Vogelfotografie ist etwas anderes als ein Fussballspiel
12.10.2023 SaanenKaum jemand dürfte die Entscheidung, bei schönstem Wetter zur Seniorenfeier ins Landhaus in Saanen zu gehen, bereut haben. Die interessanten Informationen zu den Altersfragen im Saanenland und das temperamentvolle Referat von Hanspeter Latour fesselten die Seniorinnen und Senioren.
VRENI MÜLLENER
Was ist das für ein Mann, der empfiehlt, am Morgen zum eigenen Spiegelbild zu sagen: «Schön, dass es mich gibt!»? Das wollten am vergangenen Montagvormittag circa 50 AHV-berechtigte Personen wissen und besuchten die Seniorenfeier. Hanspeter Latour gab viel über sich und seine Sicht auf das dritte Lebensalter preis. Trotz seinen 75 Jahren versprüht er immer noch viel Lebensenergie. «Die Kraft zu einer positiven Lebenshaltung nehme ich aus der Natur und dem täglichen Gebet», bekannte der Naturfreund, der aktiv die Dankbarkeit pflegt.
«Und plötzlich war die Ruhe weg»
Es war nicht anders zu erwarten, als dass der ehemalige erfolgreiche Fussballtrainer zu begeistern wusste. Wer ihn aber nur von seiner sportlichen Seite her kannte, merkte bald einmal, dass dieser Mann mit der starken Stimme (er war ohne Mikrofon im ganzen Saal gut zu hören) noch andere Seiten hat. Bereits seinen einführenden Worten zur Pensionierung und wie man sich darauf vorbereiten kann, hätten manche noch gerne länger zugehört. Als Fussballtrainer hatte er das Glück, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Sehr vieles bekam zu wenig Aufmerksamkeit, seien es die Familie oder Hobbys. Und so gehe es doch vielen arbeitstätigen Menschen vor dem Ruhestand. «Es macht Sinn, mit einem Traum und vorbereitet in die Zeit der Pensionierung zu gehen», weiss der heute 75-Jährige. «Möchte man als Paar möglichst viel gemeinsam machen, oder wünscht sich jede und jeder mehr Zeit für die eigenen Interessen?» Da könne man frei wählen, wie man sich das vorstelle, vorausgesetzt die Gesundheit mache mit. Nicht alle lebten in einer Partnerschaft, nicht zuletzt deshalb verbringen die Menschen die Zeit nach der Pensionierung sehr individuell und verschieden.
Natur mit Latour
Heute befasst sich Hanspeter Latour sehr intensiv mit der Biodiversität. Er erfüllte sich seinen Wunsch, einen naturnahen Garten zu gestalten. Er entwickelte sich zu einem genauen Beobachter von heimischer Fauna und Flora. Bei seinem Haus im Eriz baute er sich eine Welt auf, in der er Biodiversität im Kleinen leben kann. Dank einheimischen Hölzern und Pflanzen, einem Teich und Blumenwiese, die er erst nach der Blüte mäht, siedeln sich je länger, je mehr Schmetterlinge, ganze Vogelfamilien und Insekten an. Latour beobachtet, schreibt, fotografiert und sucht nach Möglichkeiten, noch mehr Lebensräume für die vielen hundert Arten von Tieren und Pflanzen, die es in der Schweiz gibt, zu gestalten. Der Rentner, der sich auch an kleinen Dingen freuen kann, ist überzeugt, dass wenn alle nur 30 Prozent ihrer Gartenfläche in Form von naturnaher Gestaltung der Natur zurückgeben würden, es um die Biodiversität in der Schweiz besser gestellt wäre.
Versorgungssicherheit versus Naturschutz
Es kam zumindest bei der Schreibenden gut an, dass der Autodidakt die Landwirtschaft nicht angriff. «Die Bauern machen nur das, wofür sie vom Volk einen Auftrag erhalten haben, sie produzieren Nahrungsmittel für uns Schweizer.» Mit diesen Worten nahm Latour die grossen Landwirtschaftsflächen in Schutz, auf denen nicht mehr viel Biodiversität zu sehen ist. «Aber wenn wir Ernährungssicherheit wollen, braucht es auch Natur und Landschaftsschutz.» Spätestens seit dem Bienenfilm wüssten wir, dass alle Arten von Bestäubern für die Menschheit überlebenswichtig seien, betonte der leidenschaftliche Verfechter der Artenvielfalt. Das Motto von Latour lautet darum: «Zuversichtlich das eine tun und das andere nicht lassen.»
