Silvan Haldi: mit Ski und Käse auf die Bildschirme Amerikas
21.08.2026 GesellschaftEin Cowboyhut, ein Stück Käse und ein Skitag mit Tracee Ellis Ross brachten Silvan Haldi ins amerikanische Fernsehen. Der Skilehrer erzählt dem «Anzeiger von Saanen» auf der Arnenalp, in seinem Sommerbetrieb, was hinter den Bildern aus Gstaad steckt.
...Ein Cowboyhut, ein Stück Käse und ein Skitag mit Tracee Ellis Ross brachten Silvan Haldi ins amerikanische Fernsehen. Der Skilehrer erzählt dem «Anzeiger von Saanen» auf der Arnenalp, in seinem Sommerbetrieb, was hinter den Bildern aus Gstaad steckt.
MAXIME VÖGELE
«Eigentlich bist du ein ‹Bärgbuur›, ein bisschen Skilehrer – und auf einmal kommst du in einer Late-Night-Show.» Silvan Haldi lacht, wenn er daran denkt, dass er plötzlich im amerikanischen Fernsehen zu sehen war. Im Studio sass er allerdings nicht selbst: Tracee Ellis Ross war dort zu Gast, um über ihre Reiseserie «Solo Traveling with Tracee Ellis Ross» zu sprechen. Dabei wurden Aufnahmen ihres Skitags mit Haldi in Gstaad gezeigt.
In der Gstaad-Folge fährt Ross Ski, geht shoppen und ist mit Schlittenhunden unterwegs. Zum roten Faden wird jedoch ihre Begeisterung für Schweizer Käse. Passenderweise ist ihr Skilehrer nicht nur auf der Piste zu Hause: Haldi ist auch Landwirt und stellt eigenen Käse her. Als er in der Gondel ein Stück davon aus seiner Jacke zieht, erobert er das kulinarische Herz von Tracee Ellis Ross.
Cowboyhut als Trumpf
Dass Haldi als Landwirt, Käsehersteller und Präsident der Skischule Snowsports Saanenland wie die Faust aufs Auge zur Gstaad-Folge passte, war auch ein Stück weit Zufall. Snowsports Saanenland erhielt von Schweiz Tourismus die Anfrage, für einen Drehtag mit Tracee Ellis Ross einen Skilehrer zu stellen. Ein grosses Casting gab es nicht: Drei Skilehrer schickten lediglich einige Selfies ein. Auf einem seiner Bilder trug Haldi einen Cowboyhut. «Vielleicht hatte ich deshalb einen Vorteil», sagt er scherzhaft.
Ein (fast) normaler Skitag
Ob Promi oder nicht: Für Silvan Haldi spielt es keine Rolle, wen er auf der Piste begleitet: «Es war ein ganz normaler Arbeitstag als Skilehrer – ausser, dass eine Linse da war.» Bevor es losgehen konnte, war allerdings mehr Vorbereitung nötig als gewöhnlich. Haldi wurde in der Skiausrüstung mit Kabeln und Mikrofonen ausgestattet: «Im Helm war es ein ‹hölle Gstungg›, dass mir fast übel wurde.» Diese «Verkablerei» sei er nicht gewohnt.
Rund zwei Stunden vergingen, bis die ersten Aufnahmen auf der Piste am Eggli entstanden. Obwohl vieles spontan beim Dreh gewirkt habe, sei die Produktionscrew eingespielt gewesen. «Jeder wusste, was er machen musste – ausser ich», sagt Haldi und lacht. Seine einzige Anweisung habe gelautet, sich so zu geben, wie er sei.
Ganz nach Plan verlief der Drehtag dennoch nicht. Für eine Aufnahme im Sessellift sollte das Kamerateam einen Sessel hinter Silvan Haldi und Tracee Ellis Ross fahren und die beiden von dort filmen. Die Crew setzte sich jedoch versehentlich auf den Sessel, der für die Schauspielerin und ihren Skilehrer bestimmt war. Tracee Ellis Ross fand noch Platz, Haldi nicht: Er landete auf dem Boden und der Lift musste angehalten werden. «Am Ende haben alle über die Panne gelacht», erzählt er. In der fertigen Folge ist die Szene nicht zu sehen.
Vom Skilehrer zum Bodyguard
Die Kameras sorgten auf den Pisten am Eggli für Aufsehen. Bereits nach den ersten Kurven näherten sich Tracee Ellis Ross die ersten Skigäste mit Selfie-Sticks. Sie riefen «Tracee, wir lieben dich» und baten um Fotos und Autogramme. «Selbst konnten sie kaum Ski fahren, aber sie sind ihr im Stemmbogen gefolgt, um ein Selfie zu bekommen», erzählt Silvan Haldi.
Er hatte den Eindruck, dass sich Ross zunehmend an der Situation störte. Das könne er gut verstehen: «Die Leute möchten schliesslich auch ihre Freizeit geniessen.» Der Skilehrer versuchte deshalb, die Schaulustigen auf Abstand zu halten. Zu Tracee Ellis Ross sagte er scherzhaft: «Ich werde ein wenig für dich sorgen, ich bin schliesslich ‹fine bitz Maa›.» Sie entgegnete: «Ja, du bist jetzt mein Bodyguard.»
