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«Die jungen Leute brauchen eine Perspektive»

Fr, 16. Jul. 2021
Die neue Alphütte auf der Untere Zwitzeregg. FOTO: ZVG

Die über 100-jährige Alphütte auf der Untere Zwitzeregg wurde letzten Sommer abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Seit rund vier Wochen produziert Regula Bach – zusammen mit zwei Angestellten – Alpund Weissschimmelkäse in der neuen Käserei.

ANITA MOSER
Drei Tage nach der Abzüglete letzten Herbst fuhr der Bagger auf und hat die gut 100-jährige Alphütte dem Erdboden gleichgemacht. Die Alp Untere Zwitzeregg auf rund 1700 m ü.M. gehört einer Korporation mit vier Eigentümern: Ueli Bach, Markus Bach, Beat Reichenbach und Martin von Siebenthal. Drei der vier Eigentümer sömmern eigene Kühe auf der Alp. Betrieben wird sie seit 1958 von Familie Ueli Bach aus dem Turbach. Eine Renovation habe sich nicht gerechnet, man hätte zu viele Kompromisse eingehen müssen, erklärte Ueli Bach am Tag der offenen Tür. Ohne Nachfolger hätte er aber nicht in einen Neubau investiert. Sohn Simon – Landwirt und Agronom – hilft im Teilpensum im Talbetrieb mit und will den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb dereinst übernehmen. «Die jungen Leute brauchen eine Zukunft, eine Perspektive», weiss Vater Ueli Bach.

Kühe, Gusti und Säuli
Zurzeit sömmern 33 Kühe, rund ein Dutzend Gusti – wegen der Mäuseplage etwas weniger als andere Jahre –, ein paar Säuli und eine Katze auf der Alp. Der neue Stall entspricht selbstverständlich den neuen Tierschutzvorschriften. Besorgt wird der Stall von zwei Angestellten. Beatrice Roth und Jutta Roller sind zum ersten Mal auf einer Alp. «Es gefällt uns sehr gut», betonen die beiden. Sie sind aber dankbar über die moderne Einrichtung.

Regula Bach ist – zusammen mit den beiden Angestellten – für die Milchverarbeitung zuständig. Noch letzten Sommer wurden die Milchprodukte auf dem offenen Feuer hergestellt, seit ein paar Wochen in der modernen Käserei. Das Traditionelle aufzugeben, sei mit Wehmut verbunden, gibt Regula Bach zu. «Ich musste mich erst damit auseinandersetzen, es war ein Prozess.» Das Käsen sei zwar nach wie vor Handwerk, aber etwas moderner. «Wir fahren ja auch mit dem E-Bike oder mit dem Auto – der technische Fortschritt macht auch auf der Alp nicht Halt», betont Ueli Bach.

«Wir haben unsere Käserei gemäss denn neusten Hygiene- und Qualitätsanforderungen gebaut. Wenn man neu baut, wäre es irgendwie seltsam, wenn man sich dem technischen Fortschritt verwehrt», ergänzt seine Frau. Fortschritt bedeute aber nicht unbedingt weniger Arbeit. «Man putzt mehr als vorher, man hat mehr Fläche, mehr Gerätschaften, aber es geht einfacher. Man kann alles mit dem Schlauch abspritzen.»

Selbstvermarktung
«Wir vermarkten unsere Produkte selber», erzählt Regula Bach. Aus der anfallenden Milchmenge werden deshalb verschiedene Produkte erzeugt, nicht nur Alpkäse. Ihre Spezialität ist der Weissschimmelkäse. «In der alten Hütte war es aufwendig, die verschiedenen Produkte nebeneinander oder nacheinander unter Einhaltung der Lebensmittelvorschriften herzustellen. Erstens von der Hygiene her und zweitens bezüglich der Wärme, die sie für die Reifung brauchen», erzählt Regula Bach und ergänzt lachend: «Jetzt kann man sich ausbreiten.» Die Arbeitsabläufe sind nicht mehr so kräftezehrend oder rückenschädigend. Das Holz zum Aufheizen des Käsekessis kommt direkt über eine Luke vom Dachstock in den Heizungsraum. Die fertigen Käse werden mittels Lift in den Käsekeller transportiert. Tägliches Salzen und Drehen ist aber immer noch Hand- respektive Knochenarbeit.

Alte Elemente integriert
Von der Küche mit dem grossen Esstisch sieht man durch ein Fenster direkt in die moderne Käserei. Im gleichen Stockwerk gibt es ein Schlafzimmer sowie eine Dusche. Auch für Besuch ist die Alphütte gut eingerichtet: Im oberen Stockwerk hat es mehrere Schlafräume sowie eine Dusche. Diverse Elemente – Lampen, Duschkabine, Lavabo usw. – stammen von Abbruchhäusern aus der Region. Auch von der alten Alphütte wurden ein paar Erinnerungsstücke integriert. Die Betten zum Beispiel sind aus Brettern der alten Hütte gezimmert oder einzelne Betten (das «Gutschi») wurden «aufgemöbelt». Und für Licht über dem Esstisch sorgen in Lampen umfunktionierte Kuhglocken – von Kühen, die für ihre Milchleistung von 100’000 kg ausgezeichnet wurden.

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