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Braune Hundezecke: Gefahr für Hunde

Fr, 07. Mai. 2021
Ein auf dem Rücken liegendes, gesogenes Weibchen der braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Schön zu sehen sind die acht Beine (Klasse der Spinnentiere) und der im Verhältnis zum vollgesogenen Körper sehr kleine Kopf. FOTO: INSTITUT FÜR PARASITOLOGIE DER UNIVERSITÄT BERN

Zu den bekannten Zecken gesellt sich neu die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Diese kann bei Hunden die tödliche Hundemalaria hervorrufen und bei Menschen das Mittelmeerfleckfieber, welches meist gutartig verläuft. Bislang wurde die braune Hundezecke im Saanenland nicht nachgewiesen.

KEREM S. MAURER
Sobald die Temperaturen wärmer werden, Experten sprechen von mehr als sieben Grad Celsius, werden die Zecken aktiv und beginnen ihre blutsaugende Nahrungsaufnahme – mit oftmals verheerenden Folgen für Mensch und Tier. Vorzugsweise bedienen sich Zecken an Nutztieren, befallen aber nicht selten auch Hunde und Katzen. Und laut dem Bundesamt für Gesundheit BAG werden auch immer mehr Menschen von Zecken gestochen. Lag der jährliche Durchschnitt von 2011 bis 2019 noch bei 201 Fällen von Zeckenenzephalitis FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), sorgte das Jahr 2020 mit 455 gemeldeten Fällen für ein deutliches Rekordergebnis. Im laufenden Jahr wurden dem BAG bereits 21 FSME-Fälle (Stand 24. April) gemeldet. Als Zeckenhauptsaison gilt März bis November.

Holzbock, Igel- und Auwaldzecke
Die in der Schweiz verbreitetste und zugleich auch die gefährlichste Zeckenart ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Er ist der Überträger von Krankheiten wie FSME und Borreliose. Zusammen mit der Igelzecke kommt der Gemeine Holzbock gehäuft im Frühjahr und Herbst vor, während die Auwaldzecke von Februar bis Dezember vorwiegend in der Westschweiz anzutreffen ist. Zu ihnen gesellt sich seit etwa zwei Jahren eine neue Zeckenart, die ihr Ursprungsgebiet in Afrika und dem Mittelmeerraum hat: die braune Hundezecke. Und wie es ihr Name suggeriert, ernährt sie sich am liebsten von Hundeblut.

Steigende Zahlen in höheren Lagen
Lokale Tierärztinnen und Tierärzte sind die erste Anlaufstelle bei der Frage, wie sich die Zeckensituation in den letzten Jahren in unserer Region entwickelt hat. Tierarzt Stefan Kurt aus Zweisimmen, dem auch viele Tierbesitzer aus dem Saanenland ihr Vertrauen schenken, sagt auf Anfrage: «Es hat in unserer Region viel mehr Zecken als noch vor 15 Jahren.» Der Veterinärmediziner stellt fest, dass Zecken zunehmend auch in höheren Lagen anzutreffen sind, nämlich bis zur Baumgrenze auf rund 1800 Metern über Meer. «Vor 30 Jahren habe ich den Leuten noch erklärt, dass ab Oberwil keine Zecken mehr vorkommen». Auch der Allgemeinmediziner Dr. med. Benoît Zurkinden hat in seiner Praxis in Rougemont ähnliche Erfahrungen gemacht. «Der Trend in Sachen Konsultationen infolge eines Zeckenstiches ist steigend», bestätigt er auf Anfrage. Er rät, sich gegen FSME impfen zu lassen.

Zecken werden oft von Hundehaltern importiert
Auch die Anzahl der Tiere mit Zeckenbefall habe gegenüber früher massiv zugenommen, weiss Stefan Kurt. Doch die zunehmende Verbreitung der kleinen Blutsauger, die der Klasse der Spinnentieren zugeordnet werden, einzig dem Klimawandel zuzuschieben, erscheint zwar einleuchtend, ist aber laut dem Zweisimmner Tierarzt zu einfach. Er sieht dafür noch andere Gründe und nimmt Hundebesitzende – insbesondere hinsichtlich der eingangs erwähnten braunen Hundezecke – in die Pflicht und wirft Fragen auf: Muss man seinen Hund zwingend in Ferienorte mitnehmen, von denen man weiss, dass der Zeckenbefall hoch ist? Oder muss man sich im Süden einen Streuner anlachen und diesen mitsamt seinen Zecken und Krankheiten mit nach Hause nehmen, oder noch schlimmer, via Schlepperorganisationen, die oft als «Tierschutzfreundeverein» getarnt auftreten, an einen Übergabeort bringen lassen? Auf diese Weisen, so ist Kurt überzeugt, werden nicht nur Krankheiten eingeschleppt, sondern auch Zecken importiert – wie vielleicht die braune Hundezecke.

