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Vögel in Gstaad

Fr, 11. Jun. 2021
Der Hausrotschwanz ist ein Kurzstreckenzieher. Er brütet in allen Städten und Dörfern, aber auch im Hochgebirge bis auf über 3000 m ü.M. und verbringt den Winter im Mittelmeerraum. FOTO: ADRIAN WULLSCHLEGER

Gstaad ist nicht nur für viele Leute aus nah und fern ein beliebter Ort. Gstaad bietet zahlreichen Vogelarten einen Lebensraum. Im Dorf Gstaad brüten 25 bis 30 verschiedene Vogelarten, und weitere 20 bis 30 Arten halten sich sonst häufig oder gelegentlich im Dorf auf.

Die Vögel bewohnen Gstaad ganzjährig oder saisonal. Die Amsel und der Haussperling finden auch im Winter genügend Nahrung und trotzen der Kälte und dem Schnee. Kurzstreckenzieher wie die Mönchsgrasmücke oder der Distelfink verlassen das Bergdorf im Herbst und verbringen den Winter im Mittelmeerraum. Der Mauersegler und der Gartenrotschwanz ziehen als Langstreckenzieher bis in Länder südlich der Sahara, wo sie überwintern. Zwischen dem Brutort Gstaad und dem Winterquartier fliegen sie somit jeden Herbst und jeden Frühling mehrere Tausend Kilometer weit, gelenkt nach einem inneren Kompass und einer inneren Uhr. Und es gibt die Alpendohlen, die schwarzen Vögel mit gelbem Schnabel und roten Beinen: Sie leben ganzjährig im Gebirge rund um Gstaad, wo sie in Felsnischen brüten. Im Winter kommen die Alpendohlen jeden Morgen hinunter nach Gstaad, wo sie Wasser und Nahrung aufnehmen. Am Nachmittag fliegen sie wieder hinauf ins Gebirge und übernachten dort. Diesen Flugkünstlern zuzuschauen und zuzuhören, ist eine wahre Freude.

Wo brüten die Vögel in Gstaad?
Einige Vogelarten brüten an Gebäuden und in Nistkästen, gelegentlich in Holzbeigen, Briefkästen, Blumenkistchen auf Balkonen oder anderen Nischen, wo sie sich ungestört fühlen. Zu diesen Gebäudebrütern gehören etwa der Hausrotschwanz, die Bachstelze oder der Mauersegler. Die meisten Arten bauen ihr Nest jedoch in Bäumen und Sträuchern, hoch oben in den Wipfeln, in einer Astgabel, auf einem dicken Ast, in einer natürlichen oder selbst in einem Holzstamm gezimmerten Nisthöhle.

Viele Vogelarten profitieren von stark durchgrünten, parkartigen Gebieten im Dorf, wie z.B. hinter dem Bahnhof (Spittelrain) oder im Gebiet Hotel Bellevue-Eisbahn. Für Vögel sehr wertvoll ist auch das langgezogene bewaldete Band vom Hotel Alpina, unter dem Hotel Palace hindurch bis zum Hotel Park. An diesen Orten brütet z.B. praktisch jedes Jahr je ein Paar Gartenrotschwänze, die auf der Roten Liste der seltenen und gefährdeten Vogelarten der Schweiz stehen. Stark durchgrünte (Privat-)Gärten können je nach Einrichtung auch für viele verschiedene Vogelarten ein geeigneter Lebensraum sein.

Was kann ich für die Vögel tun?
Es gibt viele Möglichkeiten, um die Vögel zu schützen und zu fördern.
– An einer Aussenwand oder auf einem Baum einen Nistkasten montieren (im Winter reinigen).
– Im Garten: keine Pflanzen- und Tiergifte- und nur das Nötigste an Dünger einsetzen, um die Nahrungsketten zu stärken (Kleinlebewesen im Boden - Pflanzen - Tiere).
– Sträucher mit Beeren (= Vogelnahrung) anpflanzen, z.B. Gewöhnlicher Schneeball, Roter Holunder, Traubenkirsche, Vogelbeere.
– Bunten Blumenrasen anstatt einheitsgrünen Sportrasen ansäen.
– Mehrjährige anstatt einjährige Blumen und Kräuter bevorzugen.
– Wo es genug Platz hat: einen Laubbaum anpflanzen, der lange wachsen und eine grosse Krone bilden kann, z.B. Birke, Bergahorn, Eiche.
– Im (grossen) Garten: eine Vogeltränke, ein Vogelbad oder ein Sandbad für Vögel einrichten.
– Vögel im Winter füttern: Ist nicht nötig, aber auch nicht schädlich und ermöglicht, Vögel aus der Nähe zu beobachten. Sämereien und getrocknete Beeren schätzen die Vögel sehr (keine Nahrungsreste verfüttern!).

Schon gewusst?
Weltweit gibt es über 11’000 verschiedene Vogelarten. In der Schweiz brüten etwa 200 verschiedene Vogelarten. Daneben sind in der Schweiz etwa 250 weitere Arten festgestellt worden (v.a. durchziehende Vögel und Wintergäste). Der am weitesten verbreitete Brutvogel ist der Hausrotschwanz, der sowohl in allen Städten und Dörfern (auch in Gstaad) als auch an Gebäuden und Felsen im ländlichen Raum und hoch oben im Gebirge auf über 3000 m ü.M. nistet. Die häufigste Brutvogelart in der Schweiz ist der Buchfink (eine Million Brutpaare). Buchfinken brüten im Wald und überall, wo es grössere Bäume hat.

ROLAND LUDER, BIOLOGE/ORNITHOLOGE, LENK IM SIMMENTAL

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach ist eine gemeinnützige Stiftung für Vogelkunde und Vogelschutz. Sie überwacht die einheimische Vogelwelt, erforscht ihre Lebensweise und setzt sich für die bedrohte Vogelwelt ein. Dabei darf sie auf die Mithilfe von mehr als 2000 Freiwilligen zählen.
Sie können die Arbeit der Vogelwarte unterstützen: www.vogelwarte.ch
Vogelwarte Sempach; Postkonto 60-2316-1; IBAN CH47 0900 0000 6000 2316 1

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