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Weisse Pracht menschengemacht – ein Blick hinter die Kulissen

Fr, 15. Jan. 2021

Wie lassen wir es schneien? Das steckt dahinter.

NADINE HAGER
Wenn der Mensch nicht selbst Schnee machen könnte, wäre unser winterliches Vergnügungsangebot mittlerweile äusserst mager. Glücklicherweise gibt es aber hochmoderne Technologie, welche uns weisse Pisten schenkt – und zur Standardausrüstung der Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) zählt. Der «Anzeiger von Saanen» war dabei, während sie es schneien liessen.


Die Schneezentrale

Die sogenannte Schneezentrale, welche die technische Beschneiung kontrolliert, befindet sich in der Talstation Horneggli. Von hier aus wird nicht nur entschieden, welche der insgesamt 752 Schneeerzeuger im Skigebiet eingesetzt werden und wann diese schneien sollen, sondern auch, wie feucht oder trocken der Schnee wird. Der Feuchtigkeitsgrad des Schnees wird Schneequalität genannt: Das Team der Schneezentrale wählt im Computerprogramm eine Zahl von 1 (sehr trocken) bis 9 (sehr nass), woraufhin das System automatisch Wasserdruck sowie Wassermenge bei den Schneeerzeugern entsprechend anpasst. Dies geschieht in Abhängigkeit von Aussentemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit, der sogenannten Feuchtkugeltemperatur. Die Schneequalität wird in Absprache mit dem Aussenteam festgelegt, welches die Lage vor Ort überprüft sowie die Schneeerzeuger unterhält.

Wie viel Schnee erzeugt wird, entscheidet das Team um Beschneiungschef Ruedi Frutiger. Da technische Beschneiung viele Ressourcen verbraucht und das Skigebiet einiges kostet, liegt es in dessen Verantwortung, diese möglichst effizient einzusetzen. Es wird abgewogen zwischen den verfügbaren Wassermengen und den benötigten Ressourcen einerseits, aber auch dem Wetter andererseits: Ist es nämlich wärmer als –2,5°C, kann nicht beschneit werden. In dieser Saison sind bisher 614’111m3 Wasser zu Schnee gemacht worden, was circa 1,2 Millionen m3 Schnee entspricht.


1. Aus der Saane

Das Wasser für die Beschneiung des Skigebiets der BDG wird aus der Saane entnommen: Über 600 Liter können insgesamt pro Sekunde durch spezielle Anlagen aus dem Bachbett abgeleitet werden. Die Wasserentnahme hat jedoch eine klare Grenze – eine bestimmte Restwassermenge muss bestehen bleiben, sodass Vegetation und Tiere nicht geschädigt werden. Das entnommene Wasser passiert zwei Gitter, die beispielsweise Blätter abfangen, und wird danach in einen Beruhigungskanal geleitet: Hier beginnt ein ruhiges Fliessen, sodass der Sand absinken kann und später Rohr- und Pumpsysteme nicht strapaziert.


2. Den Berg hoch

Nach dem Beruhigungskanal wird das Wasser zuerst durch einen Reinigungsfilter und danach direkt in Hochdruckpumpen geleitet. Diese pressen das Wasser mit durchschnittlich 35 bar hangaufwärts, wo es über eine Zwischenstation in den Speichersee Hornberg gelangt. Wasserentnahme- und Pumpvorrichtungen wie jene in Gschwend (siehe Bilder) gibt es auch bei Zweisimmen, Rougemont, der Wispile und dem Eggli.


3. Aus dem See

Der Speichersee Hornberg fasst 38’000m3 Wasser. Um dieses bereits im Vorfeld möglichst weit abzukühlen, sorgt eine Tauchbelüftung aus dem Untergrund für Bewegung im See. Das Wasser wird dann automatisch aus dem Speichersee abgepumpt und gelangt über Filter in verschiedene Rohre, welche jeweils in andere Bereiche des Skigebiets führen.


4. Wo der Weg sich verzweigt

Drei Hochdruckleitungen (rot) verlaufen zum Horneggli, zur Horeflue und zum Saanersloch; das blaue Rohr führt sowohl in Richtung Schönried und Saanenmöser als auch Zweisimmen und verzweigt sich einige Male. Während das Wasser der roten Leitungen mit Hochdruckpumpen weiter hochgepresst wird, fliesst jenes im blauen durch Eigendruck. Mittels Regelventilen kann die Schneezentrale (siehe links) steuern, welche Wassermengen die Rohre passieren. Neben Wasser wird auch Druckluft – aus einem Luftkompressor kommend – zu den Beschneiungsanlagen in unterirdischen Leitungen zu den Beschneiungsanlagen transportiert.


5. Den Schnee rieseln lassen

Abzweiger der Wasser- und Luftdruckleitungen führen direkt zu jedem Beschneiungsgerät. Dort wird das Wasser in feinsten Tröpfchen versprüht und mit Druckluft vermischt, sodass sich in der kalten Luft Schneekügelchen bilden, bevor diese den Boden erreichen. Jedes Beschneiungsgerät verfügt über einen Schacht mit einem sogenannten Hydromaten – dieser reguliert Wassermenge und Wasserdruck entsprechend den Programmierungen von der Schneezentrale (siehe Seite 6). So wird die Konsistenz des Schnees verändert.


6. Schneemanagement

Mit der Beschneiung selbst ist der Prozess noch nicht abgeschlossen, denn der Schnee muss noch regelmässig auf den Pisten verteilt werden. Hierfür sind Pistenbully-Chauffeure zuständig: In die Pistenbullys ist ein Schneehöhenmesssystem integriert, welches anzeigt, wo wie viel Schnee liegt. Die Aufgabe der Chauffeure ist es, diesen umzuverteilen, sodass überall mindestens 40cm Schnee liegen. Durch dieses Verteilungssystem wird bereits vorhandener Schnee so gut wie möglich genutzt, wodurch eine Wassermenge von 20% für technische Beschneiung gespart wird – zudem wird rund ein Drittel Diesel für die Pistenbullys gespart, da sie zielgerichtet manövrieren können. Nach dieser Verteilung und dem Fräsen ist es so weit: Die Kunstschneepisten sind befahrbar.

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