Magic Pass prägt ersten Winter im Saanenland
24.03.2026 WirtschaftDie neue Veranstaltungsreihe «berneroberland.dialog» ist lanciert. Zum Auftakt zeigte BDG-Geschäftsführer Matthias In-Albon auf, wie der Magic Pass die Nachfrage in der Destination Gstaad verändert. Erste Zahlen deuten auf mehr Stabilität und ...
Die neue Veranstaltungsreihe «berneroberland.dialog» ist lanciert. Zum Auftakt zeigte BDG-Geschäftsführer Matthias In-Albon auf, wie der Magic Pass die Nachfrage in der Destination Gstaad verändert. Erste Zahlen deuten auf mehr Stabilität und Wertschöpfung hin.
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Mit «berneroberland.dialog» hat die Volkswirtschaft Berner Oberland ein neues Format geschaffen, das Austausch und Vernetzung fördern soll. Zum Auftakt im Saanenland stand ein Thema im Zentrum, das die Region seit Monaten beschäftigt: der Wechsel der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) zum Magic Pass.
Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik folgten der Einladung vergangenen Donnerstag. Sie hörten aufmerksam zu, als BDG-Geschäftsführer Matthias In-Albon, der auch Vorstandsmitglied der Volkswirtschaft Berner Oberland ist, seine Sicht auf den Strategiewechsel darlegte.
Weg vom Tagesgeschäft
Für In-Albon ist der Magic Pass mehr als ein neues Angebot. Er sprach von einem grundlegenden Wechsel im Geschäftsmodell. Bisher lebten die Bergbahnen stark von einzelnen Spitzentagen. Dazwischen blieben viele Tage schwach ausgelastet, dies bei gleichbleibend hohen Kosten. Mit dem Magic Pass sollte sich das ändern. «Ziel ist eine gleichmässigere Auslastung über die ganze Saison.»
Dabei unterscheide sich der Magic Pass klar vom früheren Top4-Verbund. «Es sind zwei völlig unterschiedliche Modelle», so In-Albon sinngemäss. Während Top4 vor allem auf Vielfahrer ausgerichtet gewesen sei, spreche der Magic Pass ein deutlich breiteres Publikum an. Entscheidend sei die Veränderung des Gästeverhaltens. «Der Magic Pass soll Tagesgäste zu Saisongästen machen und die Nachfrage gleichmässiger über die Saison verteilen.» So entstehe an mehr Tagen zusätzliche Frequenz und damit eine stabilere wirtschaftliche Basis.
Mehr Gäste, breiter verteilt
Die ersten Zahlen der laufenden Saison stützen diese Sicht. Der Median der täglichen Ersteintritte, also der gezählten Gäste pro Skitag, stieg von 3600 auf 4900. Das entspricht einem Plus von rund 35 Prozent. Gleichzeitig verlor die Konzentration auf einzelne Spitzentage an Bedeutung. Statt weniger Tage mit sehr vielen Gästen prägten mehr Tage mit stabiler Auslastung die Saison. Die zehn stärksten Tage machten nur noch 20 Prozent aus, nach zuvor 25 Prozent.
Besonders deutlich zeigt sich dies im Januar. Zwischen dem 6. und 31. Januar wurden an Wochentagen durchschnittlich rund 4700 Ersteintritte pro Tag verzeichnet. Im Vorjahr waren es rund 3300. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 45 Prozent. «Der Magic Pass füllt die früheren Lücken unter der Woche», sagte In-Albon und sprach damit das bekannte Januarloch an. Die Auslastung werde dadurch planbarer.
Stabiler trotz Wetter
Auch über die Feiertage und in den Sportferien zeigt sich laut In-Albon ein stabilisierender Effekt. Trotz teilweise schwieriger Wetterverhältnisse blieb die Nachfrage auf dem Niveau des Vorjahres. «Gäste mit einem Magic Pass gehen auch bei schlechtem Wetter auf die Ski, auch wenn es nur eine Fahrt ist, um gleich danach in die Bergbeiz zu gehen.»