Bilder von einheimischen Pflanzen und unzähligen, zum Teil unbekannten Arten von Schmetterlingen, Vögeln und Insekten faszinierten und hinterliessen bei den Besuchenden ein Staunen und eine grosse Achtung vor der Schöpfung.
«Es war für mich schlimmer als ein verschossener Penalty, als mich meine Frau genau dann lautstark zum Essen rief, als ich eine Goldammerfamilie im Schnee vor der Linse hatte und gerade abdrücken wollte.» Solchen und anderen humorvollen Schilderungen von Latours Fotopirsch hätten viele noch länger zuhören können. Der Seniorenrat hatte für alle Anwesenden einen Lunch bestellt und schliesslich musste der Saal für diejenigen zurechtgemacht werden, die sich den Motivationskick mit Hanspeter Latour für den Nachmittag aufgespart hatten.
Gemeinde Saanen plant ein neues Altersleitbild
Die zuständige Saaner Gemeinderätin Petra Schläppi überbrachte nicht nur die Grüsse des Gemeinderates. Sie schnitt auch die anstehenden Probleme an, mit denen sich die Behörde gegenwärtig beschäftigt. Das Problem der Wohnungslage in der Gemeinde wird aktiv angegangen. Beim Bau des Daheims bleiben die Behörden am Ball. Die Gesundheitsversorgung mache den älteren Menschen mehr Sorgen als die Wohnsituation. «Es ist enorm schwierig, Hausärzte in unsere Gegend zu holen», gibt die Vorsteherin des Ressorts Soziales zu bedenken. Petra Schläppi stellte ein neues Altersleitbild in Aussicht, das zusammen mit dem Obersimmental herausgegeben werde. Sie schloss ihre Grussworte mit einem der Mottos des Referenten, den der Seniorenrat für diese Feier engagieren konnte: «Sei fleissig und mutig, dann bist du bereit, wenn das Glück bei dir vorbeikommt.»
SENIORENRAT SAANENLAND
Der Seniorenrat Saanenland besteht seit 2003 und ist eine von der Sozialbehörde Saanenland eingesetzte Kommission. Dieser Rat besteht aus elf Seniorinnen und Senioren aus den Gemeinden Gsteig, Lauenen und Saanen.
Der Seniorenrat:
– nimmt alterspolitische Fragen auf
– klärt Interessen und Bedürfnisse der älteren Bevölkerung ab
– steht Sozial- und Gemeindebehörden als Gesprächspartner zur Verfügung
– nimmt an Vernehmlassungen teil und betreibt Öffentlichkeitsarbeit
– organisiert Anlässe für Senioren und Seniorinnen
– lädt im Auftrag der Sozialbehörde Saanenland zur jährlichen Seniorenfeier ein
– koordiniert und vernetzt die bestehenden Angebote im Altersbereich
– arbeitet nach Bedarf mit anderen Organisationen zusammen
– beteiligt sich an der Umsetzung der Massnahmen im Altersleitbild Saanenland.
Der Präsident des Seniorenrates, Christian Steudler, stellte die aktiven Mitglieder des Seniorenrates Saanenland vor und beschrieb die Themen, die der Rat aufgegleist hatte oder ihn gegenwärtig beschäftigten: Der Sunntigs-Treff im Landhaus Saanen ist ein voller Erfolg. Die Senioren zeigten sich wetterfest, als es am E-Bike-Kurs regnete. An den Seniorenwanderungen nehmen immer mehr Wandervögel teil. Führer des E-Tandems für Altersheimbewohner wurden ausgebildet. Hindernisfreies Wohnen, wie es im ehemaligen «Daheim» vorgesehen wäre, beschäftigten den Seniorenrat intensiv.
QUELLE: SAANEN.CH/VRENI MÜLLENER



