Mit Schnapszahlen-Babys ist es Essig

  25.02.2022 Saanenland

Wer nach den zahlreichen Schnapsdaten-Heiratswilligen jetzt denkt, mit Geburten an Schnapszahldaten verhalte es sich ähnlich, irrt sich. Wohl freuen sich Eltern über spezielle Geburtstagsdaten ihrer Sprösslinge, doch «erzwungen» werden diese hierzulande kaum.

KEREM S. MAURER
Nach einem Blick über unsere nördliche Grenze hinaus könnte man in diesem Zusammenhang feststellen, dass die Deutschen – oder zumindest jene in Osnabrück – doch nicht ganz gleich ticken wie wir. So berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ): «Kaiserschnitt am Schnapszahl-Tag: Marienhospital Osnabrück ist ausgebucht» und verzeichnet für das erwähnte Spital eine erhöhte Nachfrage für Wunschkaiserschnitte am 22. Februar dieses Jahres. Ein Trend, der so im Geburtshaus Maternité Alpine in Zweisimmen weder besteht noch gefördert wird. Denn: «Anders als in einem Spital läuft bei uns die Geburt ganz natürlich ab», erklärt eine Hebamme, die selber in einem Spital gearbeitet hat, auf Anfrage. Sie betont, dass im Geburtshaus keine Wunschkaiserschnitte durchgeführt werden. Am letzten Dienstag ist laut Genossenschaftspräsidentin Anne Speiser im Zweisimmner Geburtshaus kein Schnapszahlen-Baby zur Welt gekommen.

Wunschtermine in Basler Privatklinik
In der Basler Privatklinik Bethesda geht man mit Wunschkaiserschnitten offenbar anders um. Die Basler Tageswoche.ch berichtet von einer werdenden Mutter, die, als der errechnete Geburtstermin näher rückte, die Idee fasste, den Tag, an dem ihr Kind das Licht der Welt erblickt, auf ein originelles Datum zu legen. In der Privatklinik sei man dem Wunsch der Mutter entgegengekommen und heute stehe im Pass der Kleinen eine Schnapszahl als Geburtsdatum. Das ist etwas, das sich zum Beispiel Leonhard Schäffer, Chefarzt der KSB (Kantonsspital Baden AG) Geburtsklinik, kaum vorstellen kann. Im entsprechenden kbs-Blog liess er sich wie folgt zitieren: «Ich glaube nicht, dass sich Eltern wegen eines gewünschten Geburtsdatums für einen Kaiserschnitt entscheiden würden. Das ist immerhin ein operativer Eingriff.»

Drei Schnapszahlen-Babys in Thun
Für die Spital Simmental-Thun-Saanenland (STS) AG sind Eltern, die ihre Kinder planmässig an einem Schnapsdatum auf die Welt bringen möchten, ebenfalls unüblich. «Wir haben keine Veränderung im Alltag bemerkt, es war am letzten Dienstag eher ruhig und es gab wenig Geburten», erklärt Ramona Zimmermann, Hebamme und Stv. Fachbereichsleiterin Geburtenabteilung Spital Thun, auf Anfrage. Und da in Thun die Ärzte fixe Operationstage haben, sei es nicht so einfach, spezielle Tage zu wünschen. So sind in Thun am 22. Februar zwar drei Schnapszahlen-Babys geboren worden, jedoch auf natürliche Weise. Das Schnapszahldatum sei in den Kreissälen von Thun bei rund 1200 Geburten im Jahr ein durchschnittlicher Tag gewesen, hält Ramona Zimmermann fest.

Mit Schnapszahlen-Babys ist es Essig
Im Berner Oberland zwischen Gsteig, Saanen, Zweisimmen, Thun, Frutigen und Interlaken scheinen sich werdende Eltern weniger Gedanken um ein schillerndes Geburtsdatum ihrer Nachkommenschaft zu machen. Offenbar gibt es Wichtigeres. Denn dass es Eltern gibt, die grossen Wert darauf legen, ihre Kinder an speziellen Daten zur Welt zu bringen, können auch die Hebammenteams der Spitäler fmi AG in Interlaken und Frutigen auf Anfrage nicht bestätigen. «Wir hatten am 22.2.22 weder im Spital Interlaken noch im Spital Frutigen eine Entbindung». Scheinbar ist es hierzulande mit Schnapszahlen-Babys eher Essig.


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