Milano Cortina 2026: vier Persönlichkeiten – eine olympische Mission
05.02.2026 SportHeute beginnen die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026. Bis zum 22. Februar messen sich Athletinnen und Athleten aus aller Welt in 16 Sportarten. Mitten im internationalen Geschehen stehen auch vier Sportler:innen aus dem Obersimmental und dem Saanenland, die sich mit starken ...
Heute beginnen die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026. Bis zum 22. Februar messen sich Athletinnen und Athleten aus aller Welt in 16 Sportarten. Mitten im internationalen Geschehen stehen auch vier Sportler:innen aus dem Obersimmental und dem Saanenland, die sich mit starken Leistungen für den Grossanlass qualifiziert haben.
ANITA MOSER/JOCELYNE PAGE
Sportliche Höchstleistungen, grosse Emotionen, internationales Kräftemessen: Nach den Winterspielen 2022 in Peking finden in diesem Jahr die Olympischen Winterspiele in Norditalien statt. Der Grossanlass startet heute Freitag, 6. Februar, und dauert bis Sonntag, 22. Februar. Mit dabei sind auch vier junge Sporttalente aus dem Saanenland und dem Obersimmental. Sue Piller aus Gsteig hat sich für den Riesenslalom qualifiziert. Ebenfalls auf den Ski unterwegs ist Franjo von Allmen aus Boltigen, der in den Speeddisziplinen antritt. Biathlet Joscha Burkhalter aus Zweisimmen startet gleich an vier Wettkämpfen. Sandro Hauswirth aus Saanen kommt im Skispringen mehrfach zum Einsatz. Alle vier verbindet ein entscheidendes Kriterium: Ihre konstant starken Leistungen, die ihnen die Selektion für die Olympischen Spiele ermöglichten.
Wo werden die Kräfte gemessen?
Die Frauenrennen finden in Cortina d’Ampezzo im Tofane Alpine Skiing Centre statt, die Männerwettbewerbe in Bormio am Stelvio Ski Centre. Zwei bekannte Weltcuppisten und damit ein Novum: Während in Pyeongchang 2018 und Peking 2022 eigens für den Grossanlass neue alpine Rennstrecken gebaut wurden, die im Weltcup zuvor kaum eine Rolle gespielt hatten, setzen die diesjährigen Organisatoren auf traditionsreiche Strecken des Skizirkus.
Die Biathleten messen sich in der Antholz Biathlon Arena, die Skispringer treten im Skisprungstadion Predazzo an. Insgesamt stehen 15 Wettkampfstätten an acht Orten zur Verfügung. Zwei Wochen später, vom Freitag, 6. März, bis Sonntag, 15. März 2026, folgen die Winter-Paralympics.
195 Medaillen in 16 olympischen und sechs paralympischen Sportarten
Mehr als 3500 Athletinnen und Athleten aus 93 Ländern, darunter 175 aus der Schweiz, kämpfen um insgesamt 195 Medaillensätze in 16 olympischen und sechs paralympischen Sportarten. Die Olympischen Spiele werden heute Freitag um 20 Uhr mit der Eröffnungsfeier im Olympiastadion San Siro in Mailand offiziell eröffnet. Parallel dazu finden an weiteren Austragungsorten in Norditalien Zeremonien und Nationenparaden statt, unter anderem in Predazzo, Livigno und Cortina d’Ampezzo.
Sportlich ging es schon los
Sportlich haben die Olympischen Winterspiele jedoch bereits vor der offiziellen Eröffnung begonnen. Seit Mittwoch werden erste Wettkämpfe ausgetragen, insbesondere im Mixed-Doppel im Curling und im Eishockeyturnier der Frauen. In weiteren Sportarten stehen Trainings und erste Qualifikationen auf dem Programm, so beispielsweise in der Abfahrt bei den Männern. Das Frauenabfahrtstraining musste aufgrund des anhaltenden Schneefalls abgesagt werden.