Ein Stück Käse bleibt in Erinnerung
Das Stück Käse aus Silvan Haldis Jacke bleibt Tracee Ellis Ross in Erinnerung. In der «Late Night with Seth Meyers» erzählt sie begeistert von ihrem Skilehrer: «Im Sommer hat er eine ‹Käsefarm›. Er macht seinen eigenen Käse – fantastisch, oder?» Meyers fällt auf, wie genau Silvan Haldi einem vertrauten Bild der Schweiz entspricht. «Um es direkt zu sagen: Silvan ist ein Schweizer Skifahrer, der seinen eigenen Käse herstellt», fasst er die beinahe bilderbuchhafte Geschichte zusammen. Ross nimmt die Zuspitzung mit Humor: Solche Vorstellungen über die Schweiz kämen nicht von ungefähr.
Wie sehr die Begegnung bei Ross nachgewirkt hatte, bemerkte Haldi erst später, als sie ihn in einer Instagram-Story verlinkte, in der sie über den «hot man cheese» erzählte. Während des Drehs habe sie sich sehr professionell verhalten. «An diesem Tag hat man nie gemerkt, dass sie mich irgendwie lustig oder cool fand», sagt der Skilehrer. Über ihre Reaktion musste er deshalb lachen. Dass Ross Käse in der Folge zu ihrer neuen «Sprache der Liebe» erklärte, freut ihn: «Es ist doch gut, wenn sie Käse mag – vor allem Berner Alpkäse.»
Premiere nach Mitternacht
Nach dem Dreh hatte Silvan Haldi zunächst keinen weiteren Kontakt mit der Produktion. Was dabei rauskam, sah er erstmals in einem Ausschnitt aus der «Late Night with Seth Meyers». Den Link zur vollständigen Folge erhielt er erst auf Nachfrage – anderthalb Wochen nach der Veröffentlichung.
Am Abend, an dem er den Link erhielt, hatte der Landwirt den Lehrabschluss seines Lehrlings gefeiert. Als er nach Mitternacht ins Bett gehen wollte, war seine Neugier jedoch zu gross: Er konnte nicht bis zum nächsten Tag warten und schaute sich die Folge noch in derselben Nacht an. Mit dem Ergebnis sei er zufrieden: «Sie haben es wirklich gut gemacht. Es ist überhaupt nicht verfälscht.»
Tourismus als Balanceakt
Die Folge zeigt einem internationalen Publikum ein ausgewähltes Bild von Gstaad: Käse, Schnee, Berge und Luxus. Dass solche Aufnahmen gute Werbung für die Ferienregion sind, bewertet Silvan Haldi grundsätzlich positiv. Er betrachtet den Tourismus vor allem aus wirtschaftlicher Sicht: «Ich sehe es vom finanziellen Aspekt: Es bringt Jobs.» Haldi selbst verdient als Skilehrer schliesslich einen Teil des Einkommens, für sich und seine junge Familie.
Gleichzeitig sieht er die Entwicklung der Region nicht unkritisch. «Man muss aufpassen, dass man nicht die eigene Region verkauft», sagt er. Dabei denkt er vor allem an Chalets und Bauernhäuser, die für mehrere Millionen den Besitzer wechseln und danach teilweise nur wenige Wochen im Jahr bewohnt werden. Je mehr Eigentum aus einheimischen Händen gegeben werde, desto geringer werde langfristig der Einfluss der lokalen Bevölkerung, befürchtet er.
«Ich werde der Gleiche bleiben»
Da die Serie in der Schweiz nicht regulär gestreamt werden kann, haben nur wenige Personen aus Silvan Haldis Umfeld die Folge gesehen. Ob ihn in der kommenden Wintersaison Gäste aus den USA erkennen, werde sich nächste Saison zeigen. «Ich habe zu meiner Frau Jenny gesagt: Vielleicht gibt es nächste Saison jemanden, der mit dem ‹Hot Man Cheese› Ski fahren will», sagt Silvan lachend.
Was mit einigen Selfies und einem Cowboyhut begann, führte ihn unverhofft ins amerikanische Fernsehen. An seinem Alltag auf dem Hof und auf der Skipiste habe sich dadurch bisher wenig geändert. Ob die Geschichte sein Leben längerfristig beeinflussen wird? «Wahrscheinlich nicht. Ich werde der Gleiche bleiben, der ich bin.»
ZUR SERIE
In der Reiseserie «Solo Traveling with Tracee Ellis Ross» nimmt die US-amerikanische Schauspielerin – Tochter der Sängerin und Schauspielerin Diana Ross – das Publikum mit auf Reisen rund um die Welt. In Gstaad kehrt sie an einen Ort zurück, den sie aus ihrer Kindheit kennt: Vor rund 40 Jahren besuchte sie das Institut Le Rosey und verbrachte ein Wintersemester im Saanenland.
In der Folge entdeckt Ellis Ross die Ferienregion als Erwachsene neu und probiert verschiedene Winteraktivitäten aus. Dabei fährt sie unter anderem Ski mit Schneesportlehrer Silvan Haldi. Die Dreharbeiten fanden während rund einer Woche im Januar statt. Beteiligt waren ein Team von 15 bis 20 Personen sowie verschiedene lokale Partner. Die Episode entstand in Zusammenarbeit von Gstaad Saanenland Tourismus (GST) und Schweiz Tourismus USA. Nach Angaben von Ariane Ludwig von GST sind die USA nach der Schweiz der zweitwichtigste Herkunftsmarkt der Ferienregion.
Die Folge wurde auf der US-amerikanischen Streamingplattform Roku veröffentlicht und richtet sich vor allem an ein amerikanisches Publikum. Ausschnitte daraus wurden zudem in der «Late Night with Seth Meyers» gezeigt.
MAV






