tag wieder etwas Neues aus der Praxis zu lernen. Momentan möchte ich also nicht etwas anderes machen, obwohl ich offen für vieles bleibe. Ich versuche einfach immer mein Bestes zu geben und Schritt für Schritt weiterzukommen.

Sie scheinen ein ruhiger, ausgeglichener Mensch zu sein. Haben Sie ein Geheimrezept dafür?
Mein Motto lautet: Es gibt immer für (fast) alles eine Lösung und in Ruhe lässt sich eine solche doch viel eher finden. Nun, es ist bestimmt auch hilfreich, dass ich mit meinem Leben und mir selbst zufrieden bin. Ja, ich würde sogar sagen, dass ich ein glücklicher Mensch bin.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Ich lese sehr gerne – meistens etwa drei Bücher gleichzeitig. Je nach Stimmung lasse ich mich beispielsweise von einem Krimi von Agatha Christie fesseln, lese in einem Bestseller von Paulo Coelho oder entfliehe in eine der Welten von Nora Roberts. Mit unserem Labrador spaziere ich zudem gerne in unserer schönen Natur oder unternehme dann auch ausgedehntere Wanderungen auf die umliegenden Gipfel.

Welche Bedeutung hat das Saanenland für Sie?
Es ist mein Zuhause geworden. Ich lebe mit meinem Mann und meiner Tochter hier und bin daheim – auch dank der angenehm familiären Atmosphäre am Arbeitsplatz.


DISKRETION UND VERTRAUEN

Neben den offensichtlichen Aufgaben des Housekeepings haben die Gouvernante und ihr Team eine ganz zentrale Rolle für den Gast inne: Weil sie sich in den Zimmern bewegen, also dem «privaten Bereich» des Gastes, sind Diskretion und Vertrauen zwei ganz wichtige Attribute – bei Zimmerwechseln beispielsweise bewegt die Gouvernante sämtliche privaten Sachen des Gastes von einem Ort zum anderen und häufig entsteht durch die langjährige Gastfreundschaft auch eine wertvolle zwischenmenschliche Beziehung.

Die Aufgaben der Gouvernante und ihres Teams umfassen im Romantik Hotel Hornberg: Reinigung der Zimmer und Auffüllen sämtlicher Artikel, daneben warten viele kleine, aber wichtige Aufgaben wie die Reinigung der Wanderschuhe, das Hundekörbchen, das Drapieren der Liegestühle rund um den Schwimmteich, die Bereitstellung der Seminarräume und die Pflege der vielen Blumen als Weiteres. Zudem ist der Spabereich natürlich in der Reinigung wie auch der Bereitstellung ein ganz wichtiger Bereich. Zum Abschluss des Tages gehts dann noch einmal in den Gästebereich und im Rahmen des so genannten «turn down» werden die Zimmer am Abend, während die Gäste beim Essen sind, für die Nacht vorbereitet.

ÇETIN KÖKSAL

 


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