Diese vier Athleten messen sich in Milano Cortina mit der Weltspitze
Heute beginnen die Olympischen Winterspiele in Milano Cortina. Vier Athletinnen und Athleten aus dem Obersimmental und dem Saanenland haben sich mit konstanten Leistungen und starken Resultaten für den Grossanlass qualifiziert. Im Gespräch sprechen sie über ihren Weg nach Olympia, ihre sportlichen Ambitionen und die Erwartungen an die Wettkämpfe.
SANDRO HAUSWIRTH, SKISPRINGER AUS SAANEN, IM INTERVIEW
Mit der offiziellen Bestätigung wurde aus jahrelanger Arbeit Realität: Sandro Hauswirth hat sich das Ticket für die Olympischen Spiele in Milano Cortina gesichert. Der Entscheid fühlt sich für ihn wie eine Belohnung für harte Trainingsjahre an und gibt ihm zusätzliches Selbstvertrauen für die kommenden Herausforderungen auf der grossen Bühne.
PAULA H. MITTAG
Sie haben sich das Olympia-Ticket erarbeitet. Was ging Ihnen durch den Kopf, als die Selektion feststand?
Es war mega schön, als die Bestätigung da war, und mir die Olympiaselektion mitgeteilt wurde. Das war für mich ein Zeichen für meine harte Arbeit der letzten Jahre, die sich jetzt endlich auszahlt.
Welche Leistung oder Phase war aus Ihrer Sicht entscheidend für die Qualifikation?
Ich habe schon früh mit dem Training begonnen und habe viel Arbeit reingesteckt. Beispielsweise habe ich beim Springen im Sommer schon gut arbeiten können und meine Technik stabilisiert. Dort konnte ich auch viele Puzzleteile, die ich mir in den letzten Jahren erarbeitet habe, zusammenführen. Der Sieg beim Continental Cup in Klingenthal kurz vor dem Weltcupstart hat mir viel Selbstvertrauen und Entschlossenheit gegeben, um in den Winter zu starten.
Woran arbeiten Sie bis Milano Cortina sportlich noch am meisten?
Ich gehe in ein Vorbereitungslager nach Planica in Slowenien. Es ist das letzte Springen vor Olympia und ich möchte da gerne meinen letzten Schliff holen. Mein Ziel ist es, bei der Olympiade zwei gute Sprünge abzuliefern, weil bisher im Weltcup oft nur ein Durchgang gut war. Ich möchte konsistenter werden.
Worauf freuen Sie sich am meisten bei den Olympischen Spielen?
Am meisten freue ich mich auf die Wettkämpfe und auf die Challenge. Ich freue mich auch auf das ganze Drumherum, wie beispielsweise die Eröffnungsfeier und die Atmosphäre im Olympiadorf. Ich hoffe, dass mir die Olympiade viel Energie für den Rest der Saison gibt.
JOSCHA BURKHALTER, BIATHLET AUS ZWEISIMMEN, IM INTERVIEW
JOCELYNE PAGE
Sie reisen zum zweiten Mal an Olympische Spiele. In welchen Disziplinen werden Sie in Milano Cortina starten?
Ich werde am Einzel, Sprint, Verfolgung und in der Staffel starten. Die Mixed-Staffel-Besetzung wird kurzfristig vor Ort entschieden und für den Massenstart muss ich mich erst noch qualifizieren.
Was ist für Sie diesmal anders als bei Ihrer ersten Olympia-Teilnahme in Peking?
Da ich dieses Mal die Olympianorm bereits sehr früh in der Saison erreicht hatte, konnte ich schon länger mit Olympia planen. Ich freue mich vor allem darauf, dass die Olympischen Spiele wieder mal bei uns in den Alpen, fast zu Hause, stattfinden und dementsprechend viele wintersportbegeisterte Fans sowie Familie und Bekannte vor Ort sein werden. Für die Biathlonwettkämpfe in Antholz werden fast 20’000 Zuschauerinnen und Zuschauer pro Wettkampf erwartet, die für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen werden.
Welche Erfahrungen von 2022 helfen Ihnen in der aktuellen Vorbereitung am meisten?
