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Draussen vor der Tür

Fr, 18. Jun. 2021
Die Heimlieferung von Lebensmitteln hat insbesondere während des ersten Lockdowns extrem zugenommen. SYMBOLBILD: ADOBESTOCK

Die schweren Tüten des Wocheneinkaufs schleppen sich wie von selbst vor die Haustür − Corona hat die Heimlieferung von Lebensmitteln befeuert. Während die Anzahl an Bestellungen in den lokalen Dorfläden zurückgegangen ist, verzeichnen die schweizweiten Detailhandelsunternehmen nach wie vor ein hohes Niveau.

SOPHIA GRASSER
Der Pandemie geschuldet, sahen sich zahlreiche Unternehmen und Konzerne mit enormen Umsatzeinbussen konfrontiert – der Online- und Lebensmittelhandel hingegen zählt nicht dazu. Nicht nur etablierte Detailhandelsunternehmen, sondern auch lokale Dorfläden bieten den Service der Heimlieferung an. Online oder via Anruf bestellen Kundinnen und Kunden die gewünschten Lebensmittel bequem zu sich nach Hause. In den Fachmärkten der Migros Aare wird der Käufer ferner virtuell von einem Mitarbeitenden durch die Abteilungen geführt. Die Migros realisierte während der Pandemie die Nachbarschaftshilfe «Amigos», um besonders Risikogruppen zu unterstützen: Insgesamt registrierten sich 29’000 Freiwillige und lieferten in ihrer Nachbarschaft Einkäufe aus. Mit der fortschreitenden Impfung und den Lockerungen wurde von dem Angebot immer weniger Gebrauch gemacht, sodass das Unternehmen die Plattform Ende letzten Monats einstellte.

Nicht nur Risikogruppen
Peter Beetschen, Besitzer von Peter’s Cheslade in Gsteig, bediente in erster Linie seine Stammkunden und versorgte – ebenso wie Schmid Früchte, Gemüse und Getränke AG – die Älteren respektive Risikogruppen. Auch Alleinstehende würden vermehrt auf das Angebot zurückgreifen, fügt eine Mitarbeiterin von Schmid hinzu. In den Supermarktketten liess sich die Onlinekundschaft laut Coop und Migros nicht bestimmen, die Bestellungen nahmen quer durch die Bevölkerung zu.

Virtuelles versus physisches Erlebnis
Insbesondere während des ersten Lockdowns sei die Nachfrage an Heimlieferungen ausserordentlich hoch gewesen. Mittlerweile habe sich der Telefonansturm in den Dorfläden wieder gelegt, die Zahl an Online- und Telefonbestellungen sei ähnlich wie in den Jahren zuvor, so Beetschen. Demgegenüber freut sich die Coop-Genossengeschaft über ein nach wie vor hohes Niveau an Onlinekäufen. Eine dreifache Mutter aus dem Saanenland, die bereits vor der Pandemie regelmässig von dem Angebot Gebrauch machte, begründet den Trend folgendermassen: «Es ist sehr bequem, denn ich nutze den Lieferservice gern für Grosseinkäufe und Konserven. Dann kaufe ich gezielt Reis, Nudeln oder Kartoffeln auf Vorrat.» Anschliessend bleibt ihr das Taschenschleppen erspart. Auch die jüngste Medienmitteilung der GfK, eines Beraters für die weltweite Konsumgüterindustrie, untermauert die Entwicklung. In einer Studie gaben demnach rund zwei Drittel der befragten Konsumenten an, dass sie in der vergangenen Woche online eingekauft haben. Ein Drittel möchte das Angebot der Heimlieferung zukünftig noch intensiver nutzen. Im Vergleich dazu gewinne allerdings auch das physische Erlebnis wieder an Bedeutung. Oben genannte Kundin bekräftigt diese These. So geniesse sie die kurzen Gespräche zwischen den Regalen oder auf dem Parkplatz. Aus diesem Grund bestelle sie circa alle zwei Monate online, den Rest erledige sie stationär im Supermarkt. Während der Pandemie habe sie auch den Lieferservice lokaler Dorfläden in Anspruch genommen. Frischprodukte kaufe sie nun aber bevorzugt wieder vor Ort. «Häufig sprechen mich dann auch Gemüseoder Obstsorten an, die gar nicht auf meiner Einkaufsliste stehen. Das sorgt für Abwechslung», schätzt die Kundin wert.

Flexibilität vonnöten
Trotz der hohen Nachfrage bedurften weder schweizweite Detailhandelsunternehmen noch lokale Dorfläden temporäre Aushilfen. Die Coop-Genossenschaft stellte mit einer Auslieferflotte, eigenen Chauffeuren und der Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post eine zuverlässige Belieferung sicher. In den Bereichen Transport und Logistik habe das Unternehmen sogar neue Stellen geschaffen, informiert Mediensprecher Andrea Luca Ruberti. Andrea Bauer, Mediensprecherin der Migros-Aare, erklärt weiter: «Da die Fachmärkte teilweise geschlossen waren, konnte man die Mitarbeitenden in den Supermärkten oder der Logistik einsetzen.» Auch die Annen-Bettler GmbH in Gstaad oder Schmid Früchte, Gemüse und Getränke in Saanen verzichteten auf weiteres Personal. Peter Beetschen ergänzt: «In der heissen Phase hatten wir zwar eine Aushilfe, doch meine Frau und ich arbeiteten im Grunde einfach ein bisschen mehr.» Interessant sei ausserdem, dass Kunden während der Pandemie verstärkt auf Quartierläden ausgewichen seien. Die Mediensprecherin der Migros-Aare vermutet einen Zusammenhang zwischen Homeoffice und Nahversorger: «Der Radius wurde während des Lockdown sehr klein, man sollte zu Hause bleiben.» So bot sich der Laden um die Ecke an.

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