Mehr Umsatz pro Gast
Genau darin sieht In-Albon einen entscheidenden Effekt des Modells. Der Magic-Pass-Gast sei kein «Billiggast», betonte er. Entscheidend sei nicht der Preis des Abos, sondern was die Gäste vor Ort ausgeben. Das zeigt sich besonders in der Gastronomie. Je nach Betrieb stiegen die Umsätze zwischen 25 und 75 Prozent. Insgesamt nahm die durchschnittliche Konsumation pro Gast um rund einen Viertel zu.
Auch bei den Bergbahnen selbst legten die Einnahmen zu. Der Verkehrsertrag von November 2025 bis März 2026 wird auf rund 25 Millionen Franken geschätzt. Das sind etwa fünf Millionen mehr als im Vorjahr. Ohne Magic Pass hätte der Wert laut BDG bei rund 17 bis 18 Millionen Franken in einem vergleichbaren Winter gelegen.
Ein Teil dieser Einnahmen wird bereits vor der Saison gesichert. Der Magic Pass wird im Frühling verkauft, und die beteiligten Destinationen erhalten schon im Frühling eine erste Ausschüttung (siehe AvS vom 13. März 2026). «Dies schafft Planungssicherheit», so In-Albon. Der restliche Ertrag hängt dann davon ab, wie oft die Gäste tatsächlich auf die Piste gehen. Je mehr Ersteintritte, desto höher fällt der Anteil für die Bergbahnen aus.
Bedeutung für Investitionen
Der zusätzliche Cashflow ist für die Bergbahnen zentral. Er soll helfen, künftige Investitionen zu finanzieren. Im Fokus steht das Generationenprojekt im Raum Schönried, Horneggli und Hornberg. Dieses umfasst unter anderem die Erneuerung der zentralen Skianlagen sowie einen neuen Speichersee (wir haben berichtet). Das Projektvolumen liegt inzwischen bei rund 120 Millionen Franken. Ein Teil davon will die BDG selbst tragen, neben öffentlichen Unterstützungsgeldern. Erst mit den zusätzlichen Einnahmen aus dem Magic Pass wird es für die Bergbahnen erstmals realistisch, den geplanten Eigenanteil zu finanzieren bzw. auf die Seite zu stellen, so In-Albon.
Einordnung vor Ort im Dialog
Bereits während des Referats suchte In-Albon den Dialog mit dem Publikum. Er stellte gezielt Fragen und nahm die Rückmeldungen direkt in seine Ausführungen auf. Ein Thema war der Verkehr. Über die Festtage wurden im Umfahrungstunnel von Gstaad rund 15’000 Fahrten gezählt. Philipp Becker von der Gemeinde Saanen erklärte, Analysen hätten keinen direkten Zusammenhang mit dem Magic Pass gezeigt. Haupttreiber seien vielmehr Hotel- und Gastronomiegäste gewesen.
Auch bei den Wartezeiten relativierten lokale Stimmen die Kritik. Saaner Gemeinderat und Schneesportlehrer Philippe Marmet berichtete von maximal zehn bis 15 Minuten an Spitzentagen. «Von Massentourismus kann keine Rede sein», so Marmet.
Tourismusdirektor Flurin Riedi bezeichnete den Entscheid für den Magic Pass als «absoluten Mehrwert» für die Destination. Gleichzeitig betonte er, dass weiterhin an einzelnen Punkten gearbeitet werden müsse. Die steigenden Frequenzen seien jedoch «schöne Probleme», solange die Qualität gehalten werde.
Auch In-Albon zog ein positives Fazit. Die bisherigen Zahlen wertet er als Bestätigung des eingeschlagenen Weges. «Wir wissen aber auch, dass wir noch gewisse Hausaufgaben vor uns haben», sagte er. Der Magic Pass sei Teil einer längerfristigen Entwicklung. Eine abschliessende Beurteilung werde erst in den kommenden Jahren möglich sein.