Die Olympischen Spiele sind in allen Bereichen nochmals ein bisschen grösser, manchmal komplizierter und einfach grundsätzlich etwas Spezielles. Das Privileg, dass ich bereits zum zweiten Mal dabei bin, lässt mich in vielerlei Hinsicht etwas lockerer an die Wettkämpfe gehen.
Wo sehen Sie derzeit Ihre grössten sportlichen Stärken?
Meine Konstanz am Schiessstand mit einem schnellen und sicheren Schiessen. Falls es mir gelingt, dies auch an Olympia abzurufen, sind gute Resultate realistisch.
Mit welchen persönlichen Erwartungen gehen Sie an diese Olympischen Spiele?
Ich möchte in den zwei Wochen mein bestmögliches Biathlon zeigen und Spass an den Wettkämpfen haben.
SUE PILLER, SKIATHLETIN AUS GSTEIG, IM INTERVIEW
JOCELYNE PAGE
Im Februar 2025 haben Sie Ihre ersten zwei Weltcuprennen bestritten. Nun sind Sie qualifiziert für die Olympischen Winterspiele in Italien. Das ging alles sehr schnell.
Ja, extrem schnell. Zu Beginn der Saison wusste ich nicht einmal, ob ich überhaupt noch Weltcuprennen fahren darf oder ob ich mich ganz auf den Europacup konzentrieren muss. Dank der Trainings und der ersten Rennen habe ich mir dann weitere Starts im Weltcup erarbeiten können. Dass es jetzt sogar für die Olympia- Qualifikation und die Selektion gereicht hat, ist fast surreal.
Nun reisen Sie mit der Schweizer Delegation nach Cortina d’Ampezzo. Mit 20 Jahren sind Sie die Jüngste im Technikteam. Wie erleben Sie dies?
Klar, es ist sehr cool. Aber ich fühle mich gar nicht so jung. Zum einen fahre ich schon sehr lange Ski. Zum anderen gibt es im Team auch noch Athletinnen, die jünger sind als ich, beispielsweise Dania Allenbach aus der Bissen. Deshalb beeinflusst mich das nicht gross.
Wie sieht Ihre Vorbereitung nun auf die Zeit in Italien aus?
Vor Olympia trainiere ich noch Slalom an den Hublen und bestreite zwei Europacuprennen am Oberjoch. Anschliessend geht es direkt an den Kronplatz, wo wir nochmals trainieren und uns gezielt auf Olympia vorbereiten.
Wie sieht ihre Organisation und die Anreise nach Italien aus?
In Zürich haben wir vor den Olympischen Spielen Medientermine und fassen unser Material. Nach Italien reise ich mit meinem Servicemann und dem Trainer an, da ich davor noch die Europacuprennen bestreite.
Kennen Sie den Hang in Cortina bereits?
Nein, ich bin dort noch nie gefahren. Ich habe Erinnerungen an die Weltmeisterschaft von 2021 und an die Goldmedaille von Lara Gut-Behrami. Aber den Hang kenne ich nicht. Ich bin es mittlerweile gewohnt, auf Strecken zu fahren, die ich vorher noch nie gesehen habe.
Wie fühlen Sie sich mental im Moment?
Die letzten Tage waren wie ein Fiebertraum. So richtig realisiert habe ich es noch nicht. Es fühlt sich noch unwirklich an. Ich glaube, ich werde das Ganze erst nach der Saison richtig verarbeiten können. Jetzt fokussiere ich mich auf das Skifahren und auf eine gute Vorbereitung.
Und wie sind Sie als Athletin im Starthaus? Ruhig oder eher aufgedreht?
Eigentlich ganz normal. Ich rede ein wenig mit den Leuten, aber nicht zu viel. Ich bin weder extrem extrovertiert noch introvertiert. Kurz vor dem Start höre ich Musik und fokussiere mich. Ich bin ruhig, mache aber auch noch ein Scherzli mit dem Trainer oder dem Servicemann. Ich bin eher locker.
Welche Musik hören Sie denn?
Ich habe eine Playlist mit allen Genres, von Eminem über Noah Kahan bis Metallica. Es ist wirklich alles dabei (lacht).
Sie sind derzeit zweigleisig unterwegs. Riesenslalom im Weltcup, Slalom im Europacup. Das ist ein dichtes Programm.
Ja, das stimmt. Ich konnte diese Wintersaison bisher kaum Slalomrennen fahren. Ich trainiere aber sehr viel Slalom und möchte dort Fortschritte machen. Nach den Olympischen Winterspielen in Cortina habe ich hoffentlich etwas mehr Zeit, um auch Slalomrennen zu fahren und das Training umzusetzen.
FRANJO VON ALLMEN, SKIATHLET AUS BOLTIGEN, IM INTERVIEW
«Für mich ist Olympia ganz klar ein neues Kapitel»
JOCELYNE PAGE
Sie sind bereits zweifacher Weltmeister. Jetzt stehen mit den Olympischen Winterspielen neue Herausforderungen an. Fühlt sich die Vorbereitung ähnlich an oder ist die emotionale Ausgangslage eine andere?
Für mich ist Olympia ganz klar ein neues Kapitel. Die WM war letztes Jahr, und von dort nehme ich sehr viel Positives mit, das ich hoffentlich auch an die Olympischen Winterspiele mitnehmen kann. Grundsätzlich versuche ich es aber ähnlich anzugehen. Ich nehme bewusst etwas Druck heraus und gehe es für mich wie ein normales Weltcuprennen an. Trotzdem ist die Olympiade nochmals ein anderes Thema. Rundherum wird alles neu sein. Die Ausgangslage ist im Vergleich zur WM 2025 in Saalbach wieder eine ganz andere. Am Ende fängt man wieder bei null an.
Bormio ist der Olympia-Austragungsort für Abfahrt, Super-G und Teamkombination der Männer. Mit dem zweiten Platz in der Abfahrt im Dezember 2024 haben Sie dort bereits gezeigt, dass Ihnen die Strecke liegt. Gibt Ihnen diese Erfahrung zusätzliches Vertrauen oder ist Olympia trotzdem ein Neustart?
Es hilft sicher, dass es auf einer Strecke ist, die ich schon kenne und auf der ich bereits gefahren bin. Ich kann dort positive Emotionen mitnehmen, das erleichtert vieles. Trotzdem ist Olympia ein Neustart. Das Feld ist momentan sehr breit, viele Fahrer können überzeugen und sind sehr schnell. Von daher wird es wieder darum gehen, Gas zu geben, das Ganze zu geniessen und erste olympische Erfahrungen zu sammeln.
Wie sehen Ihre konkreten Vorbereitungen auf die
Olympischen Winterspiele aus und worauf legen Sie aktuell den Schwerpunkt?
Spezielle Olympia-Vorbereitungen gab es kaum. Die Rennen in Wengen, Kitzbühel und Crans-Montana folgten
Schlag auf Schlag und waren Teil der Vorbereitung, nun gefolgt von der Reise nach Borson. Die Vorbereitung hat schon viel früher begonnen, über mehrere Jahre hinweg. Besonders in den letzten zwei, drei Weltcupsaisons konnte ich viele neue Erfahrungen sammeln. Deshalb bereite ich mich im Prinzip so vor wie auf jedes andere Weltcuprennen auch.
Viele Athleten sehen die Olympischen Winterspiele als Lebenstraum. Welche Rolle spielen sie für Sie?
Olympia ist für jeden Sportler etwas Besonderes. Es ist ein Ort, an dem man zeigen kann, wozu man fähig ist. Für mich ist es sicher ein grosser Traum, auch wenn das nicht schon von klein auf so war. Das Skifahren stand bei mir lange einfach für Freude und Spass. Mittlerweile hat sich alles stark professionalisiert, aber ich versuche trotzdem, die Freude am Sport zu behalten. Skifahren ist ein wunderschöner Sport. Wenn man das mit Erfolg verbinden kann, ist das umso schöner. Olympia ist für mich ein Event, bei dem ich Spass haben, mein bestes Skifahren zeigen und sehen will, dass sich die jahrelange Arbeit gelohnt hat. Darauf freue ich mich sehr.









