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WG Mischer startet im August

Di, 15. Jun. 2021
Das ehemalige Wohnheim Rübeldorf wird zur Wohngemeinschaft Mischer. FOTO: ANITA MOSER

Eine Wohngemeinschaft für Lernende, Gymnasiasten und ehemalige Flüchtlinge in Ausbildung: Der «Mischer» ist das erste Projekt, welches im Rahmen von «Zukunft Saanen» umgesetzt wird – im ehemaligen Wohnheim Rübeldorf in Saanen.

ANITA MOSER
Am 20. Oktober 2020 hat der Gemeinderat zehn Projekten, die im Rahmen von «Zukunft Saanen – zäme für ünsi Gmein» erarbeitet worden sind, grünes Licht gegeben. Darunter das Projekt «Mischer». «Wir brauchen Lehrlinge, wollen Fachkräfte ansiedeln und das Gymnasium wäre sicher auch froh über zusätzliche Schüler», begründete Gemeindepräsident Toni von Grünigen damals den Entscheid, das Projekt «WG Mischer» zu unterstützen. Verantwortlich für die Umsetzung ist der im April gegründete Verein «WG Mischer». Im Verein vertreten sind der lokale Gewerbeverein und der Hotelierverein, die Jeunesse Saanenland sowie Asyl Berner Oberland. «Es war uns wichtig, dass der Verein breit abgestützt ist», betont Vereinspräsident Christoph Däpp.

Für junge Menschen in Ausbildung
Der «Mischer» richtet sich an junge Menschen in Ausbildung zwischen 16 und 23 Jahren, aber auch an auswärtige Gymnasiasten. «In der Regel sind es Gymnasiasten, welche die Schule mit Leistungssport verbinden, die von auswärts zu uns kommen», erklärt Christoph Däpp. Er denke schon, dass ein Bedürfnis vorhanden sei – bei allen drei Anspruchsgruppen. «Es ist zum Beispiel schwierig, Gastfamilien zu finden.»

Interessant sei das Projekt auch für das lokale Gewerbe, ist Vizepräsident Philipp Bigler überzeugt. «Junge Leute, die von auswärts kommen und hier eine Lehre absolvieren, brauchen eine bezahlbare Wohngelegenheit.» Aber nicht alle Jugendlichen seien in der Lage, selbstständig zu wohnen. «Die Spannweite ist gross», so Däpp. «Einige schaffen es sehr gut, andere können kaum einen Haushalt führen.» In der WG «üben und erarbeiten sie alles, was es braucht, um einen eigenen Haushalt zu führen, selbst zu kochen und in jeglicher Hinsicht selbstständig zu leben.»

Eine weitere Zielgruppe sind ehemalige Asylsuchende, die ein Bleiberecht haben und hier eine Ausbildung, in der Regel ein Berufsattest, absolvieren. Es ist genau dieser Mix, welcher vom Verein gewollt ist. «In der WG stärken die jungen Menschen mit ihren individuellen Biografien und Lebensentwürfen sowie ihrem unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergrund ihre Selbstständigkeit, ihr Verantwortungsbewusstsein.» Im Zusammenleben mit anderen würden die Jugendlichen Verbindlichkeit, Rücksichtnahme, Toleranz und Konfliktfähigkeit lernen.

Im Wohnheim Rübeldorf
«Es sind diese drei Hauptgruppen von jungen Leuten, die ins Saanenland kommen und hier noch keine Kontakte haben», erklärt Bigler. «Wir probieren, diese Gruppen zusammenzubringen», ergänzt Däpp. Jede sei für sich allein zu klein. Er habe selbst schon ein Haus gesucht, habe Besitzer von leer stehenden Häusern kontaktiert. «Es ist mir nie gelungen, ein solches Objekt zu mieten – auch nicht für eine befristete Zeit bis zum Abbruch oder Umbau.»

Für die WG Mischer kann der Verein nun das ehemalige Wohnheim Rübeldorf – es ist im Besitz der Gemeinde Saanen – mieten. Zu einem fairen Preis, wie Däpp betont. «Ohne die Unterstützung der Gemeinde mit dem Wohnheim Rübeldorf könnten wir das Projekt nicht umsetzen.» Noch steht das Haus, welches die letzten zwei Jahre als Personalzimmer für die Hotellerie genutzt wurde, in einer Zone für Alterswohnen. «Der Regierungsstatthalter hat damals eine auf fünf Jahre befristete Ausnahmebewilligung erteilt. Wir dürfen es noch bis 2024 nutzen, danach braucht es eine Zonenänderung», erklärt Bigler.

