Hinter «Soldat Vögeli» arbeitet ein grosses Team
10.04.2026 KulturKultur: Wenn im August das Freilichttheater «Soldat Vögeli» in Saanenmöser aufgeführt wird, sind viele helfende Hände im Einsatz. Ein Blick ins Organisationskomitee zeigt, wie viele Aufgaben rund um das Theaterprojekt ineinandergreifen.
...Kultur: Wenn im August das Freilichttheater «Soldat Vögeli» in Saanenmöser aufgeführt wird, sind viele helfende Hände im Einsatz. Ein Blick ins Organisationskomitee zeigt, wie viele Aufgaben rund um das Theaterprojekt ineinandergreifen.
Jonathan Schopfer
Die Vorbereitungen für «Soldat Vögeli» laufen auf Hochtouren. Das Bühnenstück von Franz Bühler spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und wird nun als Freilichttheater umgesetzt. Während die Schauspieler:innen den Text auswendig lernen und daran feilen, wird andernorts am Bühnenbild gebaut, Kostüme werden anprobiert und angepasst und an der Planung wird gearbeitet. Rund 100 Personen sind laut OK am diesjährigen Freilichttheater beteiligt. Grund genug, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Kunst fürs Auge und die Ohren
Für die künstlerische Beratung wurde Sarah Iseli beigezogen. Die ausgebildete Schauspielerin bringe den Blick von aussen ein, heisst es im OK. Dieser «oeil extérieur» helfe, die Produktion kritisch und konstruktiv weiterzuentwickeln. Ruth Domke, welche die Regie führt, sagt dazu: «Wir haben uns gedacht, wir wollen als Theaterverein nicht stehen bleiben, deshalb haben wir Sarah Iseli beigezogen.»
Auch musikalisch erhält die Inszenierung eine eigene Handschrift. Reto Stadelmann ist Profimusiker und Komponist. Er arbeitet mit Eigenkompositionen und setzt die Musik gezielt ein, um das Stück zu begleiten.
Das Stück wird angepasst
Ruth Domke verantwortet Regie und Textbearbeitung. Für die Freilichtaufführung hat sie das ursprüngliche Bühnenstück überarbeitet, an die gegebenen Umstände angepasst und arrangiert. Auch sprachlich wurde der Text angepasst. Domke spricht von einer «verständlichen, angepassten Dialektübertragung», die auf das Publikum zugeschnitten sei. Die Sprache solle zur Region passen und zugleich auch für auswärtige Besucherinnen und Besucher verständlich bleiben.
Bühnenbild mit dem, was da ist
Beim Bühnenbild setzt Oliver Domke bewusst auf das Vorhandene. «Man möchte mit dem Gegebenen arbeiten», heisst es aus dem Team. Bestehende Gebäude vom Lätzgüetli werden in die Inszenierung einbezogen und gezielt ergänzt.
So wird etwa das ehemalige Liftgebäude zum Pfarrhaus umgestaltet, andere Bereiche angepasst und neu inszeniert. Auch ein zusätzlicher Schopfeingang gehört zum Konzept. Zudem wird Material vom letzten Mal wiederverwendet.
Viel Infrastruktur rund um das Theater
Zu einem Freilichttheater gehört weit mehr als die Bühne. Bauchef Martin Ryter ist für «die Infrastruktur rund um das ganze Theater» zuständig. Dazu gehören unter anderem Tribüne, Zelte, Rampen und weitere bauliche Anpassungen.
Eng damit verbunden ist der Bereich Sicherheit und Transporte, für den Ruedi Hefti verantwortlich ist. Er steht selbst auch als Schauspieler auf der Bühne und kümmert sich zugleich um praktische und sicherheitsrelevante Fragen. Dazu zählen unter anderem Feuerlöscher, Tribüne, Sicherheitskonzept, Stromableitung und Toiletten.
Verkehr, Website und Werbung
Auch die Besucherlenkung gehört zur Vorbereitung. Martha Reichenbach, früher selbst im Vorstand, kümmert sich um Verkehr und Parkplatzorganisation. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit den Verkehrskadetten.
Matthias Moser hält die Website aktuell und aktualisiert laufend die Informationen zur Durchführung. Gleichzeitig ist er für Werbung zuständig, etwa für Flyer und Plakate.
