Klassischer Hochgenuss als Osterfreude

  04.04.2018 Kultur

Mit Werken aus dem 19. Jahrhundert warteten heuer der Dirigent Michael S. Bach und der Chorleiter Roland Neuhaus mit Ausführenden aus der Region an den Osterkonzerten in der Mauritiuskirche auf.

LOTTE BRENNER
Die Saanenland-Streicher, das Orchestra degli Amici, zusammengesetzt aus regionalen Berufsmusikern und Laien mit sehr hohem Niveau und der Mauritius-Chor begeisterten auch dieses Jahr wieder mit grossem Engagement und Können, und auch die beiden einheimischen Solisten, Béatrice Villiger und Raphael Jud, sangen sich in die Herzen der Zuhörerschaft. Der Tenor Christoph Waltle harmonierte mit sicherer, kräftiger Stimme wunderschön mit dem weichen, sonoren Bass-Bariton von Jud.

Das von Markus S. Bach geleitete Orchestra degli Amici sowie der Mauritius-Chor, unter der Leitung von Roland Neuhaus, sind im Saanenland zum festen Begriff geworden. Die Oster- und Altjahrskonzerte wurden mittlerweile über die Region hinaus bekannt. Und tatsächlich erstaunt immer wieder das hohe musikalische Niveau. Es steckt unglaublich viel Herzblut, aber auch eine enorme seriöse Arbeit dahinter.

Zwei kurze Rosinen
In zwei kurzen Stücken zeigte das Orchester, wie subtil und musikalisch schön es spielt, unter kundiger Leitung von Michael S. Bach und der jahrelangen Konzertmeisterin Simone Roggen, die ebenfalls prägnant mitzureissen weiss. Wie zart doch die Streicher im «Intermezzo sinfonico» von Pietro Mascagni, berühmt durch seine «Cavalleria rusticana», in eine weite Melodienwelt eintauchten oder die Bläser in Giacomo Puccinis «Preludio sinfonico» eine behäbig melodiöse, vornehme Musik einleiteten. Nach harmonischem Reichtum und emotionalem Aufbruch mit Hornklängen folgte im Präludium erneut eine elegische Ruhe, die sich dann in gezupften Schlusstönen davonschlich. Es war musikalisch ein Hochgenuss, ein Schwelgen in der Romantik des 19. Jahrhunderts.

Ein Opern-Höhepunkt
Die «Messa di Gloria» von Giacomo Puccini, die im Mittelpunkt des gelungenen Konzerts stand, zeigt starke Tendenz zum Weltlichen, Opernhaften auf. Nebst den Orchesterwerken «Intermezzo sinfonico» von Pietro Mascagni und Puccinis «Preludio sinfonico» liess sich also auch eine Opernarie, ebenfalls von Puccini, passend ins Musikprogramm aus dem 19. Jahrhundert einbauen. Béatrice Villiger sang die Arie «Senza Mamma» aus «Suor Angelica». Es war ein wundervoller Opernauftritt, ausdrucksstark, erschütternd schön. Die Sopranistin beherrscht ihre Stimme instrumental geschmeidig und meistert technisch und musikalisch schwierige Partien in verschiedenen Lagen.

Die «Messa di Gloria»
Als grossartige Solisten zeigten sich auch der Tenor Christoph Waltle und der Bariton Raphael Jud in der «Messa di Gloria», einer Messe mit lyrischem, romantischem Einschlag mit instrumentalem Melodienreichtum und lebendigen Chorpartien, vom Mauritius-Chor gepflegt interpretiert. Die «Messa di Gloria» ist ein Jugendwerk von Puccini, betont weltlich, manchmal überschwänglich, opernhaft. Bereits mit 18 Jahren schrieb der junge Komponist eine Motette und ein «Gloria». Zwei Jahre später komponierte er eine Messe in A-Dur, in welche er die beiden Sätze einbaute, so die Motette als Kyrie. Im selben Jahr, 1880, wurde die Messe aufgeführt und erntete schon damals von Kritikern in technischer und auch musikalischer Hinsicht grosses Lob. Für das Jungtalent Puccini ist diese Messe als reife Leistung zu werten, umso mehr als er damit seinen Tribut an die Kirchenmusik leistete. Denn eigentlich wäre er als Kirchenmusiker vorgesehen gewesen. Als er 6-jährig zum Waisen wurde, war per Dekret festgelegt, dass er in die Fussstapfen des Vaters treten und der Familientradition gemäss seine musikalische Karriere im Kirchendienst absolvieren sollte. Bekannterweise kam es ja dann anders. Angetan vom Geist jener Zeit, verschrieb er sich dann der Oper und machte sich unsterblich mit Werken wie etwa «Madama Butterfly» oder «Tosca».

Das Multitalent
Der Chorleiter Roland Neuhaus zeigte sich im Osterkonzert als Multitalent – einmal als überzeugender Orgelsolist, dann im Orchester als Kontrabassist. Meistens tritt er an den Oster- und Altjahrkonzerten auch als Dirigent auf, doch überliess er diesmal die Gesamtleitung Michael S. Bach, der in gewohnter Weise mit grosser Begeisterung und äusserst feinfühlig die Musikerinnen und Musiker zu dirigieren wusste. Alles in allem: Es war ein gelungenes, homogenes Gemeinschaftswerk, eine wahre Osterfreude.

 


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