«Gut Schuss» auf die nächsten 75 Jahre

  10.08.2023 Sport

Zum 75-Jahre-Jubiläum der Sportschützen Lauenen konnte das OK 116 Schützinnen und Schützen begrüssen. Der Anlass stand ganz im Zeichen der Kameradschaft, die in diesem kleinen Verein seit 1948 grossgeschrieben wird.

KEREM S. MAURER
Immer wieder zerrissen am vergangenen Wochenende peitschende Knallgeräusche die idyllisch-ländliche Umgebung rund um den Kleinkaliber-Schiessstand der Sportschützen Lauenen am Blatterliweg. In dem mit Liebe und in Fronarbeit umgebauten Schiessstand lagen lizenzierte Schützen neben Chaletgästen, Einheimischen und Touristen – die es sich nicht nehmen lassen wollten, selbst einmal ein Kleinkalibergewehr in die Hände zu nehmen – und zielten konzentriert auf eine kleine schwarze Scheibe in 50 Metern Entfernung. «Wenn du durch das Korn schaust, muss der schwarze Punkt genau in der Mitte liegen, dann ganz langsam den Finger am Abzug krümmen und nicht erschrecken, wenn es knallt!», werden die Plauschschützen unterstützt. Mit viel Geduld und spürbarer Passion für das Schiessen instruierten die Vereinsmitglieder alle, die noch nie geschossen hatten und scherzten mit jenen, die genau wussten, was sie hier tun. Die Stimmung war familiär und freundschaftlich. «Unter Schützen ist man per du», erklärt Urs Oehrli, der den Verein der Sportschützen Lauenen seit 2022 präsidiert und schon seit 15 Jahren aktiver Schütze ist.

Kameradschaft zwischen Alt und Jung
Der Verein Sportschützen Lauenen wurde im Jahr 1948 gegründet und zählt mittlerweile stolze 75 Jahre. Genauso viele Lenze zählt auch Max Reichenbach, das älteste Aktivmitglied. Er ist nicht nur der Älteste im Verein und Ehrenpräsident, sondern so etwas wie eine Legende: Der Mann war im Jahr 1995 mit dabei, als der Verein sein bisher bestes Mannschaftsresultat erzielte. Damals holten die Sportschützen Lauenen den Schweizermeistertitel im Sektionswettschiessen der höchsten Leistungsklasse. Max Reichenbach erzielte das Punktemaximum von 200 Punkten mit 20 Schuss. Die jüngsten Mitglieder (ohne Lizenz) sind die 62 Jahre jüngeren Sina von Siebenthal und Nicolas Oehrli mit Jahrgang 2010. «Ein Verein wie unserer kann nur durch die Kameradschaft zwischen Jung und Alt bestehen. Diese wird bei den Sportschützen seit jeher grossgeschrieben», erklärt Urs Oehrli.

Festakt im traditionellen Rahmen
Nach dem alle 116 Schützinnen und Schützen ihre Festprogramme absolviert hatten, ging am Samstagabend der eigentliche Festakt zum 75-Jahr-Jubiläum, der mit volkstümlicher Musik des Handorgelduos Brand und Perreten umrahmt wurde, über die Bühne. «Das ist Tradition und Schiessen hat auch etwas mit Tradition zu tun», erklärt Oehrli. Ehrenpräsident Max Reichenbach verlas die Vereinschronik, dann gabs die Rangverkündigung (siehe Kasten). «Wir sind sehr zufrieden mit unserer Jubiläumsfeier. Zwischenfälle hat es Gott sei dank keine gegeben, auch der Auf- und Abbau hat reibungslos geklappt», bilanzierte Urs Oehrli am Ende der Jubiläumsfeier.


«Ich bin zuversichtlich, dass unsere Schützenvereine Bestand haben werden»

INTERVIEW: KEREM S. MAURER

Ist der Schiesssport nach wie vor eine Männerdomäne oder gibt es auch Frauen, die bei den Sportschützen Lauenen mitmachen?
Schiessen ist immer noch eher männerlastig, aber dies ändert sich zum Glück gerade. Als ich vor 15 Jahren dazugekommen bin, war nur eine Frau dabei. Heute sind es bereits zwei. Und neu sind auch zwei junge Biathletinnen, Sina von Siebenthal und Lara Marti, dem Verein beigetreten. Die Durchmischung ist viel besser als früher.

Wie viele Mitglieder zählt Ihr Verein und habt Ihr auch Nachwuchssorgen?
Aktuell zählt unser Verein zehn lizenzierte Schützen plus die bereits erwähnten Biathletinnen. Dann haben wir noch zwei, die ausser Konkurrenz ein Jahresprogramm mitmachen, um für sich herauszufinden, ob der Schiesssport etwas für sie ist. Bei den 300-Meter-Feldschützen bin ich Jungschützenleiter. Auch dort haben wir das Glück, dass wir junge Mitglieder gewonnen haben. Es gibt viele Schützenvereine, die immer weniger Mitglieder haben und irgendwann eingehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass unsere Schützenvereine hier noch einige Jahre Bestand haben werden.

Was bedeutet es, «lizenziert» zu sein und wie viel kostet es, wenn man bei den Sportschützen Lauenen mitmachen will?
Wer eine Schützenlizenz hat, ist berechtigt, an den Wettkämpfen teilzunehmen. Eine Lizenz kann in den drei Kategorien 50-Meter, 300-Meter und 25/50-Meter-Pistole gelöst werden und kostet 30 Franken. Aber es macht nur Sinn, die Kategorien anzugeben, in welchen man auch aktiv schiessen möchte. Bei uns kostet eine Mitgliedschaft 100 Franken im Jahr, die Gebühren für die Lizenz sind darin enthalten, sprich, die bezahlt der Verein.

Warum ist es wichtig, nur jene Lizenzen zu lösen, in denen man auch schiessen will?
Mir würde es nichts bringen, Pistolenschiessen anzukreuzen, weil ich nicht aktiv Pistole schiesse. Die Sache ist die: Wenn man für eine Kategorie lizenziert ist, verpflichtet man sich für den Verein, dem man angehört, gewisse Programme im Jahr zu schiessen. Macht man das nicht, gibt es Abzüge und das Vereinsresultat verschlechtert sich. Wenn von unseren zehn Schützen jeweils nur sechs schiessen würden, wären wir nicht mehr konkurrenzfähig.

Wie alt muss man denn sein, um bei den Sportschützen Lauenen mitmachen zu können?
Im Alter von zehn Jahren darf man bei uns mitschiessen und auch an Juniorenschiessen teilnehmen. Eine Lizenz wird oft erst mit 14 Jahren erworben. Jünger ist es nicht sinnvoll, es geht ja auch um den Sicherheitsaspekt. Man muss schon in der Lage sein, ein Gewehr richtig halten und auch zielen zu können.


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