Hangrutsche sorgen auf Strasse und Schiene für Behinderungen
09.01.2018 RegionDas Sturmtief Burglind hat auch im Saanenland Spuren hinterlassen. Die Kantonsstrasse zwischen Saanenmöser und Zweisimmen musste vorübergehend für den Schwerverkehr gesperrt werden und der Zugverkehr zwischen Gstaad und Château-d’Oex bleibt bis voraussichtlich 12. Januar unterbrochen.
ANITA MOSER
Aufgrund der grossen Regenmengen hat ein Hangrutsch im Bereich der Marchgrabenbrücke auf der Kantonsstrasse zwischen Zweisimmen und Saanenmöser die talseitige Fahrbahn massiv unterspült. Rund 300 Kubikmeter Erdmaterial sind ins Rutschen geraten. Nach der Untersuchung durch einen Geologen haben die Behörden am Freitag eine Beschränkung des Höchstgewichts auf 7,5 Tonnen erlassen. Die Zu- und Wegfahrt für LKW und Busse ins Saanenland war damit nur über Bulle–Château-d’Oex möglich. Es habe wenig Probleme gegeben, informiert Michael Neuenschwander, stellvertretender Strasseninspektor Oberland-West, auf Anfrage. Die Reparaturarbeiten (Holzkastenverbauung) wurden umgehend aufgenommen und haben über das Wochenende (tagsüber) angedauert, so Neuenschwander. «Die Strasse soll sobald als möglich wieder für sämtlichen Verkehr freigeben werden.» Ging alles planmässig, wurde heute früh um fünf Uhr die Verkehrsbeschränkung für Lastwagen und Busse wieder aufgehoben. Sobald als möglich wird man jetzt den Belag einbauen und anschliessend den Ampeldienst aufheben. Wann die Strasse wieder doppelspurig passierbar ist, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Busverkehr zwischen Gstaad und Château-d’Oex bis 12. Januar
Der Bahnbetrieb hat sich weitgehend normalisiert. Die Züge zwischen Gstaad und Zweisimmen sowie Zweisimmen und Lenk fahren seit einigen Tagen wieder fahrplanmässig. Nach wie vor unterbrochen ist die Teilstrecke zwischen Gstaad und Châteaud’Oex. Ein Hangrutsch nahe Flendruz hat grösseren Schaden verursacht. Die Bauarbeiten sind im Gang und dauern voraussichtlich bis 12. Januar, wie Gabriel Rosetti, Leiter Personenverkehr bei der MOB, auf Anfrage informiert. «Es muss mit Verspätungen gerechnet werden, die Anschlüsse sind nicht garantiert», so Rosetti. Er rät den Reisenden, bis zu einer Stunde mehr Zeit einzuberechnen.
Feuerwehr im Dauereinsatz
Am Mittwoch, als Burglind über die Schweiz fegte, musste die Feuerwehr von Saanen nur wenige Male ausrücken, wie Feuerwehrkommandant Christian Brand auf Anfrage informiert. «Schon am Mittwoch wurden einige Keller überflutet.» Von Donnerstag, 4. Januar gegen Mittag bis Freitagabend stand sie jedoch praktisch im Dauereinsatz, die Feuerwehr wurde wie vielerorts zur «Wasserwehr». Zahlreiche Keller wurden überflutet und zwar im ganzen Gemeindegebiet. «Das ist aussergewöhnlich, ein normales Sommergewitter ist doch eher lokal», so Brand. An einzelnen Gebäuden sei enormer Schaden entstanden, aber alles in allem sei man dennoch mit einem blauen Auge davongekommen, so das Fazit von Christian Brand. «Es sind keine Personen zu Schaden gekommen.»
Auch Gsteig ist glimpflich davon gekommen. Die Feuerwehr musste vom 3. bis 4. Januar dreimal ausrücken, wie die Gemeinde auf Anfrage sagt. So hat man unter anderem ein Haus vor Wassereinbruch erfolgreich schützen können, bei einem Ferienhaus ist hingegen Wasser in den Liftschacht und ins Erdgeschoss eingedrungen.
