Von der Bieridee zu Saane Gutsch

  18.11.2024 Saanen

Jürg Domke und Cyril Schabert bewiesen mit viel Humor, dass am zweiten Abesitz nicht Hopfen und Malz verloren war. Musikalisch umrahmt wurde der Anlass mit beeindruckenden Gesangseinlagen von Kaya Mathis.

KEREM S. MAURER
Eigentlich wollte Jürg Domke einst am Südhang hinter seinem Haus in Saanen Wein anbauen. Die Reben seien wunderbar gediehen und hätten sich über zwei Jahre hinweg prächtig entwickelt. Doch im dritten Jahr, als endlich die ersten Trauben hätten reifen sollen, sei nichts mehr passiert, erzählte er und erläuterte auch gleich warum: «Mäuse hatten das ganze Wurzelwerk der Reben abgefressen.» Damit sei die Idee von Saaner Wein vom Tisch gewesen, und jene des Biers geboren. Cyril Schabert ergänzte: «Apple, Google, Amazon, Harley Davidson und Walt Disney. Wie bei vielen grossen Firmen begann auch die Geschichte von Saane Gutsch in einer Garage.»

Bier als Medizin
Abwechselnd erzählten die passionierten Bierbrauer von den Sumerern in Mesopotamien, die nachweislich Bier gebraut hätten, womit Bier quasi weltweit das erste alkoholhaltige Getränk gewesen sein müsse. Später, so erzählte Cyril Schabert, hätten die christlichen Mönche diese Tradition aufgegriffen und insbesondere zur Fastenzeit starke, würzige Biere gebraut. «Statt zu essen, tranken sie Bier», sagte er. Doch Bier war offenbar nicht nur geeignet, um religionsbedingte Einschränkungen zu überstehen, sondern wurde auch zu medizinischen Zwecken angewendet. So habe beispielsweise Hippokrates (etwa 460 bis 370 v. Chr., Anm. d. Redaktion) Patienten mit Nierenleiden Bier verabreicht. Nach einem weiten geschichtlichen Bogen bis in die Gegenwart erwähnte Jürg Domke eine aktuelle Studie, wonach am Universitätsspital Basel bei Patienten auf der Intensivstation Weizenbier verabreicht werde. Man vermute, dass Bier zur Vorbeugung von Delir helfen könne. Delirien würden das Sterberisiko auf der Intensivstation erhöhen und die Aufenthaltsdauer dort verlängern.

Hefe macht das Bier
Nur Gerste, Hopfen und Wasser darf nach dem deutschen Reinheitsgebot zum Brauen von Bier verwendet werden, erklärte Domke und wies sofort darauf hin, dass dabei eine wichtige Zutat ausser Acht gelassen worden sei. Nämlich die Hefe, denn diese mache letztlich das Bier, indem sie Zucker vergäre und in Alkohol umwandle. In amüsanten Erzählungen bewiesen Schabert und Domke, dass sie etwas von den Finessen des Bierbrauens verstehen und dass ihnen die Qualität ihrer Biere am Herzen liegt. Ihrer Biere, genau, plural. Im Angebot der Brauerei Saane Gutsch gibt es mittlerweile fünf Sorten, allesamt naturtrübe, denn: «Zu Tode gefilterte Biere stellen wir keine her!», sagen die beiden überzeugt. Das überlassen sie gerne den industriellen Brauereien.

Im Anschluss an die informativen Ausführungen bekamen die Besuchenden des zweiten Abesitzes die Gelegenheit, die verschiedenen Biere zu degustieren. Dazu gab es Produkte wie Wurst und Brot – alles mit Biertreber hergestellt, einem Nebenprodukt der Bierbrauerei. Denn auch Kreislaufwirtschaft ist den beiden Bierbrauern, die grossen Wert auf Regionalität legen, sehr wichtig. Übrigens: Etikettiert werden sämtliche Flaschen der Sorte N°3 in der Stiftung Alpenruhe.

Der nächste Abesitz findet morgen Mittwoch, 20. November um 20 Uhr im Landhaus Saanen statt. Thema: «Aus dem Alltag einer Bühnenschaffenden», mit Sarah Luisa Iseli.


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