Braune Hundezecke ist sehr selten
Die braune Hundezecke wurde bisher im Tessin und in der Genferseeregion nachgewiesen. Hinsichtlich ihrer Verbreitung im Kanton Bern sagt Prof. Dr. Caroline Frey, Co-Leiterin des Institutes für Parasitologie der Universität Bern: «Wir identifizieren uns zugeschickte Zecken. Doch diese Einsendungen sind spärlich, sodass ich daraus keine Zunahme von Rhipicephalus sanguineus feststellen könnte.» Sie verweist auf das Zeckenmonitoring des ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) auf europäischer Ebene, wonach die braune Hundezecke eher auf der Alpensüdseite nachgewiesen wird (siehe Grafik). Frey erklärt, dass es diese Zecke eher warm mag, weshalb sie im Freien in höheren Lagen kaum überlebt. In Innenräumen dagegen schon. Und das ist eine Besonderheit dieser Zeckenart, deren Weibchen bis zu 4000 Eier legt: «Die braune Hundezecke kann ihren Zyklus in Innenräumen vollziehen», ergänzt Frey. Hundezwinger seien ein prominentes Beispiel dafür. Aber auch Tierheime, Wohnungen oder Häuser können eine braune Zeckenkolonie beherbergen. Ist dies der Fall, hilft nur noch der Kammerjäger, um die Räume zu sanieren. «Sonst wird man diese Zecke nicht wieder los», weiss die Co-Leiterin des Parasitologischen Institutes der Universität Bern.

Gefahr für Hunde
Die braune Hundezecke befalle zu über 90 Prozent Hunde. Andere Tiere oder gar Menschen seien nur im Ausnahmefall betroffen, präzisiert Caroline Frey und informiert, dass die braune Hundezecke zwei Babesien-Arten (Krankheitserreger) beim Hund übertragen könne, was «Hundemalaria», eine Erkrankung der roten Blutkörperchen, hervorrufen könne. Hundemalaria führt im schlimmsten Fall zum Tod des Hundes. Tierarzt Stefan Kurt rät: «Wenn beim Hund wirkliche Hautveränderungen oder schwere Verhaltensveränderungen auftreten, ist es ratsam, einen Tierarzt aufzusuchen.» Zecken können ausserdem Träger für verschiedene Viren, Bakterien, Protozoen (einzellige Lebewesen, die als Parasiten leben), Pilze und sogar Würmer sein, die während des Blutsaugens in den Hund gelangen. Doch die einzige Krankheit, welche von der braunen Hundezecke auf den Menschen übertragen werden kann, ist laut Caroline Frey das Mittelmeer-Fleckfieber, hervorgerufen durch Rickettsien (Bakterien), die für den Menschen potenziell infektiös sein können. «Das Mittelmeer-Fleckfieber tritt etwa eine Woche nach dem Zeckenstich mit grippeartigen Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen auf. Charakteristisch verschorft die Stichstelle. Danach kann es zu einem Hautausschlag am ganzen Körper kommen,» sagt Frey. Insgesamt verlaufe die Krankheit normalerweise gutartig.

Wirksamer Zeckenschutz
Um seine Tiere und damit letztlich auch sich selbst gegen Zecken zu schützen, gibt es laut Tierarzt Stefan Kurt unzählige Präparate. «Und da mit diesen Verkäufen gute Profite winken, spielen sämtliche Player mit, vom esoterischen Tröpfchen übers Kügelchen bis zur harten chemischen Keule.» Der Tierarzt geht davon aus, dass man auf längere Sicht wohl nicht darum herum kommt, Zecken als Mitbewohner in der Natur willkommen zu heissen. In Tierarztpraxen gebe es Tabletten, Nackentropfen oder auch Halsbänder gegen Zeckenbefall und er verweist auf das BAG, welches in jedem Frühling via Medien über sinnvolles Verhalten im Umgang mit Zecken informiert. Um sich selbst gegen Zecken zu schützen, rät Caroline Frey zum Tragen von langen Hosen und langärmeligen Shirts, die Socken über die Hosen zu ziehen und einmal täglich den eigenen Körper nach Zecken abzusuchen. Hat sich trotzdem eine Zecke festgesetzt, sollte diese mit einer Zeckenzange, -karte oder einer Pinzette am Kopf gefasst und gerade herausgezogen werden. Hilfe bieten dabei auch Ärzte oder Apotheker. «Je früher eine Zecke entdeckt wird, umso weniger Pathogene werden übertragen. Die Stichstelle soll danach gut desinfiziert werden.»

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