Erfolgreiche Bergführer an den IVBV-Skimeisterschaften in Grindelwald

  12.05.2023 Sport

20 Mitglieder des Bergführervereins Gstaad-Lenk reisten Ende April an die Skimeisterschaften der Internationalen Bergführerverbände IVBV auf den Eigergletscher in Grindelwald.

Die IVBV-Skimeisterschaften finden im Normalfall jedes Jahr in einer anderen Tourismusregion der Alpen statt. 2020 und 2021 wurde coronabedingt alles abgesagt und letztes Jahr haben wir in Verbier einen (organisatorischen) Tiefpunkt dieses traditionellen Anlasses erlebt. Nur zwei Beispiele von vielen dazu: Organisiert, und in der Vorbereitung daran gearbeitet hat nur ein Bergführer dieses grossen und sonst so populären Vorzeigevereins «Les Guides de Verbier». Und da sich auch die Zeitmessung nicht von der unprofessionellen Organisation abheben konnte, kontaktierte ein überforderter Helfer mit kalten, zitterigen Händen bei jeder Zieldurchfahrt möglichst genau zwei Kupferdrähte zusammen – die jeweils kurz leuchtenden Funken konnten ihm die Hände auch nicht erwärmen … Soviel zum letztjährigen IVBV-Anlass in Verbier.

Ganz anders dieses Jahr Ende April in Grindelwald. Alles hat super funktioniert, die Grindelwaldner und Lauterbrunner Bergführer, unter der Leitung von Gesamtkoordinator Marc Ziegler und Vereinspräsident Hansruedi Gertsch, haben einen Topanlass auf die Beine gestellt und der Bergführergemeinschaft aus aller Welt ein unvergessliches Erlebnis unter Gleichgesinnten beschert!

Mit 20 Teilnehmer:innen waren wir von Gstaad-Lenk die grösste aller Delegationen in Grindelwald. Der traditionelle Skiwettkampf besteht aus zwei Disziplinen: einem Riesentorlauf und anschliessend einem Aufstiegsrennen im Handicapmodus, analog der nordischen Kombination im Weltcup. Das heisst, wenn einer im kurzen Riesentorlauf (über 60-Jährige und Damen/ Gäste) 1 Sekunde auf den Sieger verliert, darf er/sie beim Aufstiegsrennen, welches dieses Jahr nur ca. 350 Höhenmeter beträgt, ca. 22 Sekunden später starten, und wer als Erster die Ziellinie überschreitet, ist Sieger. Im Langen Riesentorlauf (unter 60-Jährige und Telemark) beträgt das Handicap für eine verlorene Sekunde 30 Sekunden Rückstand für den Aufstieg.

Im Riesentorlauf eroberte unser Verein sechs Podestplätze. Gestartet wurde in 10-Jahres-Kategorien. Besonders aufsehenerregend war der dritte Rang des 85-jährigen Lenkers Werner Imdorf bei den 80- bis 90-jährigen Teilnehmern. Werner erhielt im November 2022 nach längerer Leidenszeit eine Knieprothese und fährt schon wieder aufs Podest – Bravo für diese Leistung!

Ebenfalls zu erwähnen sind die Kategoriensieger Bernhard Raaflaub in der jüngsten Kategorie – ihm fehlten nur sieben Hundertstelsekunden zum Tagessieg, dieser ging an Roland Salner aus Ischgl (Sektion West-Tirol). Bei der Zieldurchfahrt unseres Ehrenmitglieds Armin Oehrli sagte der aufmerksame Speaker, dass die nächstjährigen Organisatoren dieses Rennens ein Handschuhtrageobligatorium einführen werden – diese neue Regel könnte Armin in ein gröberes Dilemma führen …

Ruth Oehrli siegte in der mittleren Damen-/Gäste-Kategorie und Silvia Grundisch gewann in der älteren (sorry, Silvia!) Damen-/Gäste-Kategorie. Somit dürfen Ruth mit Sicherheit den Titel der schnellsten Gemeindepräsidentin und Silvia denjenigen der schnellsten Ü60-Lehrerin in Westeuropa tragen!

In der Kategorie Telemark fuhr Bruno Brand auf den ausgezeichneten zweiten Rang – der Sieger hier heisst Fredi Abegglen. Bruno fährt wohl diese anstrengende Kategorie – im Schwungansatz ist das Innenknie immer gebeugt und fast am Boden –, damit er sich nach der langen Skitourensaison wieder an seine Position beim Fliesenlegen gewöhnen kann. Wieso? Weil er bei dieser Arbeit mit beiden Knien am Boden ist …

In der Mannschaftswertung konnten wir hinter den Sektionen Wildspitze und Grindelwald den dritten Rang herausfahren. Um 13 Uhr startete das Aufstiegsrennen. Dieses war heuer mit nur 350 Höhenmeter kurz, dafür aber intensiv. Gestartet wurde im wie bereits oben erwähnten Modus. Jaqueline lief in der Damenkategorie mit der Zeit von 24:34 Minuten buchstäblich allen davon und siegte mit grossem Vorsprung. Bruno lief mit einer Zeit von 23:47 Minuten ins Ziel und war damit Achtschnellster bei den Herren. Zehn Teilnehmer unserer Sektion nahmen am Aufstiegsrennen teil. Total erreichten wir von Gstaad-Lenk zwölf Podestplätze, wovon fünf Kategoriensiege.

Der in Urnäsch, Appenzell, wohnhafte Bergführer Hampi Schoop ist im IVBV neben den Finanzen auch verantwortlich für die Ski- und Kletteranlässe. In dieser Funktion überbrachte er dem OK-Präsidenten der IVBV-Skimeisterschaften, Marc Ziegler, eine 3-Liter-Flasche Appenzeller «Chrüterschnaps». Es gibt Gerüchte, dass diese Flasche im Verlaufe der frühen Morgenstunden leer war und der eine oder die andere am Sonntag bei der Heimfahrt an der meines Wissens heilbaren Krankheit «Mal aux cheveux» gelitten hat …

Die IVBV-Klettermeisterschaften werden dieses Jahr im Herbst von den Dolomiten-Bergführern in Cortina d’Ampezzo durchgeführt – auch auf diesen jährlichen Event freuen wir uns!

BERGFÜHRERVEREIN GSTAAD-LENK/UELI HAUSWIRTH


2024 IM SAANENLAND

Nach 1994, damals mit 520 Teilnehmer:innen am Rennen, werden wir im nächsten Jahr (vom 26. bis 28. April 2024) nach genau 30 Jahren die IVBV-Skimeisterschaften wieder hier im Saanenland – auf dem Glacier 3000 – organisieren. Es werden sicher nicht wieder 520 Teilnehmer sein. Wir hoffen, dass ca. 200 Bergführer, plus ca. 100 Begleitpersonen zu uns kommen werden. Wir werden auf viele freiwillige Helfer und Sponsoren angewiesen sein und erlauben uns, zu gegebener Zeit um geforderte Manpower und finanzielle Unterstützung anzufragen.
Es leben die Skimeisterschaften der Internationalen Bergführer-Vereinigung 2024 in Gstaad-Lenk!

BERGFÜHRERVEREIN GSTAAD-LENK/UELI HAUSWIRTH


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