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Im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Druck

Di, 01. Dez. 2020
Das traubenförmige Anstehen bereitet vielen Sorge. SYMBOLBILD: ADOBE STOCK

Bisher zeigen im Wintertourismus alle Ampeln auf Grün, aber der Druck der Politik auf die Schweizer Skigebiete steigt.

BLANCA BURRI
Italien, Frankreich und Deutschland öffnen ihre Skigebiete nicht vor dem 10. Januar. Sie üben auf Österreich und die Schweiz einen gewissen Druck aus, es ihnen gleichzutun. Bis letzte Woche bekannte sich Gesundheitsminister Alain Berset zur Wintersaison, was Matthias In-Albon, Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG), postitiv stimmte: «Das positive Signal nahmen wir nicht als Freipass. Die Bergbahnen nehmen das Thema ernst.» Es sei arrogant von den Nachbarländern, dass sie eine Schliessung der Bergbahnen in der Schweiz fordern. Sie hätten ihre Strände im Sommer auch nicht geschlossen. Im Gegenteil, man habe immer wieder Bilder von überfüllten Stränden gesehen. In Italien, Frankreich und Deutschland spiele der Wintertourismus eine untergeordnete Rolle. Matthias In-Albon: «Im Saanenland hätte ein Teillockdown verheerende existenzielle Folgen – für die Bergbahnen und die nachgelagerten Betriebe wie die Hotellerie oder Gastronomie.» Denn das Skifahren bleibe nach wie vor die Hauptmotivation, im Winter zu verreisen.

«Alles fährt Ski. Aber sicher!»
Das klare Statement des Bundesrats hat die Initiative «Alles fährt Ski» zu einem Relaunch bewegt. Dahinter stecken Wintersportorte und Bergbahnen, darunter Mitinitiant Matthias In-Albon. Jetzt heisst es: «Alles fährt Ski. Aber sicher!» Gleichzeitig lancierten die Initianten eine Umfrage bei der Firma Mindful. Vergangene Woche wurden die Fragen an 130’000 Personen versandt. 2818 Personen haben sie beantwortet. Daraus geht klar hervor, dass Gäste die Winterferien verhalten buchen, erst 63 Prozent haben sich bereits dafür entschieden. 24 Prozent wissen es noch nicht, 13 Prozent machen keine Winterferien. Ein Augenmerk wird bei der Umfrage auf die Warteräume im Skigebiet gerichtet: Für 80 Prozent der Gäste ist es sehr wichtig oder wichtig, dass die Warteräume entweder vergrössert werden und/oder eine Triage stattfindet. Die Personenbegrenzung in den Gondeln oder Kabinen ist 78 Prozent der Befragten sehr wichtig oder wichtig. Die Personenbeschränkung in den Skigebieten ist etwas weniger massgeblich. 42 Prozent bewerten diese als sehr wichtig oder wichtig.

Umsetzung ist wichtig
Die BDG tut viel dafür, dass sich die Skigäste im Gebiet sicher fühlen. Covid-Sicherheit beim Ticketkauf, Beschränkung der Gäste auf den Skipisten und das Management der Warteräume sind nur einige Massnahmen, die sie ergreift. «Hierzu haben wir unzählige Absperrgitter bestellt», sagt Matthias In-Albon. Solange sich das Coronavirus im Skigebiet nicht überproportional ausbreitet, kann wohl davon ausgegangen werden, dass sie über die Weihnachtstage offen bleiben. Hierzu müssen sich jedoch alle Dienstleister wie auch alle Gäste an die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) halten. Gerade im Warteraum sind die Schweizer weniger diszipliniert wie beispielsweise die Engländer, die sich hintereinander und mit Abstand anstellen. In der Schweiz steht man häufig traubenförmig an. Dadurch ist die Abstandsregel kaum einzuhalten und das Virus könnte grössere Verbreitungschancen haben. «Mit der Maskenpflicht, Abstand und mobil installierten Lenkungskorridoren bestehend aus Gittern und Seilen können wir viel Sicherheit bieten», so In-Albon.

Reservation im Restaurant
Damit die Verpflegung im Skigebiet geordnet abläuft, setzt die BDG auf Tischreservationen. Matthias In-Albon hofft, dass die Restaurants, welche nicht der BDG gehören, dasselbe System einsetzen und es den Gästen so einfach machen.

In der Sonntagspresse war nun zu lesen, dass Bundesrat Alain Berset die Auflagen für die Skiorte über die Festtage stark verschärfen will. «Die Punkte Maske und Abstand, keine Selbstbedienung und Kapazitätsgrenze auf Zweidrittel der Vorjahre zu beschränken, sind nicht umsetzbar», betont Matthias In-Albon. Drei Wochen vor Saisonbeginn ein Verbot von Selbstbedienungsrestaurants auszusprechen sei unsinnig. Die Vorlaufzeit für eine Konzeptanpassung sei schlicht und einfach zu kurz. Wegen Corona hätten sich zudem einige Gastronomiemitarbeitende aus dem Ausland entschlossen, dieses Jahr nicht für die BDG zu arbeiten. Es sei deshalb schon schwierig genug, Mitarbeitende zu finden. «Diese Massnahmen wurden am Bürotisch und nicht von Branchenkennern gemacht», hält In-Albon fest. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Die Bergbahnen seien momentan im Austausch mit dem Regierungsrat und dieser mit der Bundesbehörde, so In-Albon. Für ihn bleibt ein Rätsel, weshalb der Wintersport die polemische Diskussion von Abstand halten und Masketragen hervorrief. Er vergleicht ihn mit dem öffentlichen Verkehr, wo Masken trotz voller Züge genügten.

 

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