Start mit vorläufig sechs Jugendlichen
Das Haus bietet Platz für 15 Personen. Gestartet wird die Wohngemeinschaft im August jedoch mit voraussichtlich sechs Jugendlichen. «Wir wollen das Haus nicht von Anfang an füllen, es soll regelmässige Wechsel geben.»

Im Erdgeschoss befinden sich eine grosse Küche, ein Aufenthaltsraum sowie die Waschküche. In den beiden oberen Stockwerken gibt es vier nach Geschlechtern getrennte Wohneinheiten, pro Wohneinheit hat es eine Dusche und eine Toilette. Die Zimmer sind teilmöbliert und verfügen – wie es in den Altersheimen üblich war – über ein Lavabo.

Fachperson als primäre Ansprechperson
Der Verein wird eine Fachperson in Teilzeit anstellen. «Das wird ein Sozialpädagoge oder eine Sozialarbeiterin sein», erklärt Däpp. Diese Fachperson ist die primäre Ansprechperson für die Jugendlichen und unter anderem zuständig für das Durchführen von regelmässigen WG-Sitzungen. «Die Teilnahme ist für die Jugendlichen obligatorisch.» An den Sitzungen sollen Konflikte und Spannungen thematisiert und gemeinsam Lösungen gesucht werden. Auch Workshops zu relevanten WG-Themen sollen stattfinden und auch gemeinsame Aktivitäten sind geplant. Die Verantwortlichen halten aber fest, dass die WG keine Pflege- und Erziehungsverantwortung übernimmt. «Diese liegt bei unter 18-Jährigen bei den Eltern.»

Die Fachperson wohnt nicht in der WG, sie ist aber regelmässig vor Ort und führt auch unangemeldete Besuche durch. Unterstützt werden soll die Fachperson durch mehrere Freiwillige. «Es hat sich bereits jemand gemeldet, beim Besorgen des grossen Gartens zu helfen», so Bigler.

«Sicher, es wird Konflikte geben – wie immer, wenn mehrere Menschen zusammenleben», sind sich die Verantwortlichen bewusst. «Mit den drei unterschiedlichen Gruppen ist dies ein wohl schweizweit einzigartiges Projekt. Wir gehen damit auch ein Wagnis ein und können nicht von Erfahrungen anderer profitieren. Daher haben wir auch eine dreijährige Pilotphase definiert, die wir danach hoffentlich in ein Definitivum überführen können.»

Jugendliche bezahlen Miete
Am Anfang läuft alles über den Verein. Die Arbeitsgruppe Bau kümmert sich um die noch anstehenden Reparatur- und Renovationsarbeiten. Es braucht eine zusätzliche Dusche/WC, zudem wird die noch bestehende Gastroküche umgebaut. Die Arbeitsgruppe Betreuung zeichnet für das Konzept verantwortlich und die Arbeitsgruppe Finanzen erstellt das Budget und versucht, Geldquellen zu erschliessen. «Die WGler bezahlen zwar Miete, damit lässt sich jedoch nicht alles decken», so Philipp Bigler. Der Verein ist angewiesen auf finanzielle Leistungen von Dritten und auf Spenden. Und man hofft auf möglichst viele Vereinsmitglieder.

«Es ist ein Projekt für die Jungen, für junge Leute, die in die Region kommen, hier eine Ausbildung machen, hier Kontakte knüpfen und hoffentlich auch hier bleiben. Das ist per se schon gut», wirbt Christoph Däpp. «Und es ist etwas, das es in dieser Form noch nicht gibt, etwas Neues, das auch ein gewisses Risiko zum Scheitern birgt.» Man spürt, er freut sich auf die Herausforderungen.

Projekt bekannt machen
«Wichtig ist, dass Interessierte – Jugendliche, Eltern, Arbeitgeber, Schulen und interessierte Fachpersonen – das WG-Projekt kennen und sich bei Bedarf direkt bei uns oder via Webseite melden», betont Philipp Bigler. www.wg-Mischer.ch


VEREINSVORSTAND «WG MISCHER»

Präsident Christoph Däpp (Privatperson und Bindeglied zum Gymnasium) Vizepräsident: Philipp Bigler (Privatperson Kassier: Daniel Bach (Privatperson) Christian Rohr (Vertreter Verein Asyl Berner Oberland) Matthias Hofer (Vertreter Verein Jeunesse Saanenland) Urs Hauswirth (Vertreter Gewerbeverein Saanenland) Michi Ming (Vertreter Hotelierverein Saanenland) Béatrice Baeriswyl (Vetreterin Gemeinde Saanen, Mitarbeit bis Ende 2021)

 

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