«Zwei Halbe geben auch ein Ganzes»

  06.02.2018 Saanen

Ein Querschnitt aus dem Schaffens des gebürtigen Saaners Karl Uelliger ist im Museum der Landschaft Saanen ausgestellt.

BLANCA BURRI
Vielen Einheimischen ist nicht bekannt, dass der Künstler Karl Uelliger aus dem Saanenland stammt. Nach einer bewegten Kindheit in Saanen und diversen Stationen formte sich sein Lebensmittelpunkt in der Ostschweiz. Walter von Siebenthal fragte im vergangenen April in einem Artikel über den Künstler, ob wohl ein Teil des Werkes einmal seinen Weg zu einer Ausstellung ins Saanenland finden werde. Dies ist nun geschehen. In enger Zusammenarbeit mit der Uelliger-Stiftung stellt das Museum der Landschaft Saanen einen eindrücklichen Querschnitt seines Schaffens aus. Elisabeth Sailer, Präsidentin der Uelliger-Stiftung, gab an der Vernissage vom vergangenen Freitag Abend einen besonderen Einblick in sein Leben und Schaffen.

«Zwei Halbe geben auch ein Ganzes»
35-jährig lernte Karl Uelliger Hanna Monfort kennen. Sie war aus gutem Haus in Freiburg im Breisgau und arbeitete wie er in der damaligen psychiatrischen Klinik in Kilchberg bei Zürich. Er arbeitete als Hausbursche, sie als Büglerin. Beide seien gesundheitlich angeschlagen gewesen, wie Elisabeth Sailer weiss. Hanna aber habe erkannt, dass «in diesem Burschen mehr steckt». Schon ein Jahr später heirateten die beiden, dabei sei Hanna die treibende Kraft gewesen. Sie habe auf Karis Bedenken gesagt: «Zwei Halbe geben auch ein Ganzes.»

Eingeschlossenes kam zum Vorschein
Nach erst bescheidenen Jahren ging es finanziell etwas aufwärts, als Hanna Uelliger eine Fabrikkantine führen konnte. Das erlaubte Karl, sich voll auf die Kunst zu konzentrieren. «Was nun kam, war wie eine Eruption. Über viele Jahre hinweg Eingeschlossenes drängte an die Oberfläche: auf Papier, Karton, Leinwand, Holz und Glas – wollte sichtbar und erlebbar werden», schwärmte Elisabeth Sailer. Grosse Teile seines Werkes sind heute im Kloster Fischingen ausgestellt, so auch die Krippe, die aus 123 geschnitzten Figuren besteht.

Farben, Formen, Licht und Dunkelheit
Ein spannender Einblick in Uelligers Schaffen ist in Saanen zu sehen. Zum Beispiel seine Holzschnitte, die wie andere Werke auch zum Teil religiös angehaucht sind. «So könnte die Arche Uelliger sein» ist einer davon. Auf dem Boot steht ein Holzchalet, neben zwei Menschen sitzt eine Katze an Bord.

Besonders faszinierend ist «Der Träumer», eine ruhige, entspannte Holzskulptur, die in diversen Blautönen gehalten ist und eine tiefe Entspannung und Zufriedenheit ausstrahlt.

Die Acrylmalereien gehen unter die Haut. Ihre Tiefen sind unergründlich. Beim Betrachten von «Namenloses Schattenvolk», wird man derart in den Bann gezogen, dass es einen nicht mehr loslässt. Immer tiefer scheint man im Bild zu versinken, unaufgeregt, fast wohlig und geborgen fühlt man sich darin. Und wenn man sich nach einem Moment umschaut, erschrickt man, weil man nicht in der Bildlandschaft, sondern mitten im Ausstellungsraum steht.

Vielen Besuchern gefallen die Bilder aus der Serie «Mein Jugendbilderbuch» besonders gut. Darin verarbeitet Uelliger seine Kindheit im Saanenland, die sowohl helle wie auch dunkle Momente beinhaltet.

28. Sonderausstellung
Während Karl Uelliger im Saanenland nicht sonderlich bekannt ist, gibt es in der Ostschweiz viele Uelliger-Liebhaber, wie Elisabeth Sailer sagte.

«Seit der Eröffnung des Museums vor fast 20 Jahren präsentieren wir heute die 28. Sonderausstellung», sagte der sichtlich stolze Präsident Stephan Jaggi. Als Kunstliebhaber sei er besonders glücklich, dass es bereits die 10. Kunstausstellung sei.

Die Kunstwerke des gebürtigen Saaners Karl Uelliger sind bis 1. April im Museum der Landschaft Saanen ausgestellt.

«So könnte die Arche Uelliger sein» ist ein Holzschnitz mit biblischem Hintergrund.


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