Murgang an der Strasse zum Lauenensee
Zu Kurzeinsätzen musste während dem Sturm auch die Feuerwehr Lauenen ausrücken. Wie Kommandant Bernhard Perreten auf Anfrage informiert, haben die starken Regenfälle einen Murgang an der Strasse zum Lauenensee ausgelöst. Mit dem Verbau wird voraussichtlich Mitte Woche begonnen. Da die Strasse im Winter jeweils gesperrt ist, kommt es zu keinen grossen Beeinträchtigungen. «Anstösser können die Strasse mit dem PW passieren», so Perreten.
Störung bei Internetzugang
Burglind sorgte da und dort auch für Stromunterbruch und so waren auch verschiedene Haushalte im Saanenland zeitweise ohne Strom. Gemäss Auskunft von Gilles Seuret, Pressesprecher der BKW, sind derzeit wieder alle Kunden mit Strom versorgt.
Zu Störungen kam oder kommt es immer noch beim Netzzugang. Aufgrund des Unwetters von letzter Woche liege bei 15 Kunden in der Gemeinde Saanen zurzeit eine Störung des Internetzugangs vor, informierte etwa Swisscom gestern Montag. «Wir arbeiten an der Behebung der Störung und gehen davon aus, dass die Kundinnen und Kunden die Services von Swisscom zeitnah wieder nutzen können», so Pressesprecher Armin Schaedeli. Einen genauen Termin für die Störungsbehebung lasse sich aber zurzeit nicht nennen. Von Netzausfällen waren aber nicht nur Swisscom-Kunden betroffen, sondern beispielsweise auch Salt-Kunden.
Keine flächendecken Schäden im Forst
Schweizweit stehen nach dem Wintersturm aufwendige Räumungsarbeiten im Wald an, so auch im Saanenland. Es sind zwar zahlreiche Bäume umgefallen oder umgeknickt, im Vergleich zur Heftigkeit des Sturms jedoch wenige, wie Revierförster Daniel Bütschi auf Anfrage sagt. Der eigentliche Schaden sei aber noch nicht abschätzbar. Überall sei es jedoch zu kleineren und grösseren Erdrutschen gekommen. «Erdrutsche hat es mehr gegeben, als man sieht», so Bütschi.
Einbussen bei den Bergbahnen
Die Bergbahnen konnten am Freitag den Betrieb wieder aufnehmen – vereinzelte wie Chalberhöni (sie blieb am Freitag wegen Hochwasser geschlossen) und Wispile (Freileitung am Boden) erst am Samstag. «Eine solche Sturm- und Regenfront ergibt gegenüber Tagen mit Sonne und ohne Wind ein Delta von fast einer Million Franken», betont Matthias In-Albon, Geschäftsführer der BDG AG, auf Anfrage. Er rechnet vor: «4000 Ersteinstritte am Freitag, 700 am Donnerstag und 400 am Mittwoch und dies anstelle der 10 000 bis 15 000 Ersteintritten an Top-Tagen, wie wir sie an Vortagen hatten – gerechnet mit einem Durchschnittspreis von etwa 30 Franken pro Ersteintritt.» Der Samstag war wieder ein guter Tag und die BDG verzeichnete fast 10 000 Ersteintritte. «Ich will nicht klagen, das Wetter können wir nicht beeinflussen und es hat auch nicht nur uns getroffen, aber der Sturm kam für uns zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt», so In-Albon. «Wir hatten bis nach den Weihnachtstagen einen Traumstart und die Neujahrswoche gehört normalerweise ebenfalls zu den besten Wochen, die Gäste sind da. Am Sonntag sind bereits viele abgereist und zahlreiche Skisportler sind nicht gekommen, weil einige Portale für Sonntag Wind gemeldet hatten.» Im Rest des Januars seien die Wochenenden entscheidend, an den Wochentagen sei weniger los, sagt In-Albon und hofft entsprechend insbesondere auf schönes Wochenend-Wetter.
Föhn sorgt erneut für Unterbruch
Der Föhn hat am Montag bereits wieder für Betriebsunterbrüche bei den Bergbahnen gesorgt. Der Glacier 3000 war gestern wegen Sturmwind geschlossen, von der BDG mussten auch einzelne Bahnen schliessen. Wintersportler erkundigen sich am besten via Interaktivkarte über die jeweils aktuelle Situation.




