Bereit fürs Festival

  25.08.2023 Kultur

So sah es in den Proben der Kinder und der Jugendlichen aus, die mehrere Wochen im Spiegelsaal in der Turnhalle Ebnit und im Schulhaus Schönried das Programm für das Kinder- und Familienkonzert des diesjährigen Gstaad Menuhin Festivals einstudierten. Mit dem Klimatag haben sie das Thema «Dance on Ice» verinnerlicht und erwarten für ihren Einsatz am Samstag ein hoffentlich grosses Publikum. 


Kinder werden zu Festivalakteuren

Es wird getanzt, geklatscht und effektvoll umgefallen. «Dance on Ice» – so der Titel des diesjährigen Kinder- und Familienkonzerts im Rahmen des Gstaad Menuhin Festivals – verspricht eine ausdrucksstarke und unterhaltsame Präsentation zu werden.

JENNY STERCHI
Ein halbes Jahr lang haben Schülerinnen und Schüler des Oberstufenzentrums Ebnit und der Schule Schönried geübt. Choreografien einstudiert, das synchrone Trommeln und Klatschen am eigenen Körper gelernt und perfektioniert. Am Samstagnachmittag ist es endlich so weit und sie können in Saanen zeigen, was sie drauf haben.

Alex Wäber, Pauker des Kammerorchesters Basel, Schlagzeuglehrer an der Musikakademie der Stadt Basel und Gründer der Pumpernickel Company, leitet Rhythmus- und Tanzprojekte mit Kindern und Jugendlichen. Das Gstaad Menuhin Festival greift immer wieder auf dessen Expertise für seine Kindertanzprojekte zurück. Auch in diesem Jahr hat er den Kindern die Verbindung zwischen Bewegung und Musik nahegebracht.

Umso intensiver war diese Woche, was das Proben und die Auseinandersetzung mit dem Thema «Dance on Ice» im weitesten Sinn anbelangt. Denn auch das Familienkonzert hat sich in die Richtung bewegt, die das gesamte Festival in diesem Jahr eingeschlagen hat, nämlich Fragen zum gegenwärtigen Zustand der Erde zu formulieren und sogleich musikalische Antworten zu geben.

Wissenschaft als Basis
Am letzten Montag kamen die am Projekt beteiligten Kinder und Jugendlichen im Oberstufenzentrum Ebnit zusammen und bekamen bestens aufbereitetes Wissen aus der Klima- und Gletscherforschung vermittelt. Dafür hat das Gstaad Menuhin Festival viele verschiedene Informationsquellen angezapft.

Professor Thomas Stocker, Experte in Klima und Umweltphysik, startete in den Klimatag mit einem Referat über den Kenntnisstand zu gegenwärtigen Klimaveränderungen. Er lieferte das wissenschaftliche Fundament für alles, was dann kam.

Plötzlich mittendrin
Die Zürcher Hochschule war mit dem dreidimensionalen Ausstellungsmodul «Expedition 2 Grad» vor Ort. Dabei standen die Mädchen und Jungen dank VR-Brillen (Virtual Reality) auf dem Aletschgletscher und schauten dem computeranimierten Abschmelzen im Zeitraffer zu. Eingebettet in eine Geschichte, die vom Naturwissenschaftler John Tyndall erzählt wird. Er beschäftigte sich als Erster vor mehr als einhundert Jahren mit der Entwicklung des grössten und längsten Gletschers der Alpen.

Eindrücklich und beklemmend, jedoch mit lösungsorientiertem und hoffnungsvollem Schluss. Begleitend dazu füllten die Kinder und Jugendlichen einen digitalen Fragebogen aus, der ihnen ihre Klimazahl – den Stand ihrer Anstrengungen gegen die Klimaerwärmung – angab. Diese Präsentation soll den Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft unterstützen.

Expedition als Mission
Schliesslich sorgten die Vertreterinnen von Girls on Ice Switzerland mittels Pappmodell und einer geleeartigen Masse für die Visualisierung einer Gletscherbewegung. So konnten sich die Schülerinnen und Schüler ein Bild davon machen, dass Gletscher nicht stillstehen, sondern sich vielmehr unterschiedlich schnell bergabwälzen. Woher diese Erkenntnis kommt und wie man die Idee für ein solches Modell wissenschaftlich erarbeiten kann, verriet Anja Gloor, Studentin in Remote Sensing und Leiterin bei Girls on Ice Switzerland. Mit spannenden Expeditionsgeschichten sorgten die Vereinsfrauen durchgehend für Aufmerksamkeit.


PROFESSOR THOMAS STOCKER

Als Professor und Abteilungsleiter für Klima und Umweltphysik (KUP) an der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern ist er sowohl mit Lehre als auch Forschung zu Klimaveränderungen in der Vergangenheit und in der Zukunft beschäftigt. Sein Wissen nimmt er mit an Referate vor Zuhörenden jeden Alters. Er demonstriert jeweils anschaulich seine Modellierungen, mit denen die Ursachen für den Klimawandel auf der Erde über Jahrhunderte hinweg veranschaulicht werden.

JENNY STERCHI


EXPEDITION 2 GRAD

Ein virtuelles Erlebnis im Hochgebirge macht die globale Temperaturzunahme um zwei Grad verständlich. Es ist ein Forschungsund Kommunikationsprojekt der Universität Freiburg und der Fachrichtung Knowledge Visualization der Zürcher Hochschule der Künste. Es richtet sich vor allem an Schulklassen der Sekundarstufe, hat aber in Saanen sein Potenzial ebenso bei jüngeren Kindern bewiesen und funktioniert auch sehr gut für Erwachsene.

FLYER «EXPEDITION 2 GRAD»/JST
www.expedition2grad.ch


GIRLS ON ICE

Girls on Ice Switzerland ist Teil des weltweit agierenden Vereins Girls on Ice, der jährlich zwei Expeditionen explizit für junge Frauen anbietet, zusätzlich Workshops und Exkursionen für alle Schultypen und Klassenstufen. Die Neugier auf Wissenschaft bei den Mädchen und jungen Frauen zu wecken, treibt die Vereinsmitglieder ebenso an, wie das Interesse an den Gletschern zu wecken.

WEBSEITE «GIRLS ON ICE»/JST
www.inspiringgirls.org/switzerland


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