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Eine neuartige Wohngemeinschaft mitten in Zweisimmen

Fr, 26. Mär. 2021
Sie haben gut lachen: Regula Meier, Geschäftsleiterin Bergquelle, und André Streit, Geschäftsführer Alterswohnen STS AG, beobachten voller Freude den Baufortschritt am Neubau der Spitalmatte, der ab November eine bisher einmalige Wohngemeinschaft beherbergen wird. FOTOS: JENNY STERCHI

Mit dem Neubau auf der Spitalmatte in Zweisimmen schaffen die Bergquelle und die Alterswohnen STS AG ein bisher in der Region einmaliges Gemeinschaftswohnkonzept für Senioren und beeinträchtigte Menschen.

JENNY STERCHI
«Weniger Heimcharakter, mehr begleitetes Wohnen», so lautet die übergeordnete Zielstellung für den Betrieb im Neubau Spitalmatte. Warum die Bergquelle und die Alterswohnen STS AG für den 9-Millionen-Franken-Bau zusammenspannten und was sie sich zukünftig aus ihrer Kombination versprechen, erklärten Regula Meier, Geschäftsleiterin der Bergquelle, und André Streit, Geschäftsführer der Alterswohnen STS AG, Anfang der Woche bei einem Pressekaffee.

Klimaneutrales Zuhause
Die Bauarbeiten, die mitten in der ersten Pandemiewelle gestartet waren, verliefen laut Streit reibungslos. Die Aussenhülle des Gebäudes, das im Minergie-P-Standard erstellt wurde, konnte vor dem Winter geschlossen werden. Während der Wintermonate widmeten sich die beteiligten Unternehmen dem Innenausbau.

Mit dem Anschluss an die Fernwärme und einer geplanten Fotovoltaikanlage wird eine emissionslose und klimaneutrale Nutzung des Gebäudes möglich. «Mit dem Ausblick auf die Montage von Solarpanels darf zukünftig eine klimapositive Energiebilanz erwartet werden», fügte André Streit hinzu.

Dass vorgängig nur sehr wenige Einsprachen gegen das Bauprojekt eingegangen waren, repräsentierte das Verständnis der Bevölkerung für den Neubau. «Erwähnenswert ist bei einem so grossen Projekt die Beteiligung überwiegend einheimischer Unternehmen», betonte Streit.

Veraltetes Modell: Behindertenheim
«Der Kanton ist an der Finanzierung dieses Bauprojektes nicht beteiligt», erklärte Regula Meier am Rande der Baustellenbesichtigung. «Somit oblag es uns, die Wohnungen so zu planen, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner in den Wohneinheiten ihren Alltag mehr oder weniger selbstständig bestreiten können.» Mit einer geplanten neuen Gesetzgebung bewege man sich bei der Unterbringung beeinträchtigter Menschen weg vom Heimcharakter und einem generalisierten Betreuungsbegriff. «Es wird zunehmend wichtiger, dass jeder unserer Klienten so wenig wie möglich und so viel wie nötig Unterstützung erhält und somit sein eigenes Potenzial optimal ausschöpfen kann.» Die Nähe zum Dorfkern unterstützt dieses Normalitätsprinzip sowohl für die Bewohnerinnen und Bewohner der Bergquelle als auch für die Seniorinnen und Senioren im unterstützten Wohnen.

Freuen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Bergquelle auf den Umzug? «Die meisten unserer Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich auf den Einzug in die neuen Räume», schickte Regula Meier voraus. «Aber sicher muss der Umzug aus gewohnten Umgebungen mitten ins Dorf gut vorbereitet und begleitet werden.» Dafür wurde ein Modell einer Wohnung angefertigt. Passend dazu gibt es diverse massstabgerechte Möbelstücke, mit denen die Bewohnenden ihre neuen Wohnräume vorgängig einrichten können. «Das erleichtert ihnen die Vorstellung, wie es am neuen Wohnort später aussehen könnte.» Die Anfragen für das unterstützte Wohnen der Alterswohnen STS AG nehmen tendenziell zu.

