Aus dem Eis der Einsamkeit in die Gnade der Liebe
23.12.2025 LeserbeiträgeDiese mystische Stille. Eintauchend in die dunkle Nacht, nur unterbrochen von Schritten auf dem knirschend hart gefrorenen Boden und den brechenden Blättern als Überbleibsel der Herbsttage. Seine Schritte, sein Blick; starr geradeaus. Wenn ihm jemand begegnet wäre, hätte er ...
Diese mystische Stille. Eintauchend in die dunkle Nacht, nur unterbrochen von Schritten auf dem knirschend hart gefrorenen Boden und den brechenden Blättern als Überbleibsel der Herbsttage. Seine Schritte, sein Blick; starr geradeaus. Wenn ihm jemand begegnet wäre, hätte er das Tempo beschleunigt und einen grossen Bogen um ihn gemacht. Kein Zucken seiner Wimpern, nur der bei jedem Atemstoss schon fast lieblich scheinende Dampf der Atmung und kleine, fast glitzernd scheinende, im letzten Licht des Tages seine Backen bedeckende Eiskristalle. Eiskristalle seiner, je länger der Weg dauerte, versiegenden Tränen.
Bitterkalt – Minusgrade für den Abend vorausgesagt – seine dünne Jacke, das offene Hemd und Hosen, gemacht für laue Sommernächte. Kälte, die er nicht spürt. Sein Herz über die Jahre seines Lebens immer mehr vom Eis ummantelt. Was ist schon äussere Kälte im Vergleich zu seinem Herzen?
Schritt für Schritt, den Kopf zu Boden gesenkt, das in der Abenddämmerung fein schimmernde Licht der Dörfer im Tal nicht wahrnehmend. Die Hände, klamm vor Kälte. Sein fein gepflegter Bart vom Reif der kalten Luft und seines Atems immer weisser werdend. Schritt für Schritt; allein seit Jahren. Immer mehr in seiner Welt zurückgezogen. Niemandem zur Last fallend. Vergessen in der Masse der Menschen.
Nicht wissend, wohin sein Weg gehen wird, immer schwerer sein Schritt. Schleifend über den Boden, kein fester Tritt, der noch Spuren hinterlassen würde. Und die Last, schwer auf seine Schultern drückend, hat er hinter der letzten Biegung symbolisch und gedanklich im Rucksack seines Lebens abgelegt. Bereit, im Dunkel der Nacht, im Nichts des Lebens zu verschwinden.
Schlurfend, jeder Schritt schwerer und fast nicht fühlbar. Gedanken in der Nacht verlierend. Als wäre er von Engeln getragen, hält Leichtigkeit Einzug.
Ein wärmender Mantel um seine Schultern gelegt, seine von den Tränen gefrorenen Eiskristalle sanft weggewischt und seine Hand unsichtbar, aber doch fest umklammert. Seine Schritte leichter werdend, fast schwebend wie durch Engels Hand. Engel, die den Weg zum sanft in der Ferne schimmernden Licht weisen. Unscheinbar der kleine, flackernde Schein, der feine Geruch von brennendem Holz in der Nase, wohlige Wärme verkündend.
Sein Schritt wird fester, beschleunigt sich. Der unmerkbar beginnend fallende Schnee berührt seine vor Anstrengung geröteten Backen, schmilzt und hinterlässt das wohltuende Gefühl sanft streichelnder Hände in seinem Gesicht. Unsichtbar geführt in das Licht der Zuversicht und Behaglichkeit. Vom kleinen Wirtshaus, mit dem aus dem Kamin emporsteigenden Rauch und auf der Lichtung im Winterwald stehend, ausgehend.
Zögernd, seine Hand klopfend an der alten Holztür. Von innen aufgehend und entgegenströmend Wärme und Güte. Tiefblaue Augen, direkt in seine Seele blickend, strahlen ihn an. Ein Raum voller Menschen, nicht der Temperatur angemessen gekleidet – wie er. Den Weg gefunden oder den Weg geführt.
Ein Abend des Friedens, der Seligkeit, der Güte und unendlicher Liebe. Das Licht und die Kraft des himmlischen Vaters durch dieses Wirtshaus in die Dunkelheit strahlend; Zuflucht für Menschen, suchend im Advent.
Emotional bewegend und berührend, dass auch die kleinste Geste gegenüber unseren Mitmenschen vielleicht gerade dieses Licht, die Wärme und Liebe verkündet, welche wir alle immer wieder brauchen.
Und wo wir alle, jedes an seinem Platz und Ort, unseren Mitmenschen die Hand reichen und sie an den Ort der Wärme, der Liebe und des Erkennens gerade in dieser Adventszeit, dieser heiligen Zeit führen dürfen.
Schöne Weihnachten und Gottes Segen.
Kurt Zobrist-Mösching
