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Wie viel Flexibilität ist möglich?

Fr, 18. Dez. 2020
«Hier brennen die Lichter weiter»: Das Foto könnte nicht passender sein. Mit einer Kampagne, die diese Worte mit dem Bild kombiniert, signalisiert das Sportzentrum Gstaad seinen Blick nach vorn und unterstreicht die Hoffnung auf andere Zeiten. FOTO: ZVG

Die Wirtschaft mit all ihren Branchen muss derzeit auf kurzfristig veränderte Massnahmen reagieren. Mit Blick auf die Freizeit-, Kulturund Gastronomieangebote im Saanenland wird von deren Anbietern viel gefordert.

JENNY STERCHI
Für heute Nachmittag hat der Bundesrat eine allfällige Anpassung der Massnahmen von letzter Woche angekündigt. Nachdem sich die Gastronomie seit letzter Woche an der Sperrstunde um 19 Uhr orientiert und es einige Veränderungen bei den Freizeitaktivitäten gab, muss möglicherweise ab morgen wieder umdisponiert werden.

Zuversicht im Sportzentrum Gstaad
Die vermutlich verschärften Massnahmen von heute Nachmittag werden sehr wahrscheinlich auch Auswirkungen auf das derzeit bestehende Angebot (siehe Kasten) der Sportzentrum Gstaad AG haben. Entsprechend werden neue Weisungen erwartet. Geschäftsführer Ruedi Kunz betont: «Wir planen laufend und haben verschiedene Varianten vorbereitet, um einige Freizeit- und Sportangebote weiterhin zugänglich zu machen.»

Da seit geraumer Zeit kein normaler Betrieb möglich ist, wurde auf die Kurzarbeitsregelung zurückgegriffen. «Wir können für unsere Mitarbeitenden Lohn auszahlen. Das freut uns umso mehr, denn sie helfen mit, Alternativen umzusetzen.» Ein Beispiel dafür sind Videos, die auf der Homepage erscheinen und den Betrachter zum Sportmachen animieren – auf sehr motivierende Weise. Die Aussage ist klar: dranbleiben, bis es wieder anders geht.

Die Situation sei unbestritten schwierig, aber der Blick nach vorn stehe im Sportzentrum Gstaad im Mittelpunkt. «Für uns ist es wichtig, den Kontakt mit den kleinen und grossen Kunden zu halten und für den Moment, an dem wir wieder näher zum Normalbetrieb kommen, bestens vorbereitet zu sein», erklärt die stellvertretende Geschäftsführerin Cornelia Walker.

Und in der Gastronomie?
In der Gastronomie sehen sich die Unternehmer im Saanenland mit den sich ändernden Massnahmen einem sehr hohen Risiko ausgesetzt. Für sie wäre Klarheit für die gesamte Branche eine echte Hilfe.

Gleich hohe Kosten – weniger Einnahmen
«Die Gäste, die seit Jahren nach Gstaad kommen, sind auch in diesem Jahr hier. Es ist schwierig, den Gästen Angebote zu unterbreiten, wenn keiner weiss, was wie lange möglich ist», erklärt Christof Huber, Präsident des Hoteliervereins Gstaad Saanenland und selber Gastgeber im Hotel Gstaaderhof. Insofern würden die Entscheide, die heute Nachmittag vom Bund publiziert werden, sehnlichst erwartet. Mit der Sperrstunde um 19 Uhr falle ein enormer Teil der Haupteinnahmen hiesiger Restaurantbetriebe, die sich über Mittagstisch und Abendangebot definieren, weg. Dagegen fielen dennoch Personalkosten an, auch wenn die Mitarbeitenden nur bis sieben Uhr im Einsatz stünden. «Die Gäste kommen vielfach erst gegen acht», veranschaulicht Huber das Dilemma der Gastwirte, das für einige eine ernste existenzielle Bedrohung darstelle. Hier und da könne das Abendangebot zeitlich vorgezogen werden, das kompensiere aber bei Weitem nicht den verursachten Ausfall.

Lieber komplett schliessen?
Ob die komplette Schliessung, wie sie andernorts von Schweizer Gastwirten offiziell gefordert wird, für die Betriebe günstiger wäre, beantwortet der Vereinspräsident so: «Wir sehen gerade im benachbarten Ausland, dass die komplett geschlossenen Gastrobetriebe vergleichsweise geringe Kosten verursachen und mit planbaren Entschädigungen am Leben erhalten werden.» Den Schweizer Gastwirten bleibe bisher nur die Härtefallregelung, die jedoch derzeit noch diskutiert wird und deren Unterstützungseffekt erst zu einem späteren Zeitpunkt eintritt. Covid-Kredite seien bereits im Frühling abgerufen worden und das Modell Kurzarbeit verlange vom Arbeitgeber ebenfalls finanziellen Aufwand.

Lieferservice und Take-away als Kompensation?
Vielleicht das Take-away- Angebot als Alternative nutzen? Einige Restaurants haben diesen Service in ihr Angebot aufgenommen. «Der Lieferservice und Essen zum Mitnehmen sind sicher gangbare Wege, um das Grundangebot für die im Saanenland logierenden Gäste aufrecht zu erhalten.» Aber Huber differenziert: «Für die Betriebe ist dies sicher eine Möglichkeit, wenigstens ein Minimum an Einnahmen zu generieren. Für die, deren Geschäftsidee auf Lieferdienst basiert, ist es ganz klar ein Vorteil. Und für jene, deren Konzept der Service vor Ort ist, können Lieferangebote eine gangbare Zwischenlösung sein.»

Wohin mit den Saisonkräften?
Hier gibt es Unterschiede bei der Angebotsausrichtung der Hotel- und Gastronomiebetriebe. Die Unternehmen, die mit Gruppen- und Seminarangeboten rechnen, haben schnell erkannt, dass diese Form in diesem Winter nicht angeboten werden kann und haben demnach weniger oder keine zusätzlichen Saisonkräfte aufgeboten. «Im Gegensatz dazu gibt es auch Hotel- und Gastrobetriebe in der Region, die das herkömmliche Kontingent an Saisonkräften und vielleicht sogar ein wenig darüber eingestellt haben aus Vorsicht gegenüber krankheits- oder quarantänebedingten Ausfällen einzelner Mitarbeitender», führt Christof Huber aus. Auch für jene Arbeitskräfte könne die Kurzarbeitsregelung geltend gemacht werden, wobei diese für den Arbeitgeber, wie bereits erwähnt, nicht gratis ist.

Umso dringender erwartet die Gastronomiebranche im Saanenland klar definierte Massnahmen und rasche finanzielle Hilfen für die Betriebe.


CORONA ANGEPASSTES ANGEBOT

Derzeit kann die Sportzentrum Gstaad AG Tennis anbieten, wenn auch mit angepassten Öffnungszeiten. Auch Eislaufen sowie Training im Kraftraum und auf dem Senso Pro ist mit Einhaltung von Schutzmassnahmen möglich. Ausserdem werden nach wie vor Personal Trainings angeboten.

Geschlossen sind weiterhin das Hallenbad, der Wellnessbereich und die Curlinghalle. Gruppenkurse finden derzeit auch nicht statt.

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