Zahlen und Tickets
Für Finanzen und Ticketing ist Salome von Siebenthal zuständig. Im OK heisst es schmunzelnd, ihre «Augen leuchten, wenn Zahlen entstehen». Gemeinsam mit dem Vorstand erstellt sie das Budget und überwacht es laufend. Geplant sind zwölf Vorstellungen. Gerechnet wird mit rund 80 Prozent Auslastung. Auch das Ticketing gehört zu ihrem Bereich, etwa die Gestaltung der Tickets und die Einbindung der Sponsoren. Partner ist Ticketpark.
Protokolle, Broschüren, Instagram und administrative Arbeiten laufen bei Alena Gasser zusammen. Sie schreibt Protokolle, gestaltet die Broschüre und betreut den Instagram-Auftritt. Im Team wird ihr ein gutes Auge für Gestaltung zugeschrieben.
Profis in der Küche
Für den Gastrobereich ist Marcel Burri zuständig. Er «brennt für Küche und Gastro», sagt das OK. Das Angebot soll thematisch zum Stück passen, teilweise werde «in der Gamelle» serviert.
Unterstützt wird Burri unter anderem von Peter Wyss und Heinz Oehrli. Pro Abend rechnet das OK im Gastrobereich mit acht bis zehn Personen im Einsatz.
Rund 50 Kostüme für etwa 20 Personen
Auch Kostüme, Requisiten und Deko verlangen viel Arbeit. Iris Gasser kümmert sich darum, dass alles zusammenpasst. Sie habe ein feines Gespür dafür, was zu welcher Zeitepoche gehöre, und kenne sich in historischen Details bestens aus. Auf der Bühne stehen rund 20 Personen, darunter zwölf Schauspielerinnen und Schauspieler sowie weitere Statistinnen und Statisten. Insgesamt ist von rund 50 Kostümen die Rede. Vieles werde aus Estrichen, Kellern und dem Theaterfundus zusammengesucht, angepasst oder ergänzt.
Wie viele Aufgaben im Hintergrund zusammenkommen, zeigt sich im gesamten Projekt. Oder, wie es Jürg Domke zusammenfasst: «Nur weil viele verschiedene Leute Verantwortung übernehmen, lässt sich ein Projekt dieser Grössenordnung überhaupt realisieren.»


«Wir hätten halt von Cervelats gelebt»
Jürg Domke ist Präsident des Freilichttheatervereins Saanenland. Im OK ist er unter anderem für Sponsoring, Medien und Koordination zuständig. Im Interview spricht er über die Sponsorensuche und darüber, weshalb das Risiko heute kleiner ist.
JONATHAN SCHOPFER
Jürg Domke, wie hoch ist das Budget?
Das Budget beläuft sich auf rund 250’000 Franken. Einen grossen Posten bilden dabei die gedeckte Tribüne und die Tontechnik, die zusammen rund 100’000 Franken kosten.
Im Stück kommen auch alte Fahrzeuge vor. Sind diese auch im Budget enthalten?
Nein, das ist eine kleine Spinnerei von mir. Ich habe diese Fahrzeuge selber gekauft und parat gemacht, zum Teil aber auch von Bekannten ausgeliehen. Das ist der Vorteil am Freilichttheater: Bei einem Bühnenstück wird so etwas vielleicht nur erwähnt, wir können es jedoch wirklich nachspielen.
Gehen Sie bei der Produktion auch ein Risiko ein?
Bei den ersten beiden Theaterprojekten sind wir schon ein gewisses Risiko eingegangen, da wir Eigenmittel verwendeten. Ruth und ich haben damals zueinander gesagt, dass wir halt zwei Jahre von Cervelats leben würden, wenn es nicht klappt. Glücklicherweise ist es nicht so gekommen, und der Verein hat sich erfolgreich entwickelt.
Läuft die Suche nach Sponsoren jedes Jahr gleich gut?
Dieses Jahr stossen wir auf überaus offene Ohren im Sponsoring. In unserem Dossier können sich die Interessierten informieren, in welchem Umfang sie sich in diesem Projekt engagieren möchten. Heute müssen wir nicht mehr erklären, dass wir ein Freilichttheater planen. Früher klang es für manche noch etwas speziell, dass wir so etwas im Saanenland umsetzen.
Wie wichtig sind die Ticketverkäufe für das Budget?
Sehr wichtig. Wir rechnen pro Veranstaltung mit einer Auslastung von rund 80 Prozent.