Bisher einzigartige Zusammenarbeit
Die Realisierung eines solchen Projektes ist bisher beispiellos. «Es ist eher unüblich, dass Alterswohnen und Wohnraum für beeinträchtigte Menschen kombiniert werden», führte André Streit, Geschäftsführer der Alterswohnen STS AG, aus.

Das Haus beherbergt 38 Wohneinheiten. Die Bewohner der Bergquelle werden 24 davon nutzen. Die 14 übrigen Apartments stehen interessierten Seniorinnen und Senioren für unterstütztes Wohnen zur Verfügung.

«Die Zusammenarbeit dieser beiden Bereiche birgt viele Möglichkeiten und Synergien», sind sich Meier und Streit einig. Bereits beim Bau seien finanzielle Einsparungen möglich gewesen, da Infrastrukturen erstellt wurden, die von beiden Partnern genutzt werden. «Eindrückliches Beispiel ist ein Pflegebad mit allen notwendigen Einrichtungen wie Hebelift und anderes», erläuterte Regula Meier. «Für unsere Klienten geplant, kann es durchaus auch von den Seniorinnen und Senioren genutzt werden. Der Effekt ist für beide Bewohnergruppen positiv.»

Die Synergien setzen sich fort im täglichen Betrieb. Nicht nur können in diversen Bereichen des täglichen Betriebs wie zum Beispiel in der Küche, der Wäscherei oder im Garten Bewohner und gemeinsames Personal eingesetzt werden, auch Bereitschaftspersonal in der Nacht, das für die Bergquelle im Einsatz steht, bietet den Seniorinnen und Senioren einen Mehrwert und eine zusätzliche Sicherheit. Nicht zuletzt kann auch auf sozialer Ebene ein gewinnbringendes Zusammenwirken erzielt werden. Die Mischung verschiedener Gruppen ermöglichen einen lebhaften Austausch.

«Mit einem gewissen Stolz auf dieses Gemeinschaftswerk und die genutzte Gegenseitigkeit lassen wir uns gern als Leuchtturmprojekt in der Region wahrnehmen», sagte Regula Meier abschliessend.

Spendenprojekte für Sonnenenergie und Gartenreich
Die Idee des Gemeinschaftswerks wird in den aktuellen Spendenaktionen fortgeführt. «Wir wünschen uns zukünftig eine Hausgemeinschaft von Bewohnerinnen und Bewohnern aus beiden Bereichen», führte Regula Meier aus. «Dazu gehört unserer Ansicht nach auch ein Garten, den wir als Begegnungszone nutzen möchten.» Die Kosten für eine so vielfältige Gestaltung des Aussenbereiches sollen über ein Spendensystem gedeckt werden. Dabei geht es aber nicht einfach nur um Geld. Neben finanzieller Unterstützung können sich Spendeninteressierte auch an den Materialien der Gartengestaltung wie zum Beispiel Bänken und Pflanzen beteiligen.

Mit einer weiteren Spendenaktion begeben sich die Verantwortlichen auf den Weg zur klimapositiven Energiebilanz. Geplant sind 160 Solarpanels, die zukünftig Sonnenstrom verfügbar machen sollen. «Um die Spendenwilligen nicht zu überlasten, stellen wir uns ein Gotti- und Göttiprinzip für die einzelnen Solarmodule vor.» Demnach sind finanzielle Beteiligungen an den einzelnen Panels auch in kleinem Rahmen denkbar.

Um einen Überblick über die diversen Spendenmöglichkeiten in beiden Aktionen zu bieten, wird eine Objektliste publiziert.

Am 24. April wollen die Bergquelle und Alterswohnen STS AG, sofern die epidemiologische Lage es zulässt, einen Tag der offenen Baustelle veranstalten. Dann sollen allen Interessierten die Türen des Neubaus geöffnet und hoffentlich sogar eine bereits fertiggestellte Musterwohnung präsentiert werden.


CHRONOLOGIE DES NEUBAUS SPITALMATTE

2015 erste Gespräche zwischen Bergquelle und Alters wohnen STS AG für gemeinsames Projekt
2016 Machbarkeitsstudie
2019 Baugesuch eingegeben
2020 im Frühling Baustart
2021 im Herbst Fertigstellung erwartet

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