«Ich habe rund 600 000 Kilometer in den Beinen»
15.06.2018 SportUeli Anker, Presseverantwortlicher der Tour de Suisse, brachte Beat Breu und Oskar Camenzind als Überraschungsgäste an die Pressekonferenz. Sie gaben Einblick in den Fahreralltag von einst und heute.
BLANCA BURRI
«Der Himmel weint vor Freude», sagte der gut gelaunte Tourismusdirektor Sébastien Epiney an der Pressekonferenz. Er sei froh, habe kein Schweizer gewonnen, denn so werde Gstaad nun auch in Irland und Dänemark wahrgenommen. Sieger der 4. Etappe ist nämlich Christopher Juul Jensen, der in Irland geboren ist und heute für Dänemark fährt.
Bergkönigveranstalter Alex Beeler hatte zum Wetter eine Bauernregel bereit: «Regieren an der Tour de Suisse Regen, Blitz und Donner, so herrschen beim Bergkönig Sonne und Sommer.» Mit dem Vintagerennen bietet er der Schweizer Radsporttradition eine Plattform. «Dass die Stars der Tour de Suisse ebenso wie Legenden und ‹Hobbygümmeler› über dieselben Pflastersteine in derselben Promenade fahren, ist toll», sagte Ueli Anker.
Mitgelitten
Die beiden Radlegenden Camenzind und Breu litten am Dienstag mit den Profis mit, als diese im Regen das Simmental hochstrampelten. Mit so einem kleinen Vorsprung auf die letzten drei Kilometer auf dem Gstaad-Airport einzufahren, sei schwierig, so Beat Breu. Wenn es stark gewindet hätte, wäre es für ihn im flachen Gelände wohl schwierig geworden. «Jederzeit hätte der Däne von den Verfolgern wiederum eingeholt werden können», sagte Breu. «Zum Glück hat der Führende gewonnen, sonst wäre das für ihn bitter gewesen», ergänzte Oskar Camenzind.
Zeit für ein Schwätzchen
Zu Beginn einer Etappe hätten die Rennfahrer sehr wohl Zeit, die Landschaft anzuschauen und die Umgebung zu geniessen, wussten die beiden Exprofis. Oftmals halte man auch das eine oder andere Schwätzchen mit Teamkollegen oder Konkurrenten. Ehrlicheweise seien Letztere oftmals etwas demoralisierend. «Nicht sehr erfreulich», wie sich die Exprofis äusserten. Die letzten 20 bis 40 km der Etappe sei man konzentriert und lasse sich nicht mehr ablenken. Aber gerade Orte wie Gstaad, Paris oder Nizza blieben den Rennfahrern in Erinnerung.
Restaurantküche oder Teamkoch?
Beat Breu kann sich gut erinnern, dass er und seine Radkollegen während der Aktivzeit in Massenlagern oder in fensterlosen Zimmern übernachteten. Manchmal habe man auch eine Schranktüre zwischen Bettrost und Matratze gelegt, um einigermassen schlafen zu können. Die Küche sei damals vor allem in Frankreich und Spanien ein grosses Thema gewesen. Den Spruch «Speisen wie Gott in Frankreich», habe er oft gehört. «Wo Gott gegessen hat, würde mich schon noch interessieren», sagte Beat Breu. Denn er habe diesen Ort damals nicht gefunden. «Schon immer sind die Hotels, das Essen, die Strassen und die Organisation der Tour de Suisse sehr gut gewesen, weshalb sie bei vielen Fahrern beliebt ist», sagen Camenzind und Breu unisono.
Gutes Wetter
Oskar Camenzind bietet in einem Hotel in Österreich Velowochen an. Und so wurde er nach dem richtigen Rezept für die erfolgreiche Velodestination Gstaad gefragt. «Schönes Wetter!», lachter er, um etwas ernster anzufügen, dass Gstaad schon sehr vieles richtig mache. Vor allem die Höhe und das abwechslungsreiche Tourenangebot sind ideal. Es gebe bereits gute Hotels. Was besonders wichtig sei, sei die Dienstleistung vor Ort. Er kenne das Saanenland gut, obwohl er nicht so oft hier sei. «Ich bin sogar schon einmal über den Mittelberg gefahren, das war sehr schön», meinte Camenzind. Insgesamt habe er während der Spitzenzeit pro Saison maximal 35 000 km im Sattel gesessen. Beat Breu wusste nicht, wie weit er pro Saison gefahren ist, an die Gesamtdistanz erinnerte er sich: «Ich habe rund 600 000 Kilometer in den Beinen.»











