Tango meets Jazz im Hüsy Blankenburg
24.03.2026 KulturDrei Jahre nach dem 50. und damit eigentlich letzten Konzert war der Zweisimmen Jazz Club vergangenen Samstagabend wieder im Hüsy zu Gast.
Nachdem Hans-Jürgen und Marianne Glatz-Ueltschi vor rund drei Jahren beschlossen hatten, das 50. sei gleichzeitig das ...
Drei Jahre nach dem 50. und damit eigentlich letzten Konzert war der Zweisimmen Jazz Club vergangenen Samstagabend wieder im Hüsy zu Gast.
Nachdem Hans-Jürgen und Marianne Glatz-Ueltschi vor rund drei Jahren beschlossen hatten, das 50. sei gleichzeitig das letzte Konzert bei ihnen im Hüsy, konnten sie der Anfrage von Zweisimmen Jazz, ihr wunderschönes Galerie-Restaurant für einen Duo-Abend in intimem Rahmen nutzen zu dürfen, nicht widerstehen.
Und der Gästeaufmarsch gab ihnen Recht – das Hüsy war am vergangenen Samstagabend restlos ausverkauft! Nicht nur zum Essen, sondern auch für das Konzert. Es brauchte doch einige Zusatzstühle, damit alle Besucherinnen und Besucher das Konzert in der heimeligen Gaststube im ersten Stock sitzend geniessen konnten.
Zeitreise durch 100 Jahre Tangogeschichte
Unter dem Titel «Tango meets Jazz» hatte der organisierende Zweisimmen Jazz Club Vater und Sohn Daniel und Michael Zismann eingeladen. Die beiden nahmen das gespannt lauschende Publikum mit auf eine Reise durch die gut hundertjährige Geschichte des «Tango Argentino», von den frühen Anfängen in den 1920er-Jahre, mit Werken von Carlos Gardel und anderen, über den Erneuerer des Tangos, Astor Piazzolla, bis in die heutige Zeit mit Kompositionen von Daniel Zisman selber. Zusammengestellt hatten die zwei Künstler einen interessanten Mix aus traditionell-klassischen Werken und neueren Kompositionen aus eher schweren, düsteren Tangos über Walzer bis hin zu leichteren, lüpfigeren und fröhlicheren Milongas. Dabei bewegten sie sich nicht nur innerhalb der Grenzen Argentiniens, sondern machten auch einen Abstecher nach Brasilien mit zwei Kompositionen von Antônio Carlos Jobim, von dem «The Girl From Ipanema» stammt, eines der berühmtesten Jazzstücke Brasiliens.
Argentinische Leidenschaft
Dass die beiden leidenschaftliche Tangomusiker sind, war von den ersten Tönen an zu sehen, spüren und vor allem zu hören. Ihr Spiel ist höchste Virtuosität und Musikalität. Der Violine entlockte Daniel Zisman immer wieder ungewohnte, kratzende Töne, wenn er über die Saiten vor dem Steg strich – ein typisches Element des «Tango Argentino». Michael Zisman beeindruckte mit unglaublicher Fingerfertigkeit am Bandoneon. Mit seinem Instrument bot er auch eine markante Bühnenpräsenz, wenn er es derart in die Länge zog und sich der Blasebalg derart dehnte, dass man zeitweise das Gefühl bekam, seine Arme würden dafür nicht lang genug sein.
Waren es in den älteren Kompositionen von Carlos Gardel oder Osvaldo Pugliese die klassischen und traditionellen, typisch stampfenden Rhythmen und Melodien, waren die teils dissonanten Töne in den Werke von Astor Piazzolla für die einen oder anderen doch eher etwas ungewohnt.
In der Region verwurzelt
Michael Zisman führte charmant durch die zwei Sets des Abends und vermittelte dabei viel Wissenswertes über die Geschichte des «Tango Argentino». In seiner Ankündigung zu «Nostalgias» verriet er auch, wie verwurzelt seine Familie in der Region ist. Wohnte sein Vater Daniel doch einst in Schönried, als er – kaum aus Argentinien in die Schweiz gekommen – an der International Menuhin Music Academy (IMMA) studierte. Und in der Schweiz blieb, da er später seine Frau und Mutter von Michael kennenlernte.
Mit ihm zusammen bot er am Samstagabend Tango in Reinkultur – mal «Tango Tradicional», mal «Tango Nuevo».
Im Schlussstück «Escualo» schwamm noch ein Haifisch, komponiert von Astor Piazzolla, über die Bühne. Mit «La Cumparsita» von Carlos Gardel als Zugabe bedankten sich Michael und Daniel Zisman für den lang anhaltenden Applaus beim Publikum und schlossen mit diesem absoluten Klassiker des Tangos einen begeisternden Abend im Hüsy Blankenburg ab.
KILIAN GOBELI

