Die Fotografin Zana Briski zeigt in ihrer eindrücklichen Ausstellung «Night Wild» im Hotel Bernerhof, wie sie ohne Kamera mit Bären und Stinktieren arbeitet. Grossformatige, lebensgrosse Fotogramme freilebender Tiere, in ihrem natürlichen Lebensraum ...
Die Fotografin Zana Briski zeigt in ihrer eindrücklichen Ausstellung «Night Wild» im Hotel Bernerhof, wie sie ohne Kamera mit Bären und Stinktieren arbeitet. Grossformatige, lebensgrosse Fotogramme freilebender Tiere, in ihrem natürlichen Lebensraum erstellt.
CLAUDIA HEINE
Die Ausstellung «Night Wild» der preisgekrönten Künstlerin Zana Briski präsentiert eine radikal neue Form der Tierfotografie – ohne Kamera, ohne Digitaltechnik, nur mit lichtempfindlichem Papier, Geduld und einer gehörigen Portion Obsession.
«Ich habe kein anderes Leben als meine Arbeit – und Tiere», erklärt Briski. Die Technik, die sie verwendet, erinnert an William Fox Talbot, einen der Fotografiepioniere: Man legt ein Objekt oder eine Pflanze auf lichtempfindliches Papier, belichtet es und entwickelt das Bild – ein sogenanntes Fotogramm. «Ich habe nie wirklich viel darüber gewusst», gesteht die langjährige Analogfotografin, die nie digital arbeitete.
Der Durchbruch kam durch Zufall. Ein befreundeter Meisterfotograf und Druckgrafiker schlug ihr vor, es mit Fotopapier zu versuchen. «Ich sagte, ich mag Fotogramme nicht wirklich», erinnert sich Briski. Doch dann probierte sie es – und benutzte die Kamera nie wieder.
Fünf Monate bei den Stinktieren
Zurück in New York, verbrachte sie ihren ersten Sommer im Bundesstaat und traf auf eine Gruppe von etwa zehn gestreiften Stinktieren. «Ich habe fünf Monate damit verbracht herauszufinden, wie es funktioniert», erzählt die Künstlerin. Am Anfang legte sie das Papier einfach in die Mitte. «Es funktionierte. Es war nur ein bisschen seltsam und unerwartet.» Dann versuchte sie es vertikal – aber das schnitt die Füsse ab, «und das sah komisch aus». Schliesslich fand sie die perfekte Methode.
Heute legt Briski in mondlosen Nächten grossformatige Silbergelatine-Fotopapiere von bis zu drei Metern Länge aus. Dann sitzt sie allein im Dunkeln – nur wenige Meter entfernt, vollständig sichtbar für die Tiere – und wartet. Die ganze Nacht. Oft Nacht für Nacht. Wenn ein Tier erscheint, macht sie eine kurze Belichtung mit einem kleinen Handblitz – gerade stark genug, dass es unbemerkt bleibt. «Und dann rolle ich das Tier auf. Ich rolle es zusammen. Ich sammle es ein», beschreibt sie den hektischen Moment. Das belichtete Papier wird geglättet, in eine lichtdichte Box gelegt und beschichtet.
Die Begegnung mit dem Bären
Nicht alle Versuche klappen. Auf viele erfolglose Abzüge folgen wenige erfolgreiche. Das sei «part of the game», beschreibt Briski nüchtern. Die gelungenen Fotogramme werden schliesslich auf Platten montiert – einzigartige, nicht reproduzierbare Kunstwerke, auf denen die Tiere «weisse Schatten» hinterlassen, wo das Papier unbelichtet blieb.
Eine besondere Herausforderung war die Arbeit mit Bären. «Er weiss, dass ich hier bin», erklärt Briski. «Alles, was ich wollte, war, dieses Baby zu haben. Aber als ich meinen ersten Bären traf, dachte ich nur: Oh mein Gott, du bist unglaublich! Und ich konnte es nicht glauben.»
Die charismatische und talentierte Künstlerin Zana Briski wurde mit ihrem Oscar-prämierten Dokumentarfilm «Born into Brothels» über Kinder in Kalkuttas Bordellvierteln international bekannt. Mit ihrem fortlaufenden Fotokunstprojekt «Night Wild» zeigt sie eine ebenso intime wie respektvolle Form der Begegnung mit der Wildnis. Die Ausstellung wurde bereits in der Edwynn Houk Gallery und im International Center of Photography in New York